Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Brennpunkt  Internationales   Internationales - Archiv   Terroranschlag in den USA - Archiv

Links zu Terroranschlag in den USA - Archiv in unserer Netzbibliothek
USA

Die Gotteskrieger

Autor :  e-politik.de Gastautor
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 04.10.2001

Seit drei Wochen schaut die gesamte Welt auf das vormals vergessene radikal-islamische Regime in Afghanistan. Doch was verbirgt sich wirklich hinter den Taliban? Ein Essay von David Wolf.


Der Wolf im Schafspelz

Seit den grausamen Terroranschlägen auf die Vereinigten Staaten sind sie in aller Munde. Man liest ihren Namen, spricht von ihnen, und doch es bleibt eine Frage: Wer sind die denn überhaupt, was wollen die denn? Die Rede ist von der derzeit radikalsten der islamistisch-fundamentalistischen Gruppierungen in der muslimischen Welt, den Taliban. Und dabei heißt Talib in der Einzahl und Taliban in der Mehrzahl nichts anderes als Student. Klingt harmlos, aber dahinter verbirgt sich der Wolf im Schafspelz.

Ein Blick in die Entstehungsgeschichte der Taliban enthüllt das. Ihren Anfang nahm die Bewegung in Pakistan. Dort wurden und werden Afghanen in konservativen Koranschulen, den sogenannten Madrasas, in der sunnitischen Rechtgläubigkeit unterwiesen. Vor allem ärmere Familien, und besonders viele Flüchtlinge aus Afghanistan, schicken ihre Söhne auf diese Schulen, in denen sie neben Religionsunterricht auch Kleidung und Essen erhalten. Somit dienen die Koranschulen als soziale Basis für die Afghanen.

Unter den Schülern befanden und befinden sich auch viele Paschtunen, die größte der vier Hauptbevölkerungsgruppen in Afghanistan. Sie stellen heute die Mehrheit der Anhängerschaft der Taliban. Neben Religionsunterricht erhielten die Schüler oft auch eine militärische Ausbildung. Verantwortlich für den militärischen Drill und für die Schaffung dieser Gotteskrieger zeichnet der pakistanische Geheimdienstoffizier Sultan Amir. Im afghanischen Bürgerkrieg erhielt er seine militärische Ausbildung von den USA und bildete danach Mudschahidin für den Einsatz gegen die Russen im Nachbarland aus.

Ein Staat wie im Mittelalter

Das oberste Ziel, dass den Schülern in einer solchen Ausbildung vermittelt wurde, war und ist die Errichtung und Erhaltung eines radikal-islamischen Gottesstaates nach mittelalterlichen Regeln. Maßstab aller Ordnung ist dabei die Scharia, das islamische Recht. Allerdings werden die Regeln der Scharia hierbei gerne mit althergebrachten Stammestraditionen und -Gesetzen vermischt. Über allem wacht der Führer der Taliban, Mullah Mohammed Omar, als oberste Instanz über die Einhaltung dieser Regeln. Und wehe dem, der dagegen verstößt oder auch nur den Anschein erregt, dagegen verstoßen zu haben. Selbst der bloße Verdacht reicht aus, um die Anwendung drakonischer Strafen zu rechtfertigen, oft selbst die Todesstrafe.

Als Polizei der Taliban fahren junge Männer in offenen Wagen mit buschigen schwarzen Bärten und Turban durch die Straßen. Die Häscher nennen sich Wärter des Amtes für die Überwachung der islamischen Moral und die Bekämpfung der Sünde. Die weiße Flagge auf dem Wagen, ihre Standarte, soll zeigen, wer Herr im Hause ist. Die Kalaschnikow im Anschlag tut ihr Übriges. Absoluter Gehorsam, das ist es, was die Taliban mit aller Gewalt durchzusetzen versuchen, und auch durchsetzen. Der Strafenkatalog lässt einen vor Grausamkeit erschaudern. Männer, die allesamt der Bartpflicht unterliegen, werden zur Moschee geprügelt, Verdächtige öffentlich an Kranwagen aufgehängt. Schwerkranke und sogar gebärende Frauen werden aus den Krankenhäusern gezerrt, in denen männliche Mediziner behandeln.

Eine Hölle für Frauen

Überhaupt ist Afghanistan unter dem Religionsregime der Taliban zur Hölle für Frauen geworden. Die Frau ist dem Manne sehr viel strenger untergeordnet als es das islamische Gesetz vorsieht. Denn so ist es im Paschtunwali, dem Rechtskodex der Paschtunen mit den zentralen Begriffen "Ehre" und "Schande", festgelegt. Jungen Mädchen, die sich die Finger lackieren, werden mir nichts dir nichts die Finger abgehackt. Ehefrauen, die womöglich untreu geworden sein könnten - man achte auf den Konjunktiv - werden nach mittelalterlicher Methode gesteinigt. Der Begriff "Menschenrechte" ist für die Taliban ein Fremdwort. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Taliban sind größtenteils Analphabeten. Ihre Sprache ist die Gewalt und der Terror, am meisten leiden die Frauen darunter. Schule und Arbeit sind für sie tabu. Das Haus verlassen dürfen sie nur unter männlicher Begleitung. Fenster von Häusern, in denen sich Frauen aufhalten und die von der Straße aus einsehbar sind, müssen geschwärzt sein, damit fremde Blicke die Frauen nicht erhaschen können.

Die Liste an Maßnahmen und Strafen ließe sich ohne weiteres fortführen. Tatsache ist, dass die Taliban das gesamte öffentliche Leben in Afghanistan kontrollieren und der Gesellschaft durch religiöse Gewalt ihren Stempel aufdrücken. Schach, hierzulande als beliebtes Strategiespiel bekannt, ist in Afghanistan als Glücksspiel verpönt und somit verboten. Fast alle Schulen und die Universität von Kabul sind geschlossen, Film, Fernsehen, Musik und Bilder wurden verboten.

Die USA tragen eine Mitschuld an der Situation

Bei solchen Schilderungen fällt es schwer, von Afghanistan als einer zivilisierten Gesellschaft zu sprechen. Wer Menschenrechte so mit Füßen tritt wie die Taliban, der kann nicht zivilisiert sein. Doch bei aller Schimpf und Schande über diese Gruppierung sollte sich die westliche Staatengemeinschaft auch darüber im klaren sein, dass die Taliban eben nicht aus dem Nichts entstanden sind. Denn zur Zeit des Kalten Krieges hatten die USA enge Verbindungen zu, sowie starkes Interesse an dieser kriegerischen Gruppierung. Schließlich galt es doch diese gegen die zweite Supermacht Sowjetunion zu mobilisieren. Heute aber haben sich die Geister, die sie riefen, für Amerika zur größten Terrorgefahr gewandelt.


Hier geht es zum Überblick über das e-politik.de Dossier "Der Krieg in Afghanistan".



   


Leserkommentar
Momentan kein Leserkommentar
eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.