"Station X", Bletchley Park, Oktober 1941. Auf dem viktorianischen Anwesen nördlich von London arbeiten Mathematiker und andere Experten an einem streng geheimen Projekt: die Entschlüsselung deutscher Funksprüche. Im Zentrum ihrer Bemühungen steht eine schreibmaschinenartige Kiste, "Enigma" genant, die nicht weniger als 150 Billionen verschiedene Codierungsmöglichkeiten für einen einzigen Buchstaben kennt.
Im März 1943 erleiden die britischen Kryptoanalytiker eine herbe Niederlage, denn die Deutschen ändern den U-Boot-Code. Es scheint, als sei das System des Feindes unbezwingbar. Dabei wäre ein Fortschritt jetzt so wichtig: Ein Geleitzug der Alliierten mit 10.000 Mann und kriegswichtigem Nachschub an Bord ist der deutschen U-Boot-Flotte im Nordatlantik ausgeliefert. In dieser dramatischen Lage bittet die britische Regierung den jungen Mathematiker Tom Jericho (Dougray Scott) um Hilfe.
In einem atemberaubenden Wettlauf mit der Zeit versucht er, die Befehle des Feindes zu decodieren. Unbemerkt von Kollegen und Vorgesetzten sucht er aber auch die Lösung eines zweiten Rätsels: Claire (Saffron Burrows), die Frau, die er liebt, ist spurlos verschwunden. Gleichzeitig vermutet man in Bletchley Park einen Spion.
Action mit ruhiger Hand
Basierend auf dem Bestseller von Robert Harris drehte James-Bond-Regisseur Michael Apted einen Spionagethriller, der dem Zuschauer zwar reichlich Nervenkitzel bietet, jedoch kein James-Bond-Imitat ist. Glücklicherweise. Statt spektakuläre Verfolgungsjagden aneinander zu reihen, inszeniert der Cambridge-Absolvent Apted sachlich und mit ruhiger Hand, belässt es bei wenigen Actionszenen, die stets realistisch und glaubhaft sind. Die beiden Handlungslinien des Films, das Kriegsgeschehen einerseits und die Entdeckungen auf der Suche nach Claire andererseits, werden immer wieder so zusammengeführt, dass die Spannungsbögen stets stimmig sind.
Hervorragend sind vor allem Dougrey Scott und Kate Winslet. Beiden gelingt es, ihren Gewissenskonflikt und ihre Motivationen sichtbar zu machen. Scott als Tom Jericho muss gegen Geheimhaltungspflichten verstoßen und riskiert damit Kopf und Kragen. Und Kate Winslet zeigt, wie schwierig es ist, die eigene Angst zu überwinden und Mut zu zeigen.
Nicht zuletzt die Einflechtung des Massakers von Katyn, bei dem Hunderte polnische Offiziere von sowjetischen Soldaten ermordet wurden, trägt zu einer Nachwirkung weit über das Ende dieses Liebes- und Spionagefilms hinaus bei. Sehenswert!
"Enigma - Das Geheimnis" (USA 2001)
Seit dem 17. Januar in den deutschen Kinos
Regie: Michael Apted
Produktion: Lorne Michaels, Mick Jagger
Drehbuch: Tom Stoppard
Buchvorlage: Robert Harris
Mit:
Dougray Scott (Tom Jericho)
Kate Winslet (Hester)
Saffron Burrows (Claire)
Jeremy Northam (Wigram)
Nikolaj Coster-Waldau (Puck)
Foto: Copyright liegt bei Senator-Film