Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Brennpunkt  Internationales   Internationales - Archiv   Eskalation im Nahen Osten - Archiv


Israelischer Soldat vor palästinensischen Demonstranten

Zwei Staaten ­ jetzt!

Autor :  Andreas Bock
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 13.10.2000

Droht nach der Ermordung israelischer Soldaten und dem Beschuss von Arafats Hauptquartier das Ende des Friedensprozesses? Mehr noch: ein neuer israelisch-palästinensischer Krieg? Andreas Bock kommentiert die Vergangenheit und Zukunft im Nahen Osten.


Alle Hoffnung begraben ­ für immer? Es scheint fast so. Auf den Tag zwei Wochen nach dem Ariel Scharon, der Chef des rechsgerichteten Likud-Blocks, den Tempelberg besucht hat, erreichte die Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern einen schrecklichen Höhepunkt: am gestrigen Donnerstag reagierte die israelische Armee mit mehreren Raketenangriffen auf die grausame Ermordung dreier Soldaten durch rund 1000 aufgebrachte Palästinenser. Die Polizisten hatten sich nach Ramallah verirrt und waren später von einer Menschenmenge in einem palästinensischen Gefängnis gelyncht worden. Das Ziel des Raktenbeschusses war das Hauptquartier von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in Ramallah und auch in Gaza-Stadt. Die israelische Armee zog in der Umgebung von Ramallah verstärkt Truppen zusammen und riegelte die palästinenschen Gebiete ab. Krieg scheint wahrscheinlich geworden zu sein.

Täter und Opfer auf beiden Seiten ­ nur keine Verantwortlichen?

So weit die Fakten. Und die Schuldzuweisungen liegen auch schon vor. Arafat warf Israel vor, einen Krieg gegen die Palästinenser begonnen zu haben, während Ehud Barak, Israels Premierminister, einen Sprecher verkünden ließ, dass der Vorfall zeige, dass Arafat alles tue, den Nahen Osten in Brand zu stecken. Täter und Opfer auf beiden Seiten ­ nur keine Verantwortlichen?

Jesus soll einmal gesagt haben: "Wer von Euch frei ist von Schuld, der werfe den ersten Stein." In den Kreis der Steinewerfer hat Jesus das vor knapp 2000 Jahren gesagt, die bereit standen, die Ehebrecherin hinzurichten. Die Tragödie des weltlichen Alltags scheint es nun zu sein, dass die Menschen die Steine werfen ­ ohne zu fragen wer denn hier tatsächlich frei von Schuld ist.
Erst die Gewalt, dann das Wort. Jahrzehnte galt diese Devise ohne Ausnahme für das israelisch-palästinensische Verhältnis: Krieg und Terror waren an die Stelle jeder Politik der Worte getreten. Wer aber hat angefangen, den ersten Stein geworfen? Die Staatsgründung Israels 1948 und der Sechstagekrieg 1967 fallen einem ein, durch die Hunderttausende von Palästinensern in die benachbarten Staaten vertrieben wurden. Wie auch der Terror von PLO, Hisbollah und Hamas. War die Gründung des Staates Israel der einzige Grund für den Terror, war der Terror tatsächlich nur Reaktion?
Im Augenblick aber scheint eine andere Frage wichtiger zu sein: Darf man diese Frage noch stellen, wenn man die Chance auf Frieden nicht gefährden will?

Die Weisheit muss der Pragmatik den Vortritt lassen

Der weise König Salomon hat, als zwei Frauen stritten, welche die Mutter des Kindes sei, einfach erklärt: teilt das Kind, auf dass jeder Frau der gleiche Anteil zukomme. Er wusste, die echte Mutter würde auf ihr Kind verzichten, um ihm das Leben zu retten. ­ Wenn es einen weisen Salomon heute gäbe und er würde den beiden Konfliktparteien eine ähnliche Lösung vorschlagen, was wohl würde passieren? Beide Gruppen, Palästinenser wie Israelis, reklamieren ein legitmes Recht auf einen eigenen, souveränen Staat mit einer eigenen Hauptstadt: Beide aber reden von annähernd dem gleichen Territorium und der gleichen Stadt ­ Israel oder Al Quds. Für beide sind es religiös bedeutsame, sind es heilige Stätten. Der Verzicht ist für gläubige Juden, die ein biblisches (göttliches) Recht auf den Staat Israel und Jerusalem erheben wie auch für gläubige Moslems schlechterdings nicht vorstellbar. Als Ariel Scharon die Esplanade des Tempelbergs betrat, entlud sich mit täglich wachsender Wucht der Zorn der Palästinenser. Scharons "Mission für den Frieden", bei der er sich von 1000 Soldaten begleiten ließ, zeigt mit welchem Misstrauen man einander begegnet: Selbst religiöse Orte werden zu Instrumenten der Macht, der Zerstörung und des Hasses. Der modifizierte Vorschlag eines Salomon, Israel und Jerusalem zu teilen, hätte wohl kaum Aussicht auf Erfolg. Verzichten will keine Seite, und wer kann es ihnen verdenken?

Soll Frieden im Nahen Osten möglich werden, müssen sich beide Seiten aber radikal von ihrer Vergangenheit lösen ­ zumindest solange, bis sich der Umgang von Palästinensern und Israelis stabilisiert hat und zu einem zuverlässigen Nebeneinander geworden ist. Wer im Nahen Ost Frieden will, darf nicht auf Weisheit oder Wahrheit setzen, sondern muss der Pragmatik den Vortritt lassen. Vielleicht doch zwei Staaten?

Keine Mathematik der Schuldzuweisungen

Frieden?! Wer jetzt noch von Frieden zwischen Palästinensern und Israelis spricht ist ein Phantast und Träumer ­ oder ein knallharter Realist. Die Geschichte lehrt uns, wenn überhaupt, dass der Frieden immer wieder am Ende des Krieges steht. Egal wie verbissen und verbohrt die Menschen auch aufeinander einschlagen, irgendwann ist jeder Hass ermüdet, jeder Zorn verflacht. Und dann kommt der Augenblick des Friedens. So war es 1993 als das Abkommen von Oslo unterzeichnet wurde. Und so kann und wird es wieder sein, auch nach den Morden und Gewalttaten der letzten Wochen, nach den Kriegsdrohungen und Kampfansagen der Politiker.
Die Israelis werfen immer wieder ihr Sicherheitsbedürfnis in die Waagschale, wenn sie vor Zugeständnissen an die Palästinenser zurückschrecken. Und die Palästinenser verweisen, wenn sie ihrer Forderung nach einem Staat Nachdruck verleihen wollen, auf die Lebensbedingungen in den Flüchtlingscamps und den Autonomiegebieten.

Was das Dumme ist: Beide haben recht. In Israel gibt es kaum jemanden, der nicht vom Terror der vergangenen Jahrzehnte betroffen ist, so wenig es Palästinenser gibt, die nicht von Vertreibung und Entbehrung wissen. Was tun? Jeden Tag aufs neue eine Rechnung der Taten und Untaten aufmachen? Jeden Tag aufs Neue Steine werfen, da die anderen stets die Schuldigen sind? Kein Weg, keine Lösung. Der Frieden wird geschehen. Es ist nur die Frage, ob früher oder später, ob nach mehr oder weniger Blutvergießen. Egal wie die Vergangenheit war, sie darf nie dazu führen, zwei Völkern die Zukunft zu verbauen.
Soll es eine gemeinsame Zukunft geben, müssen sich Israel und Palästina, müssen sich die Völker beider Staaten von ihrer Vergangenheit lösen, solange sie beiden Seiten nur zur Legitimation neuer Übergriffe dient. Also: Zwei Staaten, die leben und überleben können, ohne Siedlungen und Autonomiegebiete, die nur Inseln in einem feindlichen Meer sind. Zwei Staaten ­ jetzt!


   


Leserkommentar
Momentan kein Leserkommentar
eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.