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Flagge Baden-Württemberg

Netzreportage - Baden-Württembergs Parteien auf Stimmenfang im Netz (22.02.01)

Autor :  Jochen Groß
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 22.02.2001

Am 25. März werden die BürgerInnen im Ländle an die Wahlurne gehen und entscheiden, ob der amtierende Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) weiter im Neuen Schloss in Stuttgart residieren darf. Jochen Gross verfolgt den Wahlkampf online.


Spätestens seit dem ersten virtuellen Parteitag der Südwest-Grünen und Möllemanns Web-Offensive in Nordrhein-Westfalen ist klar, dass auch im Wahlkampf neue, virtuelle Wege beschritten werden müssen. Wir surften nach, ob diese Botschaft wirklich bei allen Parteien angekommen ist und in ansehbare Webseiten umgesetzt wurde. Dabei schauten wir weniger auf inhaltliche Differenzen und platte Wahlkampfparolen, wie sie demnächst auf allen Plakaten zu finden sein werden, sondern beschränkten uns vorrangig auf die Gestaltung des Webauftritts: Content-Umfang, Navigation, Design und zusätzliche Features.

Betont zurückhaltender Auftritt des Amtsinhabers

Erwin Teufel und sein Baden-Württembergischer Landesverband der CDU geben sich im Wahlkampf betont gelassen. Das Ländle ist schließlich seit mittlerweile zehn Jahren fest in der Hand des Polit-Routiniers und fast seit Urgedenken Hochburg der Konservativen.
Ganz im Zeichen dieser Gelassenheit steht auch der Wahlkampf der CDU im Netz. So exisitiert zwar eine gesonderte Wahlkampfseite, doch die befand sich bis vor kurzem noch im Aufbau. Ebenso lange hat die persönliche Homepage von Erwin Teufel bis zum Online-Start gebraucht. Erst in diesen Tagen gingen die Seiten online und überraschten trotz der langen Vorbereitungsphase nicht mit innovativstem Design. Allerdings lassen die zwei identisch aufgebauten und gestalteten Auftritte in Sachen Navigation und inhaltlichem Angebot kaum Wünsche offen. Erwin Teufels "persönliche" Seite bietet mehr zur Person als Substanzielles, während die Landtagswahlseite den interessierten Surfer mit allen notwendigen und gewünschten Informationen rund um Politik, Kandidaten, etc. infomiert. Ein ständig aktualisierter Terminkalender, ausführliche News-Bereiche, Lebenslauf und transkripierte Interviews sind da nur die Spitze des umfangreichen Informations- und Werbeangebots. Einzig der fehlende Newsletter, die schmale Linksammlung und die etwas lieblose, tabellarische Darstellung des Terminkalenders bieten Raum für Angriffsfläche.
Inhaltlich am fundiertesten präsentiert sich der Landesverband der CDU, dessen Seite vor allem mit Content zu punkten versucht: Hier kann man sich das Regierungsprogramm als pdf-File downloaden, ebenso wie Reden und Statements zu allen politisch relevanten Themen auch abseits des aktuellen Wahlkampfes. Die Liste mit den Landtagskandidaten ist vollständig, konsequent mit EMail-Adresse und, wenn vorhanden, Link zu eigenen Kandidatenhomepages, versehen.
Insgesamt bereitet der Besuch bei der CDU Baden-Württemberg nicht wirklich Freude. Die Seite präsentiert sich zwar funktional einwandfrei, doch optisch wenig anregend, da sie sich weder im Design noch in der Navigation merklich von anderen Webangeboten abheben kann. Zudem wird das Ziel einer "persönlichen Homepage" des Spitzenkandidaten wegen des identischen Aufbaus der Seiten verfehlt, da hier jede versuchte Personalisierung zwangsläufig als schlechter Scherz enttarnt werden muss. Ob dieser unaufregende Webauftritt dem schmalen Wahlkampfbudget der CDU zuzuschreiben ist, oder ein cleverer Schachzug von Politstrategen darstellt, die damit gezielt bestimmte Wählerkreise ansprechen zu versuchen, bleibt dahingestellt.

Der kleine Regierungspartner und die 18%-Euphorie

Von 18% Stimmenanteil träumt wohl niemand ernsthaft in der FDP, auch wenn Spitzenkandidat und Wirtschaftsminister Walter Döring sich gerne in Möllemannschen Siegerposen ablichten lässt und dabei - nicht zuletzt wegen des grinsenden Schnauzbartes - ihm nicht unähnlich wirkt. Die FDP im Ländle greift zudem gerne auf den erfolgreichen Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen zurück und trachtet auch nach ähnlichen Erfolgen. Entsprechend der anvisierten Zielgruppe der bis 35-Jährigen hat man das Netz als zentrale Wahlkampfplattform ausgemacht und plakatiert nun die URL anstatt kurzer Parolen flächendeckend.
Im Gegensatz jedoch zum perfekten Auftritt von Walter Döring, der eindrucksvoll mit Flash aufbereitet wurde, präsentiert sich der Landesverband der FDP völlig zerfahren. Inhaltlich steht die Seite zwar denen der anderen Parteien in nichts nach, doch die Gestaltung und die Navigation lassen schneller Frust aufkommen, als die Seite geladen ist. Langes Scrollen ist notwendig, unnötig viele Banner verstopfen den Datenfluss und verhindern zusätzlich ein übersichtliches Surfen. Hier ist man jedenfalls noch meilenweit entfernt vom Web-Zeitalter und diese URL sollte besser nur hinter vorgehaltener Hand erwähnt werden.
Mit diesen zwei völlig unterschiedlichen Webprodukten vertritt man seine eigen Akzente nicht gerade glaubwürdig.

Fatalerweise zu häufig unter den Tisch gekehrt: Die Republikaner

Die starke Landtagspräsenz der Republikaner ist ein konsequent totgeschwiegenes Thema in Baden-Württemberg. Zwar fallen die Rechtsextremen landespolitisch höchstens durch immer wieder von ihr initiierte Aktionen, wie gegen die Wehrmachtsaustellung, auf und selten inhaltlich, trotzdem ist damit zu rechnen, dass die Rechten den Sprung in den Landtag wieder mühelos schaffen. Entgegen aller üblichen und gefährlichen Herunterspielungen steht fest, dass die Republikaner eine feste Stammwählerschaft hinter sich vereinigen, deren Gedankengut sich auch aus dem Webauftritt der Partei mühelos herauslesen lässt.
Begrüßt wird der Surfer mit der Nationalhymne. Danach kann man, sofern man sich mit der umständlichen Navigation abfindet, in publizierten Reden und Programmen, die inhaltlich aggressiven Botschaften nachlesen. Die provinziell wirkende Seite glänzt nur durch Unübersichtlichkeit, miese Animationen und Banner. Würde die Wahl nach dem Webauftritt entschieden, würden die Republikaner klar an der 5%-Hürde scheitern, so allerdings ist zu fürchten, dass aggressive Ausländerhetze auf Wahlplakaten der Partei den Sprung in den Landtag sichert.

Gegenpol zu der Web-FDP? Die Südwest-Grünen

Die Grünen in Baden-Württemberg haben sich durch ihren ersten virtuellen Parteitag den Namen als Innovativkraft in Sachen Netz im Ländle gesichert. Jetzt, in Wahlkampagnenzeiten, in denen die FDP diesen Platz beansprucht, ist Gefahr in Verzug, dass die Grünen, diesen Platz und das damit erlangte Image schnell wieder verlieren. Wir haben nachgeschaut, ob Grund zur Panik besteht.
Zumindest kompakter als alle anderen Parteien präsentiert sich der Landesverband. Auf zusätzliche Seiten hat man verzichtet und die eigene Homepage des Spitzenkandidaten Dieter Salomon findet man über "die treibende Kraft" nicht so ohne Weiteres.
Auffallend ist die Content-Betonung der Seite. Auf Wahlkampf-Geplänkel wird weitgehend verzichtet, stattdessen versucht man hier massiv mit politischen Statements und Programmen zu punkten. Ansonsten lässt sich an dem professionellen, modernen und umfassenden Webauftritt sowohl der Grünen wie auch Dieter Salomons wenig bemängeln. Dieser sachlich überzeugende Webauftritt reicht allerdings nicht aus, um den ausgeschlafenen Flash-Auftritt von Walter Döring zu schlagen. Hier müssen die Grünen wieder Boden gut machen, möchten sie den Anschluss an die nächste Internet-Generation auch technisch nicht verpassen, denn im Netz zählt nicht nur der Content, sondern auch die Verpackung.

Der große Herausforderer: Die SPD

Die SPD hat nach dem bundespolitischen Erfolg 1998 das Debakel der letzten Landtagswahl gut überwunden. Mit Ute Vogt präsentieren sie eine Spitzenkandidatin, die zum Glücksfall für den gebeutelten Landesverband geworden ist. Wegen ihres jungen Alters und ihrer vergleichsweise geringen politischen Erfahrung im Gegensatz zu Erwin Teufel, kann Ute Vogt glaubhaft den Politikwechsel verkörpern. Außerdem befreite sie die SPD von ihrem unter anderem durch Fraktionsvorsitzenden Ulrich Maurer verbreiteten Muff. Gleichzeitig profilierte sie sich bereits bei der letzten Bundestgaswahl als hervorragende Wahlkämpferin, als sie auf Anhieb ein Direktmandat in Pforzheim gewann.
Konsequent ausgerichtet auf das Ziel Politikwechsel, präsentiert sich dann auch das reichhaltige Netz-Angebot der Baden-Württembergischen SPD. Ute Vogt selbst gibt sich auf ihrer eigenen Homepage bürgernah und mit politischen Gegenakzenten, vor allem in der Bildungspolitik. Ihre Seite lässt keine Wünsche offen und agiert aufgeräumt, aktuell und am Puls der Zeit. Die funktionale Gestaltung der Navigation wird durch geschickt eingesetzte Animationen und viel Bildmaterial interessant gemacht. Dieses umfangreiche Webengagement wird unter anderem durch die erste private Online-Wahlkampfinitiative unterstützt. Hier kann man eine ganz neue Art der Wahlkamfunterstützung kennen lernen, die in Zukunft sicherlich viele Nachahmer finden wird.
Die Wahlkampf-Seite der SPD wirkt ebenso aufgeräumt und durchdacht wie Ute Vogts persönlicher Webauftritt. Die eher schwerer im Netz zu vermittelnden Inhalte (Programme, Standpunkte) werden geschickt in Wahlkampfgimmicks verpackt, die der gegenwärtigen Netzkultur entsprechen: So kann man direkt von der Seite aus e-cards mit Wahlkampfplakatmotiven verschicken. Ebenso gelungen ist die Aufbereitung der Landtagskandidatenliste, die sich schmuck und ausführlich auf der Seite präsentieren können und immer Links zu eventuellen eigenen Webauftritten umfassen. Weniger aufregend ist die Seite des Landesverbandes der SPD. Hier bekommt man eher die von allen anderen Seiten gewohnten Basisinformationen rund um den Landesverband, unabhängig vom derzeit laufenden Wahlkampf.
Mit dem umfangreichen und gut untergliederten Webauftritt der SPD, sichert sie sich zumindest schon einmal souverän den ersten Platz im Netzwahlkampf, denn hier bereitet das Surfen uneingeschränkt Spass.


   


Leserkommentar von Sebastian Hinsch
am 20.03.2001
Parteiisch, weil...

Hallo Herr Groß, dann präzisiere ich: Das "Hochschreiben" der Republikaner bezog ich nicht auf den Kommentar zur Website, sondern auf: "[...] ist damit zu rechnen, dass die Rechten den Sprung in den Landtag wieder mühelos schaffen." Umfragen sehen sie bei genau 5% - also kann keine Rede von "mühelos" sein. Es wird knapp! Weiter im Text: "Entgegen aller üblichen und gefährlichen Herunterspielungen steht fest, dass die Republikaner eine feste Stammwählerschaft hinter sich vereinigen". Da die aktuellen Prognosen von einer quasi Halbierung des Stimmenanteils vom letzten Mal ausgehen, kann ich auch diesen Satz nur als überzogen empfinden. Ein Lob für die Seiten von SPD und Grünen, Kritik an denen von CDU und F.D.P. - natürlich drängt sich da manchem erstmal der Verdacht auf, Sie wären parteiisch! Das ist doch völlig normal, oder haben Sie damit vielleicht nicht gerechnet? Dass Sie die Homepage des F.D.P.-Spitzenkandidaten, www.doering01.de, in einem Nebensatz richtigerweise als "perfekt" bezeichnen, kommt im Gesamtbild des Textes sehr wenig zur Geltung! Vor allem gegenüber Ihrer - wesentlich ausführlicheren und einprägsameren, aber dafür unberechtigten - Kritik an der Internet-Seite des F.D.P.-Landesverbandes, www.fdp-bw.de, die in der Behauptung gipfelt, "diese URL sollte nur hinter vorgehaltener Hand" genannt werden. MfG Sebastian Hinsch

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