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Irak

Ende der Gemeinsamkeiten

Autor :  Carsten Penzlin
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 08.03.2002

Die russischen Zweifel an der "Allianz gegen den Terror" wachsen. Russland lehnt ein militärisches Vorgehen gegen den Irak ab. Carsten Penzlin analysiert die russische Haltung und ihre Auswirkungen.


"Uneingeschränkte Solidarität" hatte man den USA nach den Terroranschlägen des 11. September zugesichert. Leere Worte für Kenner der internationalen Politik, aber Ausdruck einer Geisteshaltung für viele, die davon gesprochen hatten. Handelte es sich doch um einen Anschlag auf die Freiheit und die westliche Zivilisation. Sogar Russland reihte sich ein in die "Allianz gegen den Terror", wenn auch nicht ohne Hintergedanken. Die eiserne Entschlossenheit, die Washington in den letzten Wochen an den Tag legte, jagte den Verbündeten jedoch kalte Schauer den Rücken hinunter.
Umfragen zufolge sind 80 Prozent der Deutschen gegen eine deutsche Beteiligung am Sturz des irakischen Diktators Saddam Hussein. Eine ähnliche Umfrage in Russland erübrigt sich. Den Russen ist eine mögliche Invasion der Vereinigten Staaten in den Irak schlichtweg ein Gräuel.

Ernüchterung in Russland

Auch Russland stimmte jener UN-Resolution zu, die den USA das Recht zur Selbstverteidigung gegen die Bedrohung durch den Terror von außen zuerkannte. Im Afghanistan-Feldzug ließ Präsident Putin den Amerikanern wichtige logistische Hilfe zukommen und nahm damit eine innenpolitische Belastungsprobe in Kauf. Doch es zeigt sich jetzt, dass die Zweifel an der Substanz einer Koalition zwischen Washington und Moskau berechtigt waren.
Moskau sagte zwar Ja zum Kampf gegen Al Quaida und den islamischen Terrorismus, aber eben nicht ohne Hintergedanken. Langsam beginnt man im Lande zu verstehen, dass der erwartete Nutzen ausbleiben wird. Die angestrebte engere Zusammenarbeit mit den NATO-Staaten bleibt ein frommer Wunsch, ganz zu schweigen von einem russischen NATO-Beitritt, dem Traum Putins. Der Termin für eine gleichberechtigte Mitsprache Russlands in internationalen Angelegenheiten wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Westliche Politiker versprachen zwar eine Neubewertung des Tschetschenien-Problems, empfangen aber weiterhin Vertreter der Tschetschenen zu Gesprächen.

Offene Kritik an den USA

Die russische Regierung ließ es sich nicht nehmen, öffentlich vor einem Alleingang der USA zu warnen. Zwar betonte der russische Außenminister auf der Münchner "Konferenz für Sicherheitspolitik", dass man den Kampf gegen den Terror weiter gemeinsam führen wolle. Ein Vorgehen gegen den Irak lehnte er aber strikt ab. Präsident Putin nahm den Irak gar in Schutz: es gebe keine Hinweise dafür, dass der Irak den internationalen Terrorismus finanziere.
Russland vergisst offenbar, dass die USA ihr Augenmerk vor allem auf das irakische Giftgasprogramm und den Bau von Nuklearwaffen legt. Auch Russland kann kein Interesse daran haben, dass an seiner Südflanke derartige Bedrohungen entstehen. Für den Kreml aber zählt nur der Kampf gegen den Terrorismus, denn hier sieht man Parallelen zum Kampf gegen tschetschenische "Terroristen".

Gorbatschow warnt vor neuem Kalten Krieg

Michail Gorbatschow bezeichnet das militärische Vorgehen der USA als "teuflische Logik" amerikanischer PR. Er schlägt dagegen die Schaffung eines Internationalen Forums aus "Autoritäten der Vergangenheit und Gegenwart" vor, das die Weltpolitik mitgestalten soll. Auch habe er den Eindruck, dass der Kalte Krieg entweder nicht vorbei sei oder neu beginne. Starke Worte eines Mannes, der wie die meisten Russen in einem alten Weltbild gefangen zu sein scheint. Dass Washington die Meinung Moskaus weitgehend ignoriert, liegt nicht am unterstellten amerikanischen Streben nach alleiniger Weltherrschaft, sondern am "doppelten Spiel" der Russen.
Gegenüber dem Westen betont man das Interesse an Kooperation, gleichzeitig flirtet man mit Nordkorea oder dem Iran, die von Bush der "Achse des Bösen" zugerechnet werden. Die Art und Weise des russischen Vorgehens in Tschetschenien wirft die Frage auf, ob Russland und der Westen wirklich die gleichen zivilisatorischen Werte teilen.

Russland treibt in die Isolation

Die Amerikaner haben es bis heute nicht geschafft ihren Verbündeten zu vermitteln, dass sich der Kampf gegen den Terrorismus nicht auf die Ausschaltung der Drahtzieher des 11. September beschränken kann. Die Ausschaltung der Bedrohung durch versteckte Massenvernichtungswaffen ist keine Aufgabe von geringerem Wert. Doch die notwendige Sensibilität für ein derartiges Problem scheint nur bei amerikanischen Politikern entsprechend ausgeprägt zu sein. Die USA werden sich ihre Koalitionen schaffen, für jedes Ziel eine andere. Russland wird immer öfter mit Verbitterung feststellen, dass niemand nach seiner Meinung fragt, geschweige denn seine Mitarbeit sucht. Die Russen müssen lernen, dass sie die Schuld hierfür in erster Linie bei sich selber zu suchen haben.

Foto: Copyright liegt bei www.auswaertiges-amt.de.


Zur e-politik.de Dossierübersicht: Ärger mit dem Irak


   

Weiterführende Links:
   Die offizielle Sicht der irakischen Regierung
   Dokumente zur russischen Irak-Politik



Leserkommentar von Thomas Mehlhausen
am 12.03.2002
Russland als eigensinniger Querulant?

Welch schön kontroverser Artikel zum Streiten, da kann man doch einiges auch anders sehen: 1.Jedes Land der Koalition gegen den Terror hat ein eigenes Interesse. Zweifelsohne war der 11. September ein gutes Mittel für Putin, seinen eigens forcierten Tschetschenienkrieg zu legitimieren mit Verweis auf den globalen Terrorismus. Zumal Tschetschenien schon vor dem 11.September mit Afghanistan in Verbindung gebracht wurde. Doch diese Doppelzüngigkeit - in dem Sinne, daß nicht der Terrorismus als mörderische und zerstörerische Kraft bekämpft wird, sondern als Vorwand genutzt wird oder bestenfalls nur ein Teil der Motivation für einen Krieg ist – kann mit Sicherheit auch den USA entgegengehalten werden. Als Schlagworte sollten der National Patriot Act genannt werden sowie die gesteigerten Militärausgaben und die dafür in Kauf genommenen Kürzungen im sozialen und okölogischem Sektor, die gesteigerten Popularitätswerte des schwachen Präsidenten auf der einen (innenpolitischen) Seite und andererseits außenpolitisch die Rohstoffquellen in Afghanistan sowie dessen strategische Lage, die politische Entspannung der Beziehungen mit China und Rußland – die Liste ließe sich fortführen, so wie sicherlich die Liste Rußlands auch. Der Vorwurf der Doppelzüngigkeit ist daher bestenfalls trivial. 2.Warum die Bedenken bezüglich der amerikanischen Überlegungen eines neuen Golfkrieges nur als verantwortungsloses und die Brisanz von unkontrollierter Waffenherstellung verkennendes Handeln interpretieren? Wenn Überlegungen von Amerikanern angestellt werden, auch kleine Mengen radioaktiven Materials in Raketen zu verwenden oder – um weniger spekulativ sondern Fakten zu reden lassen – der Einsatz von Streubomben in Afghanistan, Agent Orange in Vietnam oder der Wasserstoffbombe auf Hiroshima zeigen, daß wohl kein Staat gegen unüberlegtes, jedoch folgenreiches Handeln gefeit ist. Auch wenn die USA gewissenhafter mit solchen Waffen umgehen sollte – bedeutet das, daß jedes Land angegriffen werden muß, daß für die Amerikaner eine potentielle Gefahr darstellt? Wird Terrorismus zur Pauschallegitimation für x-beliebige Kriege? Ein Paradoxon wird zum Standardargument: Krieg für Frieden oder Terror gegen Terror oder Gewalt zur Vorbeugung neuer Gewalt. Doch diese Diskussion braucht hier nicht einmal geführt werden: Die Frage nach der Rechtfertigung eines Krieges ist offensichtlich nicht nur für Rußland nicht zu bejahen. Auch die europäischen Staaten- wie auch Deutschland - äußerten sich skeptisch. Und daß die SPD Pauschalpazifisten seien, läßt sich nun weiß Gott nicht behaupten. Worin besteht nun also die Besonderheit Rußlands in ihrer Skepsis gegenüber der amerikanischen Politik? Glücklicherweise wehen nicht mehr alle Fahnen im Wind. 3.Die russische Skepsis nur auf Tradition und gar Fortführung des Kalten Krieges zu beschränken, greift zu kurz. Sicherlich beansprucht Rußland nach wie vor eine starke internationale Rolle und überschätzt sich dabei manchmal etwas. Doch momentan zeigt Putin, daß er die reale Rolle Rußlands richtig einschätzt, indem er z.B. das NMD still hinnimmt. Übrigens gehört Gorbatschow bestimmt nicht zu den Traditionalisten, die „in einem alten Weltbild gefangen“ sind, er war schließlich nicht unwesentlich (gelinde gesagt) am Ende des Kalten Krieges beteiligt.

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