Klassisches Drama
"Der Kaiser und sein Attentäter" – das bislang aufwendigste Projekt des Regisseurs Chen Kaige ("Lebewohl, meine Konkubine") – ist die filmische Adaption eines gewichtigen historischen Stoffes: Die Errichtung des ersten chinesischen Kaiserreiches durch den König von Qin. Was jedoch Form und Inhalt betrifft, so ist "Der Kaiser und sein Attentäter" jedoch ein geradezu klassisches Drama. In fünf Akten entrollt Chen Kaige eine Geschichte von Macht und Moral vor der Kulisse des antiken China.
Tyrannenmord
Im Jahre 230 v. Chr. ist China in mehrere Königreiche zerfallen, die sich unaufhörlich blutige Kriege um die Vorherrschaft liefern. Um dem chinesischen Volk endlich Frieden und Sicherheit bringen zu können, betreibt Ying Zhang (Li Xuejian), König von Qin, die Vereinigung aller Reiche unter seiner Herrschaft. Ihm zur Seite steht seine Freundin und Vertraute aus gemeinsamen Kindheitstagen, die Hofdame Zhao (Gong Li).
Bei ihr allein ist Ying Zhang Mensch, nicht König. Sie teilt den Traum des Königs von einem friedlichen China und ist ihm stete Erinnerung an sein Versprechen, alle Menschen zu beschützen. Doch die Sorge um die Macht verändert den König, macht ihn mißtrauisch und grausam. Das Mittel zur Schaffung des Friedens – die Errichtung eines allumfassenden Reiches – wird zum Zweck. Das Streben nach der Macht, Gutes zu tun, wird zum Streben nach Macht um der Macht selbst willen.
Als Qin in einem blutigen Vernichtungsfeldzug Zhaos Heimatstaat zerstört, erkennt die Hofdame, dass der König seine Ideale verraten hat. Sie überzeugt den professionellen Attentäter Jing Ke (Zhang Fengyi), der dem Morden abgeschworen hat, von der Notwendigkeit noch einmal zum Schwert zu greifen. Der Tyrann soll sterben, damit seine blutigen Eroberungszüge ein Ende finden.
Antikes Drama als zeitlose Geschichte
"Der Kaiser und sein Attentäter" offenbart die ganze Tragik der Macht und ein moralisches Dilemma. Da ist ein König, der durch Krieg Frieden schaffen will und doch nur neues Leid schafft, dessen Moral und Tugend ihn zum grausamen Mörder machen. Und da ist der gewissenlose Attentäter, der geläutert wurde und nie wieder töten will. Aber eben weil er sein Gewissen und seine Menschlichkeit wiedergefunden hat, muss er noch einmal einen Mord begehen – Tyrannenmord.
Erzählt wird diese zeitlose Geschichte in opulenten Bildern, die gekonnt inszenierte Massenszenen mit der Liebe zum Detail verbinden. Ein Heer von Statisten bewegt sich in detailgetreuen Rekonstruktionen antiker chinesischer Paläste. Enormer wissenschaftlicher, finanzieller und künstlerischer Aufwand wurde betrieben, um die klassische Periode der chinesischen Geschichte so wirklichkeitsgetreu wie möglich wieder aufleben zu lassen. Belohnt wurde das überaus gelungene Ergebnis dieser Bemühungen mit dem "Großen Preis der Technik" 1999 in Cannes.
"Der Kaiser und sein Attentäter" verbindet einen ausstatterischen und technischen Aufwand, den man sonst nur von Hollywood kennt, mit einer tiefgründigen Geschichte, vielschichtigen Charakteren und der Faszination einer fernen Zeit und Kultur. Ein äußerst sehenswerter Film – nicht nur für Freunde des chinesischen Kinos.
"Der Kaiser und sein Attentäter" (Japan/China/Frankreich 1999; Originaltitel: "Jing Ke ci qin wang")
seit dem 06. Juni 2000 als Leihkassette (BMG Video) in Videotheken erhältlich
Regie: Chen Kaige
Produktion: Chen Kaige, Shirley Kao, Satoru Iseki
Drehbuch: Chen Kaige, Wang Peigong
Kamera: Zhao Fei
Mit:
Gong Li (Lady Zhao)
Zhang Fengyi (Jing Ke)
Li Xuejian (Ying Zheng, der König von Qin)
Sun Zhou (Dan, der Prinz von Yan)
Lu Xiaohe (General Fan Yuqi)
Wang Zhiwen (Marquis Changxin)
Chen Kaige (Premierminister Lu Buwei)
Länge: 154 min.
Foto: Copyright liegt bei BMG Video