Sie ist das Zeichen vieler Trucker, Motorradfahrer und einer schlichten, scheinbar freiheitsliebenden Landbevölkerung: Die Flagge der Konföderationsarmee im amerikanischen Sezessionskrieg.
Selbst bei uns in Deutschland ist sie gut vertraut. Wer kennt nicht die Autos und Motorräder in den ländlichen Landkreisen, von denen die Südstaaten grüßen. Gleichzeitig ist die Flagge aber in den Vereinigten Staaten besonders für die schwarze und farbige Bevölkerung ein Zeichen der Unterdrückung und weißen Überlegenheitsanspruchs.
Tradition und Revanchismus
Mit der Konföderation ging im Sezessionskrieg in den unterlegenen Südstaaten ein System zu Ende, das nahezu feudalistisch organisiert war. Großgrundbesitz und Sklavenhaltung - darauf stützte sich das wirtschaftliche Überleben vieler Staaten. Amerikas Bürgerkrieg blieb die größte Erinnerung der Vereinigten Staaten an einen Krieg auf eigenem Boden.
Die Konfrontation zwischen dem industriellen Norden und dem agrarischen Süden blieb aber im praktischen Leben bestehen. Erst im Rahmen der Bürgerrechtsbewegung unter ihrem gewaltlosen Führer Martin Luther King Jr. formierten sich Schwarze und Farbige zu einer mächtigen Gruppe, die die Politik durch Wirtschaftsboykotts und Demonstrationen zum Handeln zwang. U.S.-Bundesgerichte hoben nach und nach die Segregation, die Rassentrennung im alltäglichen Leben, auf. In Folge dieser Niederlage führte der Bundesstaat Georgia zum Beispiel 1956 die Kriegsflagge der Konföderationsarmee in Kombination mit dem Staatswappen als offizielle Fahne ein. Ein identitätsstiftender Schritt für den Süden oder eine klare Provokation gegenüber Washington und der schwarzen Bevölkerung? Der Bundesstaat Mississippi hingegen führte die Kombination aus Staatsflagge und Konföderationsflagge bereits seit 1894.
Der Neue Süden braucht keine alten Symbole
Der U.S.-Bürgerrechtsbewegung war die Konföderationsflagge schon immer ein Dorn im Auge. Die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), Amerikas größte und einflussreichste Bürgerrechtsorganisation, bezeichnete jetzt den Ausgang eines Referendums in Mississippi als "zutiefst enttäuschend". Der Hintergrund: Gouverneur Ronnie Musgrove und Wirtschaftsvertreter hatten sich für eine neue Staatsflagge - im Design der der EU recht ähnlich - eingesetzt. Zwei Drittel der Wähler in Mississippi sprachen sich in der Abstimmung aber für die Beibehaltung der alten Fahne aus.
Für Musgrove waren in erster Linie wirtschaftliche Motive ausschlaggebend: Mississippi ist der ärmste Staat der Vereinigten Staaten und der Gouverneur um Gewerbeansiedlung und internationale Investoren bemüht. Dass bei diesen Anstrengungen der innere Frieden im Land gewahrt bleiben muss und Sanktionen durch Bürgerrechtsorganisationen vermieden werden müssen, liegt auf der Hand.
Pragmatischer ging dabei das Capitol in Atlanta, Georgia vor. Dort wurde die Flaggenfrage erst gar nicht dem Volk zur Entscheidung vorgelegt, sondern zügig in Abgeordnetenhaus und Senat erledigt. Atlanta befindet sich aber hier auch in einer anderen Ausgangsposition: Dem Staat geht es gut. Die Stadt gilt als erfolgreiches Beispiel für das Zusammenleben von Schwarz und Weiß und spätestens seit der Olympiade 1996 als Boomregion. Außerdem fiel es dem "On My Mind"-State wahrscheinlich leicht, seine Trotzreaktion von 1956 den neuen Realitäten anzupassen. Georgias Flagge wird jetzt vom Staatssiegel dominiert, das seinerseits von dreizehn Sternen für die Gründerstaaten der U.S.A. eingerahmt wird. In einem Band darunter finden sich zwei Unionsflaggen sowie alle vorher gültigen Staatsflaggen - darunter natürlich auch wieder die Konföderationsvariante.
Graphik: Copyright liegt bei http://www.cviog.uga.edu/Projects/gainfo/flagsga.htm