Bereits zum zweiten Mal in Folge bekam die Münchner CSU mitten im Wahlkampf um den Oberbürgermeisterposten das gleiche Problem: Ihr Kandidat will nicht mehr. Vor drei Jahren war Hans-Peter Uhl zurückgetreten, als ihm der Vorsitz der Münchner Union verweigert worden war. Damals hatte Aribert Wolf die Kandidatur übernommen und immerhin 37 Prozent gegen den SPD-Kandidaten Christian Ude retten können.
Das Ende eines Schnellstarts
?Der Wolf kommt" war das Motto der stark personenbezogenen Wahlkampagne, mit der die CSU ins Rennen ging. Aber nach einem kurzen Sprint stolperte Aribert Wolf über ein unsensibles Wahlplakat. ?Terrorzellen in München?" lautete die Überschrift dieses Plakats. Der Vorwurf, die rot-grüne Mehrheit im Stadtrat verfolge eine potentiell Terrorismus-freundliche Politik, entpuppte sich bald als Eigentor. Laute Empörung von allen Seiten, auch in den eigenen Reihen, bewegte Wolf zum Rücktritt. Und wieder war der Kandidat weg.
Wer wird der Nächste?
Die Frage nach dem Nachfolger war dieses Mal nicht ganz so einfach wie vor drei Jahren. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber ließ unverzüglich durchblicken, er sei nicht bereit, Kultusministerin Monika Hohlmeier oder Finanzminister Kurt Faltlhauser in die aussichtlose Schlacht gegen den populären Amtsinhaber Ude zu schicken. Damit blieben noch der Münchner CSU-Vorsitzende Johannes Singhammer und der Fraktionsvorsitzende im Stadtrat Hans Podiuk übrig. Letztendlich fällte Stoiber die Entscheidung. Die Nähe Podiuks zur Fraktion und zur Kommunalpolitik waren ausschlaggebend. Folglich ernannte der Bezirksvorstand am 31.Oktober einstimmig Hans Podiuk zum neuen OB-Kanditaten. Damit beginnt zugleich ein neuer Wahlkampf in der Hauptstadt der Bayern.
Podiuk mobilisiert die ganze Mannschaft
Auf seiner ersten Pressekonferenz entschuldigte sich der frischgebackene Kandidat erstmal für das verhängnisvolle ?Terror-Plakat". Weiterhin kündigte er an, dass seine Partei mit einem Mannschaftswahlkampf nun die "bürgerlichen Lager in der Stadt erreichen" wolle. Dafür erhofft er sich Mitarbeit von der gesamten Münchner CSU. Und obwohl er eher verhalten auf seinen neuen Posten reagierte (?Es ist nicht der Lebenshöhepunkt, OB-Kandidat zu sein"), startete Podiuk konsequent durch. Gemeinsam mit Ministerin Hohlmeier, der neuen Wahlkampfbeauftragten, entwickelte er sogleich eine neue Kampagnen-Strategie. "Unser Herz schlägt für München" ist das erste Plakat nach der Kehrtwende, das ein freundlicheres und einladenderes Bild der Union verbreiten soll.
München - eine mitfühlende und sichere Stadt
So lautet die Überschrift des Wahlkampfprogramms der CSU. Mehr Gemeinschaftsgefühl und gegenseitiges Verständnis, Sicherheit und familien- und seniorenfreundliche Politik müsse in München wieder gefördert werden. Auch Wohlstand darf nicht vergessen werden: ?Wir müssen die alte Einsicht der ?Wiederaufbau-Generation? neu entdecken, dass ohne Leistung, Disziplin, Verzicht und Schweiß dauerhaft Wohlstand nicht erwartet werden kann". Am liebsten natürlich alles auf einmal. Erhöhte Mobilität, bessere Bildungschancen, sofortige Abschiebung straffällig gewordener Ausländer und Wohnungsbau als Mieterschutz. Podiuk, vom Grünen Monatzeder als "Rathausfossil" bezeichnet, trägt also eine große Last.
Weiter gehts auf dem Schlachtfeld
Es wird sich zeigen, was davon verwirklicht werden kann. Zuerst mal muss Podiuk seine Konkurrenten hinter sich lassen. Und das wird nicht leicht werden. Ude strotzt vor Selbstbewusstsein. Gelassen kommentierte der Oberbürgermeister auch das Ende des Kandidatengewurschtl der Opposition. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung zeigte Ude sich voller Hoffnung, dass ?ein fairerer Wahlkampf in die Stadt einzieht, in dem es sachlich um Themen und nicht um die persönlichere Diffamierung des politischen Gegners geht". Damit steht er in München nicht alleine da.
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