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e-politik.de - Home  Brennpunkt  e-politik.de-Kontroverse   Israel und Palästina - (Alb)Traum vom Frieden?


Collage: Amos Oz und der Frieden zwischen Israelis und Palästinensern

Nach dem Scheitern von Camp David: Die Kriegsdrohung einer Friedenstaube

Autor :  Andreas Bock
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 30.08.2000

Die Palästinenser fordern ein Recht auf Rückkehr nach Palästina, das heute Israel heißt. Der israelische Friedensaktivist Amos Oz fürchtet nun um die Existenz Israels. Er hat den Palästinensern offen den Kampf angesagt. Andreas Bock kommentiert.


"Die Palästinenser haben ein Recht auf ein eigenes, ein freies und unabhängiges Palästina."
Das konnte man in einem Beitrag der Süddeutschen Zeitung lesen, kaum dass die Verhandlungen von Camp David gescheitert waren. Der Satz stammt aus der Feder von Amos Oz, einem jüdischen Schriftsteller und engagierten Friedenskämpfer.
Bereits Ende der 60er Jahre propagierte Oz als einer der wenigen Israelis eine Zwei-Staaten-Lösung. Was wie die Forderung nach einer Abkehr von der israelischen Siedlungs- und Annektionspolitik klingt, ist aber tatsächlich nur das Vorwort einer kaum verhohlenen Kriegsdrohung: "Aber wenn sie auch noch Israel haben wollen, dann sollten sie eines wissen: Sie werden mich bereit finden, mein Land zu verteidigen ­ ein alter Friedensaktivist, der bereit ist, für das Überleben Israels zu kämpfen."

Das gelobte Land Israel ­ nicht nur für Ultra-Orthodoxe

Warum genau die Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern vor jetzt vier Wochen gescheitert sind, wird man vielleicht erst erfahren, wenn sich Insider zum Plaudern entschließen. Indes ist bereits heute klar, dass die Israelis mit ihrer Weigerung über den Status von Jerusalem zu verhandeln, wesentlich zum Misserfolg beigetragen haben: Israel ist nach wie vor nicht zu einer echten Reform seiner Politik bereit ­ dem historischen Handschlag von Israels damaligem Premier Jitzhak Rabin und PLO-Führer Jassir Arafat wie zum Trotz; 1993 sollte er das Abkommen von Oslo besiegeln. Dies aber ist nicht nur die Position der "Hardliner" und Ultra-Orthodoxen, die biblische (sprich: göttliche) Ansprüche auf das "gelobte Land Israel" erheben, die jeder säkularen Disposition entzogen sind. Das macht jetzt die Verwandlung Amos Oz´ von der Friedenstaube zum kampfbereiten Falken deutlich.

Israelische Geschichte, nicht Israels Geschichte

"Und trotzdem haben die Palästinenser Nein gesagt", schreibt Oz. Trotzdem? Was meint er damit? Kurz zur Erinnerung: Was im Abkommen von Oslo nicht geregelt werden konnte hat man, um das Abkommen überhaupt auf die Beine zu bringen, für die "Endstatus-Verhandlungen" aufgehoben: die Zukunft Ost-Jerusalems, die Grenzziehung (was bleibt Israel, was wird Palästina) und die Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge.

Das sollte nun in Camp David geregelt werden. Israels Premier Ehud Barak aber erklärte, dass er keinerlei Verantwortung für die Hunderttausenden vertriebenen und geflohenen Palästinenser der Kriege von 1948 und 1967 zu übernehmen gedenke. Was Israels Premier damit kund tat war die Weigerung, die eigene Geschichte zu akzeptieren:
Israel hält bis heute an einer eigenen Geschichtsschreibung fest, die es selbst nur in der Rolle des Opfers sieht. Tatsächlich aber wurden durch die kriegerische Staatsgründung Israels mehr als 700.000 Palästinenser in die umliegenden Staaten vertrieben. Und im Sechstagekrieg (1967) besetzte Israel, mit Rekurs auf das Alte Testament und damit "göttlichem" Recht, die West-Bank, einschließlich Ost-Jerusalems und des Gaza-Streifens.

"Rückkehr ­ ein Euphemismus für die Zerstörung Israels"

Nach zwei Wochen lag, wie Die Zeit über das verläufige Verhandlungsergebnis von Camp David urteilte,  die "von Israel geforderte Kapitulationsurkunde" auf dem Tisch: Beibehaltung der meisten israelischen Siedlungen, nur eingeschränkte Souveränität, keine Hauptstadt Ost-Jerusalem und natürlich keine Rückkehr der Flüchtlinge. Dass Arafat nicht zustimmte darf niemanden verwundern. Außer vielleicht Amos Oz. Nicht in der Weigerung von Premier Barak, auf die (berechtigten) Forderungen der Palästinenser einzugehen, erkennt er den Stolperstein der Verhandlungen. Die Forderungen selbst seien am Scheitern schuld. "Sie verlangen ´ihr Recht auf Rückkehr`", schreibt Oz, "wo wir doch alle ganz genau wissen, dass dieses ´Recht auf Rückkehr` in unserer Gegend nur ein arabischer Euphemismus ist für die Auslöschung Israels."
Die Rückkehr der Palästinenser, so Oz weiter, "würde das demographische Gleichgewicht zerstören und Israel am Ende zum arabischen Land Nummer 26 machen. Schließlich gibt es auch Millionen Deutsche, die nie in ihre frühere Heimat Polen, Ostpreußen oder das Sudentenland zurückkehren werde."

Bewusst oder unbewusst spielt Oz damit auf der Klaviatur der Erinnerung ­ der Entstehungsgeschichte des Staates Israel: Die Shoah, das Verbrechen sui generis, das im Namen des deutschen Volkes an den Juden begangen wurde ­ der Versuch der planmäßigen und in den Vernichtungslagern mit industrieller Perfektion betriebenen Ausrottung des jüdischen Volks.
Und doch vergisst er: Kein Verbrechen das ein Volk erlitten hat, ermächtigt es zu einem Verbrechen gegen ein anderes Volk, um die erlittene Ungerechtigkeit auszugleichen. Die Annektion der West-Bank war und ist ein Verstoß gegen bestehendes Völkerrecht ­ die Bibel hin oder her. Und wenn Oz die Rückkehr von Palästinensern fürchtet, dann doch wohl nur, weil in der Vergangenheit Hunderttausende aus ihrer Heimat Israel vertrieben wurden. Noch immer werden Wehrdörfer errichtet, enteignet die israelische Siedlungspolitik Palästinenser.

Palästinenser sind keine Sudetendeutschen

Oz ist ein Friedensaktivist der ersten Stunde. Sein Vergleich der Palästinenser mit den Sudetendeutschen ist seiner nicht würdig. Hitlers Deutschland war es, das 1937 die Welt in den Abgrund des Krieges stürzte. Und die Deutsche Wehrmacht hinterließ in ganz Europa Tod und Zerstörung: das Ergebnis der "Politik der verbrannten Erde". Dass die Bundesrepublik Teile ihres Territoriums abtreten musste, war ein legitimes Zugeständnis an das Sicherheitsbedürfnis der ost-europäischen Staaten. Mit dem "Morgenthau-Plan", der die Zerteilung Deutschlands und Verwandlung in einen reinen Agrarstaat vorsah, hätte es uns sehr viel härter treffen können. Deutschland hatte Glück! Und in Zeiten der Europäischen Union sollte man sich über Grenzen immer weniger Gedanken machen.

Das himmlische und das irdische Jerusalem

Aber Grenzen sind noch immer ein Thema, in Deutschland, in Europa und vor allem auch in Israel. Die legitime Forderung der Palästinenser auf Rückkehr in auch ihre Heimat Israel weckt selbst bei einem Friedensaktivisten wie Amos Oz die Kampfeslust.
Nach Camp David stellt sich darum die bittere Frage: Kann es je zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern kommen, wenn selbst ein "alter Friedensaktivist" zu den Waffen greifen will? Vielleicht sollte Oz über einen Satz des Friedenspioniers Uri Averni nachdenken: "Jassir Arafat mag bereit sein, uns das himmlische Jerusalem zu überlassen, wenn wir ihm seinen Teil des irdischen geben."

Collage: Copyright liegt bei e-politik.de


Das e-politik.de Dossier Kontroverse:
Israel und Palästina - (Alb)Traum vom Frieden?

Ausgelöst durch einen Kommentar des e-politik.de Redakteurs Andreas Bock "Nach dem Scheitern von Camp David: Die Kriegsdrohung einer Friedenstaube" ist eine Diskussion entfacht. Bock kommentierte einen Artikel des israelischen Friedensaktivisten Amos Oz aus der Süddeutschen Zeitung. Eine erste Reaktion auf den Kommentar des e-politik.de Redakteurs lieferte die Replik von Tamir Sinai, Politologe an der hebräischen Universität Jerusalem. Hierauf antwortete Abdallah Frangi, Generaldelegierter der PLO in Deutschland.

Links zum Nachlesen:

Auf den Seiten von e-politik.de:
  • Die drei großen Fehler von Amos Oz von Abdallah Frangi
  • Lebenslauf von Abdallah Frangi
  • Amos Oz – Diagnose: Keine Suizidgefahr! von Tamir Sinai
  • Die Kriegsdrohung einer Friedenstaube von Andreas Bock

    Auf den Seiten der Süddeutschen Zeitung:
  • Saladins Gespenst - Dürfen die Palästinenser nach Israel zurück? von Amos Oz


  •    

    Weiterführende Links:
       Palästinensische Generaldelegation in Deutschland
       Website Außenministerium Israel



    Leserkommentar von werner meybaum
    am 27.03.2001
    ... heimweh ...

    ... guten tag ... ... ich bin fern der heimat ...  ... ich schreibe geschichten und gedichte ...  ... wie es mir im leben so gegangen ist ... ... ... in mir steckt noch ein kind ... ... sein name ist Lorbass ... ... wir haben heimweh ... ... ... vielleicht hoert uns jemand ... ... vielleicht versteht uns jemand ...  ... ja ... vielleicht ... ... ... ich lebe in minneapolis in minnesota ...  ... ich stamme aus Marienthal bei Drengfurt in Ostpreussen ... ... ich bin in Wohltorf bei Hamburg aufgewachsen ... ... ... Werner Meybaum ... ... ... ... ... ... heimweh ... ... als kind tat es mir weh ... ... wenn sich meine eltern streiteten ... ... so bin ich zur anderen seite der welt gezogen ... ... ... nun habe ich heimweh ... ... nach ihren stimmen ... ... nach ihrer liebe ... ... ... Lorbass ... ... ... ... ... oh wie gern ... ... oh wie gern moechte ich wiedereinmal mutti beim klunkersuppen kochen helfen ... ... den loeffel ruehren ... und aufpassen ...  ... dass die milch nicht anbrennt ... ... ... oh wie gerne moechte ich wiedereinmal das pferd vor dem pflug leiten ... ... dann meinen mut finden ... papa fragen ...  ... ob wir die rollen tauschen koennen ... ... ... oh wie gern moechte ich wiedereinmal weinen ... ... die traenen auf meinen schoss laufen lassen ...  ... mich hinterher wundern ... wo sie herkamen ... was sie bedeuten ... ... ... Lorbass ... ... ... ... ... Danke ... ... Danke Vergangenheit fuer Deine Geduld ... ... so oft siehst Du zu ... laesst mich Fehler wiederholen ... bis ich es lerne ... ... ... Danke Zukunft fuer Deine Zufriedenheit ... ... so oft sagst Du mir ... dass ich genug ... fuer Dich gesorgt habe ... ... ... Danke Gegenwart fuer Dein Geschenk ... ... so oft erinnerst Du mich ... jeden Moment zu spueren ...  ... Lorbass ... ... ... ... ... eine 'transformation' ... ... meine traurigkeit kommt zu besuch ... ... wenn ... schwach ... haesslich ... zu hause sind ... ... ... ich nehme sie auf meinen schoss ... ... ich hoere zu was sie mir aus ihrer kindheit zu erzaehlen haben ... ... ... erleichtert springen sie runter ... ... strahlen ... mit freude ... mit staerke ... mit schoenheit ... ... ... laufen nach draussen ... ... spielen weiter wo sie aufgehoert haben ... ... Lorbass ... ... ... ... ... Dein Sonnenstrahl ... ... Ein Baum streckt sich der Sonne entgegen ... ... Die Erde bedeckt sich den Kern zu pflegen ... ... ... Ich folge den Strahl ... ... und finde ... Zaertlichkeiten ... Schmerzen ... Liebe ... ... ... All das was ich im Alltag nicht sah ... ... zeigt mir Dein Sonnenstrahl ... ... Lorbass ... ... ... ... ... Werner aus Ostpreussen ...  ... wie es mir im leben so gegangen ist ... http://www.geocities.com/lorbass_mpls

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