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e-politik.de - Home  Brennpunkt  Internationales   Internationales - Archiv   Präsidentschaftswahlen 2000 in den USA - Archiv


Republikanischer Slogan für die hispanischen Wähler

Eine Minderheit, die keine mehr ist

Autor :  Jochen Groß
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 22.01.2001

Schon in der Vorwahlzeit haben Umfragen gezeigt, dass die hispanische Bevölkerung der USA besonders in Kalifornien und Florida zum Zünglein an der Waage bei der Neubesetzung des Weißen Hauses werden könnten. Jochen Gross berichtet.


Besondere demoskopische Fertigkeiten waren für solche Aussagen eigentlich nicht vonnöten, denn die Hispanics sind in einigen Bundesstaaten der USA längst nicht mehr eine Minderheit von vielen, sondern stellen in einigen Bezirken sogar fast schon die Mehrheit der Bevölkerung. So etwa auch in Miami / Dade County (44%), einer der umstrittenen Nachwahlbezirke in Florida.

Die Hispanics werden die Schwerpunkte der US-Politik verändern

Vor allem aus der europäischen Sichtweise wird diese schnell wachsende Minderheit und der damit zwingend verbundene policy-Wechsel innerhalb der USA viel zu wenig beachtet. Die Hispanics dürften in Zukunft nicht nur als Wählergruppe (derzeit ca. 7% der nationalen Wahlbevölkerung) immer einflussreicher werden, vielmehr werden Policy-Issues, die im Zusammenhang mit lateinamerikanischen Fragestellungen (NAFTA, mexikanische Immigration, Kuba, gated communities, etc.) in Zukunft das politische Tagesgeschehen dominieren. Eine sich schon jetzt abzeichnende Entwicklung, die in Deutschland kaum jemand wahrzunehmen scheint.

1996 lebten bereits etwa 30 Millionen Hispanics in den USA, wovon "nur" 6 Millionen wahlberechtigt waren. Bei diesen Zahlen wurden jedoch die irregulär Eingewanderten noch nicht dazu addiert. Ihre genaue Zahl ist nur schwer abschätzbar, aber die US-amerikanische Einwanderungsbehörde INS geht allein von etwa 1 Million irregulären Grenzüberschreitungen zwischen den USA und Mexiko aus.
Einschränkend muss gesagt werden, dass diese Zahl alle Grenzüberschreitungen umfasst - also auch von denjenigen, die mehrmals versuchen in die USA zu gelangen, oder von den nur temporär in die USA irregulär Emigrierten (Saisonarbeiter).
Die neuesten Zahlen des US-Zensuses 2000 zu diesem Thema werden erst in zwei Monaten vorliegen, doch schon jetzt kann als sicher gelten, dass die Daten in dieselbe Richtung weisen, wie die letzten gesicherten von 1990.
Danach betrug der Anteil der hispanischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung der USA damals 8%, für 2010 wurde 11%, für 2030 bereits 19% prognostiziert. Diese demographische Verschiebung vollzieht sich nicht USA-weit gleich drastisch, was sich schon jetzt an Hand des unterschiedlichen Bevölkerungswachstums in den Bundesstaaten abzeichnet. Vielmehr ist ein extremes Ungleichgewicht zu verzeichnen. So wuchs die Bevölkerung in den Staaten, in die hispanische Immigranten hauptsächlich auswandern, deutlich stärker an, als die der meisten übrigen Staaten (Veränderungen von 1990 bis 2000 in Prozent, Kalifornien +13,8%, Florida +23,5%, Neu Mexiko +20,5% und Texas +22,8%).

Allein diese Entwicklung induziert zahlreiche innenpolitische Probleme, die viel Sprengkraft mit sich bringen, da sie das Grundgerüst der amerikanischen Gesellschaftsordnung berühren.
Mit dem Wachsen der hispanischen Bevölkerung wird ein zunehmender Einfluss auf die Politik der USA einhergehen, zumindest aber eine teilweise Neubesetzung von Policy-Issues. Schon heute ist im Südwesten kein Senator mehrheitsfähig, wenn er nicht die Hispanics hinter sich bringen kann. Dementsprechend umworben waren sie auch im Präsidentenwahlkampf 2000. Bush und Gore ließen immer wieder spanische Untertöne in ihren entsprechenden Wahlkampfreden heraushören und schalteten auch fleißig spanische Werbespots.

Keine homogene Gruppe, auch wenn 64% demokratisch wählen

Aus dem bisher Gesagten jedoch zu folgern, dass die demographische Verschiebung einen klar prognostizierbaren Politikwechsel in eine bestimmte Richtung auslösen wird, ist reichlich kurzsichtig. Die hispanische Bevölkerung ist nämlich keineswegs eine homogene Gruppe, wie auch das unterschiedliche Wahlverhalten bei der Präsidentschaftswahl im November zeigt.
USA-weit votierten zwar 64% der Hispanics für die Demokraten (gegenüber 28% für die Republikaner), gleichzeitig kosteten sie Gore aber auch den Sieg, denn die etwa 500.000 kubanisch-stämmigen US-Bürger Floridas erteilten Gore nach dem Streit um den kubanischen Jungen Elián Gonzales eine deutliche Abfuhr (Gore erhielt 48%, Bush 49% aller hispanischen Stimmen). Stimmen, die Gore vielleicht schon sicher in seinem Lager wähnte, bei der überragenden Mehrheit, die er vor allem von den mexikanisch-amerikanischen-Wählern in Kalifornien bekommen hat.

Präsidentschaftswahl 2000 - vielleicht eine Lehre für die Zukunft

Vielleicht aber führt diese Wahl zu einem gesamten Umdenken in der US-Politik, denn unabhängig von dem langwierigen Streit um das Auszählen von Stimmen, hat sich der hispanische Bevölkerungsteil in den USA erstmals deutlich Gehör verschaffen können.
Nach dieser tragenden Rolle im Wahlkrimi wird den Hispanics sicherlich immer größere Aufmerksamkeit geschenkt und vor allem nach dem für Gore fatalen Ausgang der Elián Gonzales-Angelegenheit wird sich eine für die hispanischen Belange spürbar feinfühligere politische Kultur etablieren müssen.

Eine radikale Wende der US-Politik ist derzeit zwar außenpolitisch (noch) nicht zu erwarten, aber die Policy-Issues werden in Zukunft neu besetzt werden. Denn die Erwartung vieler Europäer, nichts werde sich ändern - schon aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten -, erscheint angesichts der Tatsache, dass bald 15% der US-Bevölkerung den mexikanischen Präsidenten besser kennen als den US-Präsidenten reichlich töricht. Zudem nimmt auch die wirtschaftliche Bedeutung der lateinamerikanischen Länder zusehends zu, wie der rasante Erfolg der NAFTA eindrücklich beweist.
Deshalb wird sich Europa in Zukunft immer weniger auf die USA als den außenpolitischen global player in allen Belangen und Regionen verlassen können, denn Lateinamerika mit seinen vielen ungelösten Problemen wird eines der dominierenden Policy-Issues der USA im 21. Jahrhundert werden. Zeit für Europa also, sich vom Bild des übergroßen Partners und Helfers zu verabschieden und eine eigenständige Außenpolitik, die diesen Namen auch verdient, zu etablieren.

Foto: Copyright liegt bei Hispanic Trend (www.hispanictrends.com)


   

Weiterführende Links:
   Hispanic Trend
   Congressional Hispanic Caucus Institute



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