Ochsentour, die 4.: Der Makel des Verlierers (03. April 2002)
Autor : Sead Husic E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 03.04.2002
In den Reihen der Union glaubt kaum einer an den Sieg des Kanzlerkandidaten Stoiber. Er steht zu weit rechts. Eine Kolumne von Sead Husic.
Berlin, im März. - Edmund Stoiber, der Unions-Kanzlerkandidat wollte in die politische Mitte. Denn in der Mitte entscheiden sich Wahlen, sind sich die Kampagnen-Manager der CDU/CSU sicher. Stoiber träumte schon, wie er Gerhard Schröder aus dem Kanzleramt schickt, der nach draußen geht, traurig zu den Gitterstäben schlurft, sie festhält und seufzend sagt: „Es war so schön hier drin.“ Aus der Traum. Edmund wollte in die Mitte und ist doch dort geblieben, wo er politisch immer war: rechts.
Im medialen Taumel um die Lösung der K-Frage fiel nicht mehr auf, wofür der bayerische Ehrgeizling Stoiber steht und was für die CDU/CSU auf der Agenda ganz oben rangiert: Eine Kehrtwende beim Atomausstieg, die Überprüfung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, das zurückstutzen von Arbeitnehmerrechten, die Rücknahme des Zuwanderungsgesetzes und natürlich das Anbringen eines goldenen, leuchtenden Kruzifixes im Kanzleramt. Erst die Abstimmung im Bundesrat über das Zuwanderungsgesetz hat die politischen Fronten wieder geklärt. Stoiber hat sich zu erkennen gegeben.
Stoibers Mentor: Der Strauß
Eigentlich sollte das niemanden wundern. Schließlich hat Stoiber während seiner Regentschaft über den Freistaat Bayern nur eine Art des Wahlkampfes erlernt, nämlich fremdenfeindlich, derb populistisch, erzkatholisch und in Bierzelten tobend. So hat es ihm sein großer Mentor Franz Josef Strauß beigebracht.
Die Kampagnenleiter der Christenpartei entschieden früh, dass sie das Thema Ausländer in den Wahlkampf ziehen wollen. Vor allem nachdem äh, der Kanzler-äh,ääh,-Kandidat äh, bewies, das dassdasdasdass Thema der ähh,äh,äh, des des desdesäh, der politischen, äh bürgerlichen, also der Ausländerkriminalitätsstatistikgefährlichkeitserwähhhgungen, äh, einfach halt besser im Wahlkampf zieht.
Doch weshalb sich eines solch überhaupt nicht „mittigen“ Themas annehmen? Dazu ist eine kurze Analyse der Verhältnisse in den Unionsparteien nötig:
Keiner glaubt an Stoiber
An den Sieg des Kreuzritters Stoiber glauben die meisten in den eigenen Reihen nicht. Denn: Im Sommer rechnen die Wirtschaftsinstitute mit einem stärkeren Aufschwung und saisonal bedingt wird die Arbeitslosigkeit wieder unter vier Millionen fallen. Das sind Faktoren, die die Stimmung im Wahlvolk für die Regierung bessern. Sollte die Nationalmannschaft erfolgreich die Fußballweltmeisterschaft bestreiten, kann SPD-Kanzler Schröder mit einem sehr wirkungsmächtigen Auftritt rechnen. Außerdem kehren die Menschen bis zum 22. September gerade aus dem Sommerurlaub zurück und sagen: „Es läuft, es läuft, Schröder hält den Laden am laufen.“
Darum haben der Hessen („Verzeihung irgendwie habe ich bei der Parteispendenaffäre gelogen“)-Chef Roland Koch, Peter („ich spiel schon gern mal Kasperletheater, haha“) Müller und Christian (ich bin so blond und viel schlanker und schöner als Landesherr Sigmar Gabriel“) Wulf bereits angekündigt, nicht in Edmund Stoibers Schattenkabinett aufgestellt werden zu wollen. Der Makel des Verlierers soll nicht an ihnen haften bleiben. Längst arbeiten die drei Politiker an einer Strategie für die Machtübernahme innerhalb der Union und peilen die Wahlen im Jahre 2006 an. Vor allem Koch hofft auf eine Niederlage des Bayern.
Die drei Retter in der Not
Dann könnte man sich im Zuge eines Neuaufbaus der Partei der Ostfrau und Vorsitzenden Angela Merkel entledigen. Dass ihr die gehörige Portion Mitschuld an einer Wahlniederlage zugeschrieben wird, dafür werden Müller, Wulf und Koch schon sorgen. Stoiber verliert und zieht die Merkel mit nach unten. Müller, Koch und Wulf treten dann als die drei Retter in der Not auf. Bei den drei Herren gilt diese Szenerie als fest vereinbart.
Und bisher verläuft für sie alles nach Plan. Stoiber bleibt in der rechten Ecke und manövriert von einer verkorksten Diskussion zur nächsten Niederlage, von einer Theateraufführung zum nächsten Fettnäpfchen. Der K-Mann will gemäßigt auftreten und hat dem Bundespräsidenten einen Brief geschrieben. Wir sind gespannt, welche Pleite Edmund Stoiber seiner Partei als nächstes beschert.
zum Ochsentour-Überblick
Foto-Collage: Jeffrey Wipprecht
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Leserkommentar
von
Serendib
am 24.04.2002
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Mehr Objektivität geht nihct...
...ohne dem Kandidadten Stoiber merh anzudichten als er bieten kann. Als weder der CDU/CSU noch der SPD Nahestehender bin ich als politischer Realist doch schockiert mit wie wenig der Herr Stoiber einen Wahlkampf angeht.
Erst sagt er was er machen will, z.B. Oekosteuerruecknahme, und eine Woche später macht er einen Rückzieher. Falls Stoiber nicht bald ein Programm vorlegt das , unter Einbeziehung der fiskalpolitischen Realitaet, durchführbar ist wird ihn nichts anderes Charakterisieren und zum Wählen ermuntern als: Der ´ääääh´ Fall Grüss Gott und Gott hilf diesem Land es hat dich bitter nötig!
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