Buch: Ich hab Hunger. Kann mir mal
jemand was zu Essen bringen ? Und zwar Pronto!
OFF: Wir gehen in zwei Minuten auf ...
Buch: Wissen Sie, was die mich mal kann, ihre Sendung ...?
Tag: Ich fände: Wir beim Essen. Eine Flasche Rotwein ... ist doch eine tolle Idee.
OFF: Wir sind ein „Polit-Talk“ ... keine Kochsendung.
Tag: Beim
Essen redet es sich auch viel leichter ... Wo ist denn hier die Kombüse? Ich komme
zufällig gerade vom Einkaufen und habe auch Hunger ... lassen Sie uns doch was brutzeln, Herr Kollege!
OFF: Hören Sie nicht zu ... WIR MACHEN HIER POLIT-TALK! ...
Buch: Auja ... Ich glaube ich habe die Küche auch
schon gesehen ... ist direkt neben diesem kleinen Aufenthaltsraum.
Tag: Neben diesem sehr sehr kleinen Aufenthaltsraum ...
Buch: Sehr klein, sehr sehr klein. Sehr...
OFF: Ich hab’s begriffen. Aber jetzt ...
Tag: Könnten sie ein paar Paprika mitbringen,
wenn sie schon zum Einkaufen gehen ...?
OFF: ICH
GEHE NICHT EINKAUFEN ...
Buch: Und
ein bißchen Kümmel ...
Tag: Wenn
Sie Shi-Take Pilze bekommen sollten und Kokosmilch, dann könnten wir was
Asiatisches machen. Was Buch ...?
Buch: ... lecker ... passt übrigens ein Gewürztraminer sehr gut dazu ...
Tag: Stimmt! Wollen Sie eigentlich auch eine
Kleinigkeit mitessen?
OFF: ICH GEHE NICHT EINKAUFEN!
Buch: Gut, wir machen Ihnen eine Portion mit!
Tag: Dann
müssen sie aber noch ein bißchen mehr Putenfleisch mitnehmen.
OFF: ICH ... ICH ...
Buch: Herr
Tag, schaun sie mal! Seine Brille beschlägt.
Tag: Ich
finde, er muss viel viel ruhiger werden. Er regt sich viel zu leicht auf.
Bestimmt hatte er eine schwere Kindheit. Wahrscheinlich war seine Mutter
Lehrerin, die ihre geplatzten Träume in ihn projiziert hat.
Buch: Ich
glaube, er wäre viel lieber Koch geworden, als zum Fernsehen zu gehen.
Tag: Sehen Sie, er ist auch ganz blas. Er hat
viel zu wenig Sonne.
Buch: Ich
glaube, er arbeitet auch einfach zu viel. Trotz allem hat er aber
Versagensängste und Schuldgefühle gegenüber seiner Mutter, weil er trotz allem
denkt, dass er die von ihr in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat und
auch nicht erfüllen kann.
Tag: Kommen Sie. Uns können Sie’s doch sagen.
Ihre Frau ... sie ist nicht glücklich, hmmm?
OFF: ICH
GEH NICHT EINKAUFEN!
Buch: Wie kann Sie auch glücklich sein ... mit so
einem Dickkopf. Außerdem wechselt er andauernd seine Meinung. Zuerst sagt er,
er geht einkaufen, dann wieder nicht.
Tag: Hat wahrscheinlich auch mit der
Konrad-Lorenz-Dampfkesseltheorie zu tun. Frustration führt zur Aggression.
Buch: Genau!
Zudem schämt er sich vor sich selbst, er hat das Gefühl, dass sein Leben
vollkommen verpfuscht ist, dass seine Frau keinen Respekt vor ihm hat.
Wahrscheinlich auch wegen seinen Errektionsproblemen.
Tag: Soviel ist sicher. Zudem sieht er so
aus, als hätte er üble Depressionen. Und er ist zu feige sich helfen zu lassen.
OFF: Hören
Sie auf ... Gut! Ich gehe ja einkaufen! Ich gehe ja!
Tag: Er geht wirklich. Definitiv kein Rückrad
der Mann. Wiederlich!
Buch: Memme!
Grafik: Claudia Kober