Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Brennpunkt  Internationales   Brennpunkt China / Russland   China im Aufbruch


Staatswappen der Volksrepublik China

Tiefdruckgebiet über Braunland - Die USA und China als Widersacher im Pazifik

Autor :  Carsten Penzlin
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 16.02.2001

Amerikanische Militärplaner konzentrieren sich in ihren Übungen zunehmend auf China als zukünftigen militärischen Gegner. Gerald Hensel betrachtet pazifische Sandkastenspiele.


"Im Jahre 2017 überfällt Rotland die Insel Braunland. Blauland als Schützer von Braunland wird im Vorfeld von Rotland attackiert, um einem möglichen Gegenschlag präventiv auszuschalten." Soweit die Situationsbeschreibung, die das U.S. Space Command im Jahr 2000 für eine Übung herausgab.

Das Verhältnis der Volksrepublik China zu den USA war spätestens seit 1972 an Bigotterie kaum zu übertreffen. Nachdem die U.S.-Truppen im Koreakrieg ihren Vormarsch bis an die chinesische Grenze fortsetzten und die gerade kommunistisch gewordene Volksrepublik gegen die USA in den Bürgerkrieg eingriff, war das Verhältnis der Großmächte für fast zwanzig Jahre auf dem Nullpunkt. Die Wende kam erst unter Richard Nixon, der mit seinem Chinabesuch 1972 die "Ein-China-Formel" als Paradigma amerikanischer Ostasienpolitik zumindest offiziell formulierte.

NMD, mit freundlichen Grüßen...

Knapp dreißig Jahre später ist alles und nichts anders. Die USA sind mächtiger denn je zuvor und aus dem ehemals belächelten Milliardenvolk ist ein Tiger auf dem Sprung geworden. Der Spagat zwischen marxistischem Klassenkampf und Wirtschaftswundermärchen ist erstaunlich. Chinas wachsende Macht und wirtschaftliche Potenz beginnt Ostasien mehr und mehr zu faszinieren.

Dabei scheint die Fortsetzung des Kalten Krieges im westlichen Pazifik stattzufinden. Das unter der Clinton-Administration begonnene und unter Bush weitergeführte NMD-Programm zur Abwehr interkontinentaler Massenvernichtungsträger ist ein erstes Zeichen dafür. Wird das - von vielen Wissenschaftlern als "technisch unmöglich" bezeichnete - ABM-System jemals eingeführt, dann jedenfalls nicht als Abwehrmechanismus gegen die vielbeschworenen "Schurkenstaaten". China ist der böse Ivan von heute, bei dem sich die US-Waffenindustrie bedanken darf. Für diese Theorie spricht viel: Weder Iran, Irak noch Nordkorea verfügen über Interkontinentalraketen, welche das U.S.-amerikanische Mutterland bedrohen könnten, geschweige denn über Atomsprengköpfe. Ein gewisser Selbstmorddrang müsste den "Schurken" in ihren Schurkereien zusätzlich unterstellt werden. Zudem ist die geplante Anzahl von ca. 150 Abfangraketen, die in Alaska stationiert werden sollen, viel zu gering um einen großangelegten russischen Angriff abzuwehren. Allerdings entspräche sie in etwa dem chinesischen Interkontinentalraketenarsenal.

Kürzlich in den Westen geschmuggelte Geheimprotokolle aus chinesischen Regierungskreisen beweisen, dass die Volksrepublik sich dieser Entwicklung durchaus bewusst ist. Planspiele, die einen Krieg mit den USA in den nächsten zwanzig Jahren als Hintergrund haben, erfreuen sich anscheinend auch in chinesischen Planungsstäben größter Beliebtheit. Da werden nicht nur schon amerikanische Jagdbomber über Peking und Schanghai gesehen, schließt das Protokoll doch mit der gewagten These, dass sich China auf einen Atomschlag der USA vorbereiten muss und ein Krieg gegen die Nordamerikaner auch mit einigen Millionen Toten zu gewinnen sei.

Wie viele Chinas sehen Sie?

Um dies zu umgehen, wird ganz auf Machtpolitik gesetzt. Die bisherige Strategie der USA, die Sowjetunion militärisch einzukreisen, kann in bezug auf den großen Drachen hervorragend weitergeführt werden. Von den Aleuten (südlich Alaska) über Okinawa bis hin nach Australien unterhalten die USA ein Netzwerk, das keine Bewegung im südchinesischen Meer unbeobachtet lässt. Auch der schöne Schein der Ein-China-Politik scheint nicht mehr so recht zu sitzen. Kürzlich eröffnete der amerikanische Geheimdienst NSA, eine Abhöranlage auf dem Berg Yangmingshan, nördlich Taipeh.

Die bisherige Politik wurde spätestens seit der Taiwan-Krise 1996 überdacht. Die Volksrepublik drohte damals Taipeh zwar mit Neutronenwaffen und Brückenköpfen, stellte aber durch die Existenz eines amerikanischen Flugzeugträgers fest, dass die für eine Invasion notwendigen Landungsboote fehlten. Seitdem ist gespannte Ruhe zwischen den ungleichen Brüdern, während die USA mit Sicherheitsgarantien und Truppenkooperationen den Konflikt nachheizen. Nichtsdestotrotz würde zur Zeit kaum ein taiwanesischer Politiker ernsthaft die Verantwortung einer offiziellen Unabhängigkeitserklärung des Eilands auf sich nehmen.

Jung Siegfried und der Drache mit der Tarnkappe

Auch Vorfälle, wie die chinesischen Agenten, die jahrelang jedes Bit und Byte aus der Atomforschungsanlage in Los Alamos nach Peking übermittelten oder die Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad, sprechen eine deutliche Sprache. Zwar wurde im Falle der Botschaftsbombardierung steif und fest behauptet, dass der bestinformierte Geheimdienst der Welt, nicht wüsste, wo in Belgrad die chinesische Botschaft stünde, doch wollte es keiner recht glauben. Ohne hierbei in Verschwörungstheorien abdriften zu wollen, soll zur Bombardierung der Vertretung Chinas ein Gedankenanstoß gegeben werden.

Der einzige Flugzeugverlust, den die NATO im Kosovo-Krieg zu verzeichnen hatte, war für die jugoslawische Flugabwehr ein absoluter Schuss ins Schwarze. Das Ding, was da im Spätwinter 1999 rauchend auf einem südserbischen Acker lag, war eine F-117: Ein Tarnkappenbomber, an dessen Material und an dessen radarabweisender Außenhaut jede Großmacht der Erde interessiert ist, da die USA als einzige Macht der Welt bisher in der Lage sind, diese Maschinen zu bauen. Natürlich wussten die Jugoslawen, was für einen Schatz sie in dieser Nacht vom Himmel geholt hatten. Was mit den Überresten passierte, wo sie hinkamen oder wo sie heute sind, weiß niemand zu sagen. Auf den Müll kamen sie mit Sicherheit nicht.

Honi soit qui mal y pense - Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Foto: Copyright liegt bei http://www.fmprc.gov.cn/


   

Weiterführende Links:
   Weißbuch 'Chinas Landesverteidigung 2000'
   Homepage des U.S. Space Command



Leserkommentar von Florian Reimer
am 06.03.2003
Veilseitige Ebenen der Auseinandersetzung

In Zukunft dürften wir ein paradoxes Bild im Pazifik erleben. Zwei Weltmächte, deren Führer sich freundlich die Hände schütteln und ihre Partnerschaft bekunden. Zwei Wirtschaften die einen erbitterten Handelskrieg führen dessen Vorspiel längst begonnen hat. Chinas Chance in diesem ungleichen Kampf ist sein beängstigendes Wachstumspotenzial und die Aussicht auf eine langfristige amerikanische Schwäche aufgrund höherer Ölabhängigkeit bei einem steigenden Preis (Irak hin oder her) und einem kränkelnden US-Binnenmarkt, der das amerikanische Rückrat darstellt. Die USA hingegen kontern längst mit der Durchsetzung und Anpassung Chinas aufstrebender Wirtschaft mittels WTO und Industrie-Investionen. "Built-up to undermine" wird dieses Konzept in führenden US-Wirtschaftskreisen genannt. Und darüber legt sich dann ein kalter militärischer Konflikt der Aufrüstung. Entscheidend in diesem Gegensatz wird die chinesische Fähigkeit sein, aus der Isolation auszubrechen und zukunstträchtige Partner im pazifischen Raum zu finden, der derzeit noch klar von den USA dominiert wird.

mehr Kommentare ]  [ eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.