Als das US-Repräsentantenhaus am 13. Februar 2002 nach langer hitziger Diskussion mit deutlicher Mehrheit eine Gesetzesvorlage zur Reform der Wahlkampffinanzierung verabschiedet, muss es für John McCain ein stiller Triumph gewesen sein.
Lange Jahre hat er für dieses Gesetz gestritten - ein Gesetz, das immer wieder an den unterschiedlichsten Klippen gescheitert war. Nun endlich hatte die erste Kammer des Kongresses zugestimmt; dass auch der Senat zustimmen wird, scheint beschlossene Sache zu sein.
Ein streitbarer Geist
Dass McCain sich mit seinem Einsatz für dieses Gesetz bei seinen auf Kollegialität und Ausgeglichenheit bedachten Kollegen im Senat nicht immer nur Freunde gemacht hat, ist ihm bewusst. Er nimmt es bewusst in Kauf. Bei so mancher Gelegenheit schien er mit dem Kopf durch die Wand zu wollen.
Beispiel Tabakentschädigungsgesetz:
Im April 1998 brachte McCain ein umfassendes Anti-Raucher-Gesetz in den Senat ein. Die Tabaksteuer sollte drastisch erhöht werden, Gesundheitsausgaben für Raucher sollten erhöht werden; Anti-Raucher-Kampagnen und Informationskampagnen für Jugendliche waren auch vorgesehen. Nach mehrwöchiger Debatte wurde das Gesetz durch konservative Senatoren unter tatkräftiger Mithilfe der Tabakunternehmen zu Fall gebracht.
Beispiel Präsidentschaftskampagne 2000:
Lange Zeit galt im Vorwahlkampf ein Duell zwischen Bush und Gore als ausgemachte Sache. Plötzlich tauchte McCain in den Vorwahlstaaten auf und punktete. Er gewann einige der ersten Vorwahlen, plötzlich war auch eine Niederlage des favorisierten Bush nicht mehr auszuschließen.
Das Bush-Team schlug letztendlich zurück; manche sagen, dass es das mit unlauteren Mitteln der Verunglimpfung tat. Aber durch die Wahlkampagne 2000 hatte McCain viele Sympathien gewonnen, und er war entschlossen, mit diesem Pfund bei seiner weiteren Tätigkeit als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Senat in Washington zu wuchern.
Ein maverick mit Höhen und Tiefen
McCain ist ein Außenseiter in Washington, ein maverick, jemand, der klar sagt, was Sache ist, gefürchtet für seine Wutausbrüche. Mit seinem Stil macht er sich nicht immer nur Freunde, aber in der Öffentlichkeit und bei den Medien kommt das gut an:
Das TIME Magazin rechnete ihn kürzlich zu den 25 einflussreichsten Politikern in Washington, und das Magazin George fragte im Wahlkampf 2000 auf dem Cover, ob McCain etwa zu ehrlich sei, um Präsident werden zu können. Von sich selber sagt er: "Ich lüge nicht, ich lasse mich nicht durch Lobbyisten korrumpieren und ich gehe das Risiko ein, mit der Wahrheit anzuecken. Auf jeden Fall sage ich den Leuten, wie es wirklich ist."
Doch das Bild des wahrhaften Helden weist auch Kratzer auf: so betrog McCain lange Zeit seine querschnittsgelähmte erste Ehefrau, bis sie die Scheidung einreichte. Heute steht er zu seinen Verfehlungen und kann daraus sogar noch politisches Kapital schlagen. Zu Beginn der neunziger Jahre schien dann sogar plötzlich McCains Karriere auf dem Spiel zu stehen.
Als einer von fünf Senatoren war er in den Skandal der so genannten "Keating Five" verwickelt. Er wurde beschuldigt, zugunsten eines Kreditoperators Einfluss auf wirtschaftliche Aufsichtsbehörden genommen zu haben. Nach einer umfassenden Untersuchung durch den Ethikausschuss des Senats hatte McCain Glück und erhielt lediglich einen milden Tadel.
Politische Anfänge
Dabei ist McCain politisch ein alter Hase. Seit 1986 vertritt er den Bundesstaat Arizona im US-Senat. Bei seiner letzten Wiederwahl im Jahre 1998 konnte er fast 69 Prozent der Stimmen gewinnen. Vor seiner Zeit im Senat war er bereits für zwei Amtsperioden im Repräsentantenhaus.
Als John McCain im Jahre 1981 nach Arizona zog, um von dort nur ein Jahr später für das Repräsentantenhaus in Washington zu kandidieren, musste er viel Kritik einstecken: ein carpetbagger sei er, jemand, der nie in Arizona gelebt habe, jemand, der von außerhalb komme, nur um sich, mit einem Mandat ausgestattet, gleich wieder davon machen zu können in Richtung Washington. Dieser Kritik nahm McCain rasch den Wind aus den Segeln mit den Worten: "Die längste Zeit meines Lebens habe ich in Hanoi gelebt".
Damit spielte McCain auf eine Erfahrung an, die sein Leben prägen sollte: die Kriegsgefangenschaft in Vietnam.
Im Oktober 1967 schossen die Nordvietnamesen McCains Kampfjet ab und hielten ihn fünfeinhalb Jahre in Kriegsgefangenschaft einschließlich Folter und Isolationshaft, und zwar in einem Gefängnis, das McCain später spaßeshalber das "Hanoi Hilton" nannte. Als Präsident Ho Chi Minh erfuhr, dass McCains Vater Kommandeur der amerikanischen Pazifik-Flotte war, wollte er McCain junior zu Propagandazwecken freilassen. Doch der Gefangene verzichtete zu Gunsten eines anderen Soldaten, der schon länger in Haft saß. Berühmt geworden sind die Bilder von McCains triumphaler Rückkehr im Jahre 1973, als Präsident Nixon den auf seine Krücken gestützten McCain mit einem Orden ausgezeichnete.
Miltärische Wurzeln
McCain kommt gebürtig aus einer alten Militärfamilie. Der Vater war Kommandant von Marineeinheiten während des Vietnamkrieges und auch der Großvater war bereits während des Zweiten Weltkriegs Kommandeur eines Flugzeugträgers im Pazifik.
1936 wird John Sidney McCain Junior in Panama geboren. Er durchläuft die typische Militärlaufbahn: Ausbildung an der U.S. Naval Academy und dem National War College, dann lange Jahre Angehöriger der Navy im Range eines XY.
Im letzten Jahr hielt das politische Washington den Atem an, als McCain vor der Presse verkündete, dass er einen krebsartigen Tumor habe und operiert werden müsse. Diese Krankengeschichte scheint mittlerweile überwunden zu sein. Mit frischen Kräften versucht er, für seine Ideen zu streiten und wird sich wohl auch in Zukunft mehr Feinde als Freunde machen.
Foto: Copyright liegt bei http://mccain.senate.gov/
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