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e-politik.de - Home  Brennpunkt  Politik in Deutschland   Ochsentour - die Kolumne zur Bundestagswahl 2002


Die Ochsentour

Ochsentour, die 12.: Stoiber und seine Feinde (27. Mai 2002)

Autor :  Alexander Wriedt
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 28.05.2002

Nach außen gibt sich die CSU geschlossen. Doch im Hintergrund warten die Feinde von Edmund Stoiber auf ihre Chance. Von Alexander Wriedt.


Jetzt wird es eng für Gerhard Schröder.
Die SPD verliert immer mehr an Zuspruch, nur 33 Prozent hätte sie nach der neusten "Spiegel"-Umfrage bekommen, wenn am letzten Sonntag Wahlen gewesen wären. "So schnell, wie die Werte runter gehen, gehen sie auch wieder rauf" sagt Generalsekretär Franz Müntefering.
Doch er weiß, dass das unwahrscheinlich ist, denn die Zahlen der SPD schwanken nicht, sie fallen ins Bodenlose. Verloren ist die Wahl, wenn die Stimmung kippt, egal, wie weit die Genossen am Ende an der Union wieder dran sind.
Wichtigstes Barometer für die Stimmung im Land ist die Beliebtheit der Spitzenkandidaten und da holt Edmund Stoiber kräftig auf. Der Wahlkampfspruch "Kantig. Echt. Erfolgreich." ruft nicht mehr das Bild eines erzkonservativen Aktenwälzers hervor. Statt dessen empfinden die Wähler Stoiber und sein "Kompetenz-Team" als dynamische aber bodenständige Reformertruppe. Und es scheint, als stünde die gesamte Union hinter ihm.

Doch der Schein trügt. Nur nach außen sind die Reihen fest geschlossen. Wer hinter die Kulissen blickt, erkennt schnell, wie unbeliebt der Kandidat in den eigenen Reihen ist. Die Feinde warten auf ihre Chance.
Und von denen hat er eine ganze Reihe. Unvergessen etwa ist der Rauswurf des bayerischen Justizministers Alfred Sauter, der eine der größten Rechtsanwaltskanzleien Münchens betreibt. Im Sommer 1999 wurde bekannt, dass Missmanagement der landeseigenen Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft (LWS) 367 Millionen Mark Verluste eingebracht hat. Am 4. September 1999 rief Stoiber am Mobiltelefon bei Sauter an und entließ ihn. Der kämpfte öffentlich gegen den Ministerpräsidenten, sprach in einem Interview von "doppelten Genickschuss" und von "Menschenopfer". Stoiber rettete sich, indem er Sauter zum Sündenbock erklärte.
Er habe das als "eiskalt" empfunden, sagte er e-politik.de-Autor Sead Husic in einem Gespräch für das Wochenmagazin "Freitag".
Dabei trug der Ministerpräsident einen Großteil der Verantwortung für die desolate Situation der LWS bei. Alfred Sauter, der in der CSU geradezu als genialer Krisenmanager galt, rettete die LWS mehrmals vor Katastrophen.

Erich Riedel, ehemaliger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, erzählt, Stoiber benutze Menschen, solange sie ihm von nutzen sind. Wenn er glaubt, sie nicht mehr zu brauchen, dann stoße er sie ab.
Auch der ehemalige Finanzminister Theo Waigel ist nicht gut auf Stoiber zu sprechen. Als sich infolge der "Amigo"-Affäre der Rücktritt von Max Streibl als bayerischer Ministerpräsident abzeichnete, wurde schnell klar, wer sich die größten Chancen auf einen neuen Arbeitsplatz in der Staatskanzlei ausrechnete. Theo Waigel und der Edmund Stoiber, damals bayerischer Innenminister. Plötzlich kamen Gerüchte über amouröse Abenteuer des CSU-Parteichefs Waigel auf. Dem damaligen Vorsitzenden wurden Abtreibungen und uneheliche Kinder nachgesagt. "Bei uns war ein Sprössling schon im Vorschulalter", sagte Uwe Zimmer, Chefredakteur der Abendzeitung.

Zu jener Zeit bot Stoiber bei öffentlichen Auftritten das, was Waigel dem katholischen Bayern nicht bieten konnte: eine glückliche Familie. In der Bildzeitung ließ er sich mit seinen Töchtern Veronica und Constanze abbilden, denn er war "stolz auf seine schönen Töchter." Michael Glos schimpfte: "Hier ist doch mit unglaublichen Verunglimpfungen gearbeitet worden."

Ein anderer, der bei Stoiber in Ungnade gefallen ist, ist Peter Gauweiler. Ihm sind zwar Fragen zum Kanzlerkandidaten unangenehm. Doch sein schwieriges Verhältnis zu Edmund Stoiber verheimlicht er nicht: "Jeder weiß doch, dass bei uns die Fetzen geflogen sind."
Gauweiler kandidiert für ein CSU-Mandat im Bundestag. Trotzdem sagt er: "Was damals mit Sauter geschehen ist, war nicht in Ordnung." Er selbst wolle nicht "weinerlich" sein. Stoiber sei sicherlich ein Mann mit Ellenbogen. Aber gerade was mit Sauter passiert sei, habe Stoiber ja auch selbst als Fehler eingestanden.

Ein Unionsmann: "Stoibers Weg säumen viele Leichen aus der eigenen Partei. Zu viele. Jeder weiß, dass Michael Glos hinter vorgehaltener Hand kein gutes Haar am Unions-Kanzlerkandidaten lässt. Und viele in Stoibers Wahlkampfteam zittern, dass die alten Geschichten wieder nach oben kommen.
Der Theo Waigel könnte den Stoiber mit ein paar Interviews fertig machen." Noch halten die "Parteifreunde" zusammen, denn es geht um die Macht in Berlin. Sollte Stoiber die Wahl jedoch verlieren, dann drohe ihm auch in Bayern der Machtverlust. "Dann steigen die Leichen aus ihren Gräbern und klagen ihren Peiniger an", sagt der Unionsmann.
Zur Zeit sieht es nicht so aus, dass diese Totenruhe gestört werden könnte.



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Leserkommentar von Thomas Bauer
am 29.05.2002
Stoiber kein Saubermann

Ein sehr kritischer aber dafür auch abgewogener Beitrag zur Ochsentour-Reihe. Edmund Stoiber ist sicherlich nicht der Saubermann, den er selbst immer gerne darstellen möchte. Im Genesatz zu Leuten wie Gauweiler, Sauter oder Glos - alles Parteifreunde des Kanzlerkandidaten, die sich nicht immer mit Stoiber auf einer Diskussionsebene befanden - besitzt der Parteichef der CSU aber ein gutes Gespür für die aktuellen Machtverhältnisse und politischen Notwendigkeiten. Denn außer nachtreten hat ein Gauweiler nie etwas großes leisten können. Und wie kurzlebig politische Freundschaften heutzutage sein können, durften wir bereits unter Kohl, aber auch unter Schröder erleben. Schäuble abgesägt, Dressler und Verheugen aus der SPD nach Brüssel und Jerusalem weggelobt, Ströbele als wichtigster Mann der linken Grünen in einen Untersuchungsausschuss abgeschoben (und das witzige dabie: er kapiert bis heute noch nicht, dass das eine Ohrfeige war)... die Liste ließe sich unendlich fortsetzen. Ja, auch ein bayerischer Landesfürst hat Ellenbogen, die weh tun können. Als Ur-Bayer und Unionsanhänger muss ich aber hinzufügen, dass das Bayern bisher noch nie geschadet hat. Erfolgreiche Politik baut eben nicht nur auf ungefärbten Haaren oder good-will-Erklärungen auf, sondern erfordert au8ch ab und zu mal den Weg mit dem Kopf durch die Wand. Schön verpackt zwar, aber deswegen nicht weniger effizient. Vielleicht ist es genau das, was der Wähler an der derzeitigen Regierung vermisst, Handlungsbereitschaft. Ruhige Hände haben Dressler, Verheugen, Matthäus-Maier, Schreiner und Co. abgesägt ohne gleichzeitig den notwendigen Ruck in der Gesellschaft zu erzeugen.

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