Einen Tag vor dem Besuch des amerikanischen Präsidenten George W. Bush demonstrierten in Berlin etwa 10000 Friedensaktivisten, Globalisierungskritiker und Anhänger linker Gruppen gegen die Politik der Vereinigten Staaten. Bündnis 90/Die Grünen brachen ihre eigene Friedensdemo ab, die am Rande der Strecke abgehalten wurde, nachdem Gegendemonstranten die Veranstaltung gestürmt hatten. Die Junge Union veranstaltete die einizige Bush-freundliche Kundgebung.
"Wir wollen ihre Kriege nicht, Herr Präsident" war auf dem Transparent zu lesen, das die Demonstranten an der Spitze des Zuges vor sich her trugen. Die Stimmung war friedlich bei den auffallend jungen Demonstranten. Unter den 10000 Protestierern waren ebenso PDS-Anhänger im Rentenalter, die mit dem ehemaligen SED-Parteiorgan „Neues Deutschland“ unterm Arm neben Palästinensern, Linksruck-Aktivisten mit Rasta-Locken und alten West-Berliner Protest-Veteranen „gegen US-Imperialismus“ auf die Straße gingen.
Trommeln gegen den Krieg
Mit Trommeln, Megaphonen, kunstvoll gebastelten Marionetten starten sie Unter den Linden kurz vor dem Brandenburger Tor und zogen am Berliner Dom und dem Palast der Republik vorbei auf den Alexanderplatz. Die Veranstalter betonten immer wieder, der Protest gelte der Bush-Regierung, nicht dem amerikanischen Volk. Zu heftigen Wortgefechten unter den Demonstranten kam es, als Teilnehmer nicht nur Palästinenserfahnen, sondern auch ein
Transparent mit der Aufschrift "Boykottiert das Vierte Reich Israels"
hochhielten. Es wurde nach kurzer Zeit wieder eingerollt.
Gegen 18 Uhr erreichten die Demonstranten den Alexanderplatz. "Unsere Aufgabe ist es, die Stimme der Menschen zu sein, die keine Stimme haben", sagte der
UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler,
auf der Schlusskundgebung. Hauptverantwortung für den Hunger, für das Elend und für den Terror auf der Welt sei das amerikanische Imperium und die Finanz-Oligarchie, die direkt im Weißen Haus regiere. "Wer heute auf der Welt verhungert, wird ermordet". Darum stelle das Bush-Imperium eine tödlich Gefahr für die Welt dar.
Der Cottbuser evangelische Generalsuperintendent Rolf Wischnath sagte, die Proteste seien nicht gegen die Amerikaner gerichtet, sondern gegen eine
Politik, die er für verhängnisvoll halte. Durch die "Achse der Gerechtigkeit" komme die "Achse des Bösen" ins Schleudern, erklärte er.
Gewalt gegen die Grünen
Es blieb zwar weitgehend friedlich, doch gerade die Die Grünen bekamen die Wut einiger Globalisierungskritiker zu spüren. Kurz bevor sich der Zug gegen 15.30 Uhr in Gang setzte, stürmten etwa 50 Demonstranten die Redner-Tribüne und beschimpften die ehemaligen Berufsprotestierer als "Verräter" und "Heuchler". Die Polizei räumte die Bühne und die Grünen brachen die Veranstaltung ab. "Mit denen kann man nicht vernünftig reden", sagte Fritz Kuhn, der gemeinsam mit Claudia Roth an der Veranstaltung teilnahm.