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e-politik.de - Home  Kultur & Politik  Politischer Film   Archiv: Der Politische Film   Filmschau nach links


Interview mit Regisseur Andres Veiel - Teil I

Autor :  e-politik.de Gastautor
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 23.05.2001

Daniel Schönauer hat den Regisseur des Films "Black Box BRD" zu seiner Intention und der Wahl der Figuren befragt.


e-politik.de: War es ein persönliches Bedürfnis diesen Film zu machen?

Veiel: Alle meine Filme sind so entstanden, dass es einen ganz starken inneren Drang gab, mich thematisch mit etwas auseinanderzusetzen. Ich bin Jahrgang 59. Stammheim und die Prozesse gegen Gudrun Ensslin, Andreas Baader und Ulrike Meinhof waren ein paar Strassenbahnhaltestellen von uns weg.
Wir wollten dort hin, weil dort die Frontlinien spürbar waren. Und so als 15jährige wollten wir einfach zu einer Front dazugehören. So wie die ganze Stimmung aufgeheizt war, Polizisten mit Maschinenpistolen, Leute die einen rabiat durchsucht haben, Leute ,die einen, wenn es sein musste, an den Haaren aus dem Prozessgebäude gezogen haben, war klar, wir müssen uns positionieren. Da gab es Feindbilder. Und wir wollten auch ganz klar diese Feindbilder haben. Auch aus der Erfahrung von Wut und Ohnmacht heraus, die sich zu Hause wiedergefunden hat. Mein Vater war Wehrmachtsoffizier und mein Großvater war General im Rußlandfeldzug. Das hat sich aber auch in der Schule wiedergefunden, wo auch noch ganz stark dieser autoritäre Duktus vorherrschte - auch von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren.

e-politik.de: Warum kommt so eine Aufarbeitung 15 Jahre später?

Veiel: Also das Spannende für mich war, dass mir danach die RAF erst mal sehr entrückt ist. Sie hat zwar weiter gemordet und Attentate gemacht, aber für sich genommen war sie nicht mehr relevant. Sie ist aus meinem Blickfeld gerückt. Das war auch begleitet mit Vorwürfen von manchen Freunden, die gesagt haben: "Du führst so ein Nischendasein. Und die riskieren ihr Leben, und du bist dann so ein bourgeoiser Typ, der sich da für Kunst und so einen Firlefanz interessiert und eigentlich nicht kapiert, wo der Krieg eigentlich stattfindet."
Das habe ich mir oft anhören müssen. Und das Interesse kam erst 96, also mit dem Prozeß gegen Birgit Hogefeld. Da war die Neugierde wieder da. Und zwar weil da jemand war, der anders nachgedacht hat. Der plötzlich über Liebe gesprochen hat. Das hat bisher noch niemand in der Form gemacht, der in der RAF war. Sie sprach auch über Wolfgang Grams, auch über den Verlust, über ihre Gefühle von Trauer....

e-politik.de: Über den Terrorismus als Leidenschaft?

Veiel: Ja. Und auch eben der Punkt, die eigene Geschichte zu reflektieren, wie sie dahin gekommen ist. Das hatte auch viel mit Leiden und Leidenschaft zu tun. Und damit auch ein Hinterfragen von Weichenstellungen. Was hat sie oder Grams dazu gebracht, letztendlich in den Untergrund zu gehen - 1984 erst. Was hat mich davon abgehalten, den Weg zu gehen. Also diese Fragestellungen, was bringt einen dazu, was hält einen ab, in der Form Widerstand zu leisten Das waren sozusagen die Kernfragen.

e-politik.de: Hätte sich der Film mit der aktuellen Erkenntnis, dass Grams in den Rohwedder-Mordfall verwickelt war, verändert?

Veiel: Überhaupt nicht. Der Titel Black Box, der ja nicht zufällig gewählt ist, sagt ja, dass wir von vornherein in bestimmte Bereiche gar kein Licht reinbringen wollen. Und zu diesem Bereich gehört die Zeit im Untergrund. Für mich ist klar, Wolfgang Grams war Mitglied der RAF. Und die RAF unterscheidet sich eben durch das entscheidende Merkmal, dass es Teil ihrer Politik war, Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft umzubringen.
Und damit trägt auch ein Wolfgang Grams für diese Zeit eine moralische Verantwortung. D.h. es geht nicht darum, ihn jetzt freizusprechen, sondern im Gegenteil genauer hinzuschauen und zu fragen: Was hat ihn dazu gebracht? Denn das erzählt der Film ja ganz explizit. Wolfgang Grams sagt ja auch kurz bevor er in den Untergrund geht, zu einem Freund, dass sie so konsequent sein müssen, Leute nicht nur aus der Ferne zu erschießen, sondern dass sie auch in der Lage sein müssen, jemanden zu erwürgen. Er reflektiert in dem Moment zumindest, was es heißt, jemand umzubringen. Und für mich ist das Entscheidende: Wie kommt er dazu, so zu denken? Was sind die Entwicklungsstufen?

e-politik.de: Warum haben sie sich gerade für die beiden Personen Herrhausen und Grams entschieden?

Veiel: Herrhausen war ja jemand, der nicht nur für die Deutsche Bank stand, sondern der über die Bank hinaus gedacht hat. Zum Beispiel mit den Entschuldungvorschlägen für die dritte Welt. Aber auch mit seinen Vorstellungen, was Globalisierung und ein Regelwerk für eine Globalisierung anging. Er war da in vielem seiner Zeit weit weit voraus. Und das hat mich interessiert. Genau diese Widersprüche, dass er sehr früh in einen Dissens zur Bank geraten ist. Dass er auf der einen Seite Sprecher dieser Bank war, die Bank dann doch in vielem ihm nicht mehr folgen konnte, er die Bank vielleicht auch überfordert hat durch seine Ungeduld, durch seine Schnelligkeit. Um jeden Preis ist er da voranmaschiert. Und diese Widersprüche haben mich interessiert. Deshalb die Entscheidung für Alfred Herrhausen.

e-politik.de: War er damit auch einer der ärgsten Widersacher der RAF?

Veiel: Ja und Nein. Auf den ersten Blick ja, aber gleichzeitig war er auch jemand, der so unkonventionell gedacht hat. Das ist ja das Erstaunliche, dass es da, ab einem bestimmten Punkt, zwischen ihm und Wolfgang Grams viele Berührungspunkte gibt. Und die waren dann für mich sehr überraschend. Die waren erst einmal so im Konzept nicht drin. Beim Treatmentschreiben wurde plötzlich deutlich, dass es da Affinitäten gibt. Ich wollte die nicht als These belegen, aber die haben sich quasi aufgedrängt. Die waren plötzlich einfach da. Also ich denke da zum Beispiel an die Art und Weise, mit welcher Unbedingtheit sie ihren Ideen gefolgt sind und ab einem bestimmten Punkt immer einsamer wurden. Der Film erzählt ja auch von einem Abspringen von Freunden, die ja den Weg nicht mehr mitmachen wollen, sowohl bei Wolfgang Grams als auch bei Alfred Herrhausen.

e-politik.de: Und warum haben sie ihm Grams gegenübergestellt?

Veiel: Grams ist für mich ein typischer Vertreter eben nicht mehr der 68er, sondern der Nachfolgegeneration. Er hat sich nicht mehr unmittelbar mit Vietnam politisiert, wie die 68er, sondern, durch die Haftbedingungen der politischen Gefangenen. Da hat sich dann so ein Gedanke kurzgeschlossen wie: Ja wir landen wieder im neuen Faschismus. Er hat ja dann, wie viele dieser Generation, das ganze Land unter Faschismusverdacht gestellt. Und hat daraus letztendlich Handlungsbedarf abgeleitet.

Im zweiten Teil des Interviews stellt Herr Veiel seine Sicht zu Joschka Fischer und offenbleibenden Fragen dar.


   


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