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Palästinensische Jugendliche während einer Konfrontation mit dem israelischen Militär

Tödliches Steinewerfen

Autor :  Roman Maruhn
E-mail: rmaruhn@e-politik.de
Artikel vom: 13.10.2000

Die Zahl der Toten steigt im Nahen Osten. Immer mehr Menschen kommen in immer kürzerer Zeit ums Leben. Hass und Rache scheinen den Friedensprozess besiegt zu haben. Roman Maruhn versucht zu verstehen. Er kommentiert.


Mindestens zwei israelische Soldaten wurden unter den Augen, ja wahrscheinlich sogar durch die Hände palästinensischer Polizisten bestialisch getötet. Ihre Leichen wurden geschlagen, getreten und am Ende als Trophäen durch die Straßen getragen.

Wenig später an diesem blutigen Donnerstag tauchten über Ramallah und Gaza israelische Kampfhubschrauber auf, die gezielt Einrichtungen der palästinensischen Sicherheitskräfte zerstörten. Israel und seine Bürger konnten nicht tatenlos zusehen, wie Mitbürger vom palästinensischen Pseudo-Staat und seinem Instrument "Volksmasse" nicht nur getötet, sondern bestialisch niedergemetzelt werden.

Im Nahen Osten liegt Europas Vergangenheit

Es ist nicht lange her, als auch in Europa Worte des Hasses gegenüber anderen Völkern oder vermeintlich andersartigen Mitbürgern gepredigt wurde. Feindschaften, ja sogar Erbfeindschaften beherrschten das Verhältnis der Staaten untereinander. Rache und Revanche wurden zu politischen Programmen erhoben. Kopfschüttelnd mussten wir in den vergangenen Jahren auf Europas Mikrokosmos Ex-Jugoslawien schauen. Erleichtert nahmen deshalb die Europäer in der vergangenen Woche zur Kenntnis, dass sich der Balkan mit der möglichen Demokratisierung Serbiens auf niedrigstem Niveau der gegenseitigen Duldung zu stabilisieren beginnt. Aus der Vergangenheit der europäischen Völker ist nur die Lehre zu ziehen, dass wir nur miteinander leben können. Versuchen die Europäer gegeneinander zu leben, so sind Kriege, Verrohung und Zerstörung das Ergebnis. Wer nach einem Grund für die Existenz der Europäischen Union und die damit verbundene Gemeinsamkeit sucht, muss nur 60 Jahre in die Vergangenheit schauen oder auf den Balkan oder eben in den Nahen Osten.

Kinder ohne Zukunft?

Warum? Vielleicht ist das die Frage, die sich stellt, wenn man die Fernsehbilder aus den von Israel besetzten Gebieten und von seinen Grenzen sieht. Wer in Armut aufwächst, wessen Eltern arbeitslos sind, wer einen Toten in der Familie zu beklagen hat, der handelt auch anders als der heutige europäische Durchschnittsbürger verstehen kann. Wie schnell Menschen sich dazu bereit erklären, ihr Leben und die Leben anderer zu zerstören und zu vernichten, sollte uns das Beispiel Jugoslawien vor Augen halten. Die jugoslawische Gesellschaft war in ihren Grundzügen vor Milosevics Kriegen sicherlich vergleichbar mit den menschlichen Gemeinschaften der westeuropäischen Staaten. Trotzdem geriet das gesamte Zusammenleben in kürzester Zeit zu einem Albtraum ohne Ende. Perspektivenlosigkeit ist der beste Freund des Konfliktes und des Krieges.

Vorwurf an die palästinensischen Eltern

Bilder toter palästinensischer Kinder. Aufgebahrt als Märtyrer werden sie durch die Straßen getragen. Am Kopf getroffen von Gummigeschossen oder getötet durch scharfe Munition israelischer Soldaten. Arafat oder wer auch immer unter den palästinensischen Agitatoren schützt nicht sein Volk, sondern er setzt es ein in einem Spiel, das keine Toten bräuchte. Und die palästinensischen Familien scheinen mitzuspielen. Kinder und Jugendliche werfen Steine auf israelische Soldaten. In die Enge getrieben oder aber auch mit der klaren Aufgabe der Grenzsicherung beauftragt müssen sich diese Soldaten vor einer großen Angreifermasse schützen, selbst verteidigen. Wer unter solchen Umständen seine Kinder nicht im Haus festhält oder sie sogar auf die Straße schickt, der opfert nicht die nachwachsende Generation - ein Opfer hat einen, wenn auch oft im Dunkeln bleibenden Sinn - sondern er nimmt billigend den Tod in Kauf. Was ist das für ein Staat, der sein Volk nicht schützt, sondern es in den individuellen Tod treibt? Was sind das für Familien, die nicht ihre ganze Hoffnung in die Kinder setzen, sondern die den Kindern jede Hoffnung nehmen?

Ein Krieg braucht tausend Tote

Was wird passieren? Beim gegenwärtigen Eskalationstempo wird die Zahl von tausend Toten der Al-Kuds-Intifada vielleicht bald erreicht sein. 1000 Tote gilt manchmal als numerische Grenze für die Bezeichnung eines Konfliktes als Krieg. Der israelisch-palästinensische Konflikt wird aber niemals ein Krieg werden - zu unklar sind die Fronten, zu unterschiedlich die Kräfteverhältnisse, zu ungleich die Kontrahenten. Die Steinewerferei mit tödlichem Ende wird irgendwann auch wieder ein Ende nehmen. Langsam wird man sich wieder annähern und vielleicht auch wieder spielerisch in Camp David dem anderen unbedingt den Vortritt zu den Verhandlungsräumen lassen. Schön sah das damals im Fernsehen aus: Arafat und Barak, die sich an Clintons Tür wie Schuljungen gegenseitig in das Haus schoben. Arafat und Barak - die Beiden haben sich die Hände geschüttelt, freundschaftlich angefasst. Ihre Völker scheinen sich zu hassen bis aufs Blut.

In schlechten Zeiten soll man immer an die Bilder der guten, vergangenen Zeiten denken.


   

Weiterführende Links:
   Israelisches Außenministerium
   Private propalästinensische Seite



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