Jetzt neu im Wahlkampf: Stoibers Anti-Zuwanderungswochen - nur bis 22. September - zugreifen lohnt nicht
Autor : e-politik.de Gastautor E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 18.09.2002
Politik, besonders im Wahlkampf, hat verblüffende Ähnlichkeit mit Fast Food à la McDonalds: Die Themen sind wie Burger. Eine Glosse von Markus Kink.
Politischer Einheitsbrei
Tatsächlich holen die Spitzenpolitiker immer jene Themen aus der Speisekammer, von denen sie glauben, dass sie am ehesten den Geschmack des Wählers zu treffen. Das Ziel: Stimmen, Stimmen, Stimmen.
Je näher der Wahltermin rückt, je schlechter die Umfragewerte sind, desto inflationärer tritt dieses Phänomen in Erscheinung. Geht es um des Wählers Gunst, fahren die Politiker in diesen Tagen alles auf, was die Küche hergibt. Zumeist politischen Einheitsbrei.
Die Wahlkampfküche 2002
Der noch amtierende Chefkoch Schröder hat es in diesem Wahlkampf schon erfolgreich praktiziert. Nachdem die rot-grüne Koalition den ganzen Sommer hindurch ihren Ofen nicht so richtig zu befeuern vermochte, zauberte der Küchenchef kurz vor dem zweiten "Koch-Duell" den "Anti-Irak"-Salat unter der Schürze hervor. Damit traf er Volkes Geschmack. Das Ergebnis: Erstmals liegt die SPD wieder vor der Union und darf auf weitere vier Jahre als Chefkoch im Restaurant "Vier-Jahre(!)-Zeiten", dem Bundestag, hoffen.
In der schwarzen Unions-Küche wächst derweil die Panik. Welches Rezept nur hilft gegen akuten Stimmenschwund? Das Münchener Duo Stoiber/Beckstein greift zum letzten Mittel: Die Union läutet jetzt die "Anti-Zuwanderungswoche" ein. Jeder kann und soll mitmachen, denn die Aktion läuft nur noch in dieser Woche. Stimmen nur solange der Vorrat reicht.
Den Wahlkampfstrategen bekommt das neue Gericht jedenfalls nicht. In ihrer Panik hat die Union alle Strategien über Bord geworfen und tut das, was sie eigentlich vermeiden wollte: Polarisieren. Sicher ist, dass man an Stammtischen und in kleinen bayrischen Dörfern derartige Kost gerne, oft und ausgiebig verzehrt. Das kann gut ausgehen, das kann allerdings auch nach hinten losgehen.
Bloß keine Magenverstimmung
Kein Wunder, wenn sich - angesichts der häufig und zügig wechselnden Gerichte - der eine oder andere Wähler bereits eine Magenverstimmung zugezogen hat und am 22. September zuhause bleiben muss, um sich gesund zu pflegen.
Wer in den kommenden vier Jahren die Speisekarte Deutschlands gestalten und wer welches Süppchen in welchem Topf brauen wird, ist also spannender denn je. Na dann bis zum Schlacht- äh - Wahltag. Wohl bekomms.
Copyright des Bildes liegt bei der CSU
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Weiterführende Links:
Beckstein zur Zuwanderung:
Infos zur Zuwanderung
Leserkommentar
von
Thomas Bauer
am 19.09.2002
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Beliebigkeit ist vom Volk gemacht
Ich kann den Vorwurf, Stoiber würde in der letzten Woche mit dem Thema Zuwanderung nur einen Schnellschuß landen, nicht nachvollziehen. Dieses Thema hat die Union seit dem Frühjahr beschäftigt. Dass die Wahlkampfthemen in der Bevölkerung wie ein Einheitsbrei rüberkommen, haben sich die Leute selbst zuzuschreiben. Angeblich existiere ja kein Unterschied zwischen schwarz und rot. Diese Aussage ist aber grottenmäßig falsch. Nur ein Bespiel: Während Union und FDP auf eine von Bürokratie und Regelwahnsinn freie Volkswirtschaft setzen, möchten SPD und GRÜNE mit immer meher Gesetzen und Vorschriften den Bürger und den Staat in ein Korsett zwängen. Zentralverwaltete Wirtschaft nennt man so etwas. Nur der Bürger macht sich nicht mehr die Mühe auf die Themen und die Informationen, die Dank Internet in einer noch nie dagewesenen Vielfalt vorhanden sind, einzugehen. Das Unwort Politikverdrossenheit ist dabei eine reine Ausrede für die Trägheit eines in einer völlig übersättigten Wohlstands- und Spaßgesellschaft lebenden unmündigen Bürgers. Dass ist ja gerade das grausame an der Geschichte. Denn ich denke, auch die SPD hätte unter anderen Voraussetzungen einen besseren Wahlkampf führen können. Aber die Roten haben schon vorher erkannt, dass das Volk nunmal beschissen werden will. Schade drum. Aber am Sonntag ist der ganze Spaß ja zum Glück vorbei...und beginnt doch wieder von vorne!
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