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e-politik.de - Home  Brennpunkt  Internationales   Irak


Nicht angreifen!

Autor :  e-politik.de Gastautor
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 09.10.2002

Die Politik der USA führt direkt in einen neorealistischen Albtraum. Ein Kommentar von Gerald Hensel.


Wenigstens hinsichtlich einer befürchteten US-Überreaktion hat die Welt am 12. September 2001 erleichtert aufgeatmet. Die US-Exekutive handelte, entgegen ersten Befürchtungen, doch rational, weil sie nicht sofort in Cowboymanier auf alles schießen ließ, was sich bewegte. Amerikanische Rationalität - und dies ist eine ebenso verbreitete Fehleinschätzung wie das obskure Bild des Weltpolizisten, das immer wieder angestrengt wird - funktionierte aber noch nie nach dem Prinzip eines durchdrehenden Cowboys.

US-Rationalität hieß immer das Nötige mit dem Nützlichen zu verknüpfen - aus der Not quasi eine Tugend zu machen. Das Falkenquintett Cheney, Rice, Rumsfeld, Pearl und Wolfowitz prägt folgerichtig seit dem Einsturz der Zwillingstürme eine pragmatisch-aggressivere neorealistische Politik als irgendeine US-Regierung zuvor. Die Vermengung komplett unterschiedlicher Themen, nämlich Irak und 11. September, prägt dieses ethikfreie Kalkül, das letztlich nicht nur die Feinde der USA zur Strecke bringen soll. Gegenwärtig bekommen die USA die letzten strategischen Ressourcen in die Hände, die ihnen bisher unzugänglich waren: Öl und Stützpunkte in Arabien wie auch in Zentralasien. Und das als Zweck und nicht als Mittel.

Hussein ist nicht der Einzige

Keine Frage, die irakische Regierung knechtet ihr Volk, ist korrupt und verwehrt essentielle Freiheiten. Aber tut das die saudische Führung nicht auch? Wo ist der Truppenaufmarsch an der Grenze zu Weißrussland? Warum sind keine US-Special-Forces in der "Demokratischen Republik Kongo" eingesetzt? Typischerweise wird spätestens jetzt argumentiert, dass Hussein ABC-Waffen besitzen wolle. Dann sei auch die Frage erlaubt, wann die ersten US-Fallschirmjäger Islamabad besetzen. Pakistan besitzt A-Waffen und bedroht seine Nachbarn damit, während es in Kaschmir einen Stellvertreterkrieg führt. Wo ist denn da die internationale Sanktionierung?

Bizarr mutet das Ganze zusätzlich unter Eindruck jüngster Pläne an, nach denen die US-Regierung die Einsetzbarmachung kleiner Nuklearsprengköpfen anstrebt - B- und C-Waffen werden übrigens auch grade neu aufgelegt.

So kriegen wir in bester demagogischer Manier täglich neue Gräuelmärchen aus dem Land von 1.001 Nächten aufgetischt. Saddam Hussein wurde bereits ebenso eine Freundschaft zu Mohammed Atta attestiert, wie ihm nachgesagt wurde, dass er ABC-Waffen sofort und wahllos gegen jede Nation der Erde einsetzen würde, so er sie denn hätte. Purer Unsinn.

Apocalypse now

Der Krieg muß gar nicht mehr kommen. Er hat schon längst begonnen. Seit Wochen werden die britisch-amerikanischen Maßnahmen in den irakischen Flugverbotszonen aggressiver mit jedem Tag. Tornados und F-16s bombardierten jüngst bereits mehrfach Ziele, die überhaupt nichts mehr mit der Sicherstellung der Lufthoheit zu tun haben. Der zivile Flughafen von Basrah gehörte ebenso zu den Zielen wie Kommando- und Kontrolleinrichtungen der irakischen Landstreitkräfte.

In imperialistischer Machtmanier setzen Großbritannien und die USA der UNO die Pistole auf die Brust. Wie hieß es so schön? "Die UNO kann selbst entscheiden, ob sie relevant bleiben will." Der Einsatz selbst, wenn er dann wie "Desert Storm" in den frühen Morgenstunden eines Januar- oder Februartages beginnt, wird mit absoluter Sicherheit ein grässliches Gemetzel. Nicht nur werden abermals Tausende, wenn nicht Millionen Menschen, direkt oder indirekt als konventionelle "Kollateralschäden" abgeschrieben. Nein, möglicherweise erleben wir zusätzlich den ersten Atomeinsatz nach 1945.

Vor 11 Jahren konnte Bush I. die Israelis in letzter Minute davon abhalten, irakische Ziele nach SCUD-Angriffen zu bombardieren. Alles geschah damals unter dem Eindruck einer internationalen Koalition, die auch von arabischen Staaten gestützt war. Doch heute ist Sharon in Israel am Ruder und von einer internationalen Kriegsgemeinschaft mit Unterstützung arabischer Staaten kann wirklich keine Rede sein.

Was kommt danach?

Der Preis für die amerikanischen Besetzung der zweitgrößten Ölvorkommen der Welt wird eine in Anarchie sein. Schiiten im irakischen Süden und Kurden im Norden haben aus dem letzten amerikanischen Betrug 1991 gelernt - damals wurden sie vom CIA zum Aufstand überredet und dann vor irakischen Kanonenrohren sitzen gelassen. Sie werden eigene Staaten für ihre Unterstützung einer Offensive fordern.

Wenn der Irak zerfällt, der überkochende Hass auf den Westen (dank ungelöster Palästinafrage und einer beispiellos imperialistischen Politik der USA) übermächtig wird und einige der liberaleren Scheichtümer von Islamisten übernommen worden sind, erleben die USA erst, welche Geister sie wirklich gerufen haben. Und das alles unter Eindruck einer Weltwirtschaft, die bei einem neuen Irakkrieg eine Rezession ungekannten Ausmaßes erleben wird.

Neorealistischer Alptraum

Der anglo-amerikanische Drang nach strategischen Ressourcen wird eine völlig neue und unerwartete Weltlage bewirken. Der Einsturz aller völkerrechtlichen Konventionen, der von der "Achse des Guten" billigend in Kauf genommen wird, hat auf die Weltgemeinschaft so weit reichende Folgen, dass man sich sehnsuchtsvoll an die "sichere" Zeit des Kalten Krieges zurückerinnern wird. Wenn Bush sein neues Irrsinsparadigma vom "präventiven Verteidigungskrieg" wahr macht, dann sind wir in dem neorealistischen Alptraum angekommen, für dessen Realisierung Menschen wie Condoleeza Rice so sehr gearbeitet haben: eine Welt in Anarchie, bestimmt von einzelnen Akteuren (mit einem gewaltigen Hegemon), die nichts und niemandem mehr verpflichtet sind. Nur ihren eigenen Interessen.

Der 11. September markierte noch nicht den Beginn des politischen 21. Jahrhunderts. Diese Zukunft beginnt erst im Irak.


   


Leserkommentar von Sebastian Klaus
am 09.01.2003
Zustimmung auf ganzer Linie

Das die USA eine wirklich Chance in Bagdad hätte bezweifle ich auch. Für mich habe die amis nicht mal eine theoretsische. Ich wäre eigentlich mal ganz froh, wenn den USA endlich mal Grenzen aufgezeigt würden, damit sie merken, dass sie nicht die Welt, sondern nur ein Teil auf dieser sind. Leider gibt so viele Mitläuferstaaten, die die USA immer unterstützen werden/würden - so wird der Einstellung der USA niemals ein Riegel vorgeschoben. Es ist doch aber schon beachtlich, wie die Vereinigten Staaten Kriegstreiberei betreiben und niemand wirklich meckert und sich bei S. Hussein gleich alle aufregen. Liebe US Amerikaner: Der Irak ist stärker, als ihr denkt! Danke. MfG Sebastian F. Klaus www.magicamg.de

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