Die Operation Enduring Freedom startete mit Cruise Missile-Angriffen auf Ziele in Afghanistan. Die erste gemeinsame Angriffswelle britischer und amerikanischer Luft- und Marine-Einheiten sollte militärische Stellungen der Taliban und Trainingscamps der al-Qaida Organisation bin Ladens zerstören. Neben Bomben warfen die Alliierten aber auch Medikamente und Lebensmittel ab.
Nur eine weitere Front im Krieg gegen den Terror
Mit Beginn dieser Aktion zeichnen sich die Konturen des Kriegs gegen den Terror nun immer deutlicher ab. George W. Bush und Tony Blair bestätigten in ihren ersten Ansprachen nach Beginn der Angriffe erneut die Eckpunkte ihres Vorgehens gegen den Terrorismus:
- Der Krieg gegen den Terror erfordere langfristiges und konsequentes Engagement. Anders als im Kosowo-Krieg, werden daher in den nächsten Monaten auf die Luftschläge weitere, teils verdeckte, Operationen folgen.
- Dieser Konflikt werde nicht nur rein militärisch entschieden. "Die Schlacht", so Bush in seiner ersten Stellungnahme, "ist breiter". Ziel sei es, das "Übel des internationalen Terrors zu vernichten". Es seien daher auch weiterhin diplomatische, wirtschaftliche und humanitäre Anstrengungen von Nöten, um am Ende siegreich zu bleiben.
- Es gebe in diesem Krieg keine Neutralen. Andererseits könne sich jeder, ungeachtet vormaliger Missetaten, an der Kampagne beteiligen. Dies habe sogar für die Taliban gegolten, die aber, wie der britische Premier Blair feststellte, "beschlossen haben sich auf die Seite des Terrors und nicht die der Gerechtigkeit zu stellen".
- Der Krieg richte sich nicht gegen das afghanische Volk oder gar gegen den Islam. Er richte sich gegen Terroristen und diejenigen, die sie unterstützten.
- Die militärischen Schläge gegen die Taliban und Osama bin Laden seien nur ein Teil eines größeren Plans. Afghanistan sei der Anfang, nicht das Ende.
Mehr als Vergeltung
Schon kurz nach Beginn der alliierten Angriffe zeigt sich, dass die britisch-amerikanische Reaktion weder eine einmalige "Strafaktion", noch auf die militärische Sphäre begrenzt ist. Die Aktion ist darauf ausgerichtet, das Regime der Taliban, und damit auch die Existenz von Ausbildungslagern für Terroristen in Afghanistan, "zu beenden". Laut Auskunft ihres "Außenministers" kooperiert die oppositionelle Nordallianz dabei vollständig mit den USA.
Nachdem Radar- und Kommunikationsanlagen ausgeschaltet sind, dürften weitere Angriffe darauf zielen, der Nordallianz die nötige Luftunterstützung für Offensiven gegen die Taliban zu geben. Einiges deutet überdies darauf hin, dass es nicht beim Abwerfen von Präzisionsmunition aus großer Höhe bleiben wird. Der für Piloten weit gefährlichere Einsatz im "Close Air Support" könnte bald folgen. Spezialeinheiten operieren schon seit Wochen auf dem Boden in Afghanistan.
Kein Krieg gegen das afghanische Volk
Andererseits werden westliche Politiker nicht müde zu betonen, es handle sich nicht um einen Krieg gegen das afghanische Volk, sondern um einen Krieg gegen dessen Unterdrücker. In der Tat versuchen die Amerikaner, die geschundene Zivilbevölkerung auf ihre Seite zu bringen. Zwei Stunden nach Abschuss der ersten Marschflugkörper begannen die USA damit, außer Bomben auch Lebensmittel und Medikamente abzuwerfen.
Die Bevölkerung, so hofft man, werde dadurch erkennen, dass die Angriffe nicht gegen sie gerichtet sind und sich am Ende gegen ihre Unterdrücker auflehnen. Anders als im Krieg gegen Serbien erklären die Alliierten auch schon heute, dass man das Land nach dem Verschwinden der Taliban wiederaufbauen wolle. Denn, so die Logik Washingtons, "in einer Welt des Terrors kann es weder Frieden, noch Freiheit geben". Um in Amerika "Enduring Freedom" zu sichern, müsse man also auch dem afghanischen Volk die Möglichkeit in Frieden und Freiheit zu leben sichern.
Foto: Copyright liegt bei U.S. Departement of Defense
Hier geht es zum Überblick über das e-politik.de Dossier "Der Krieg in Afghanistan".