Natürlich, wie könnte es anders sein, beschäftigen die Ereignisse des 11. September auch einen gestandenen Politkabarettisten wie Richard Rogler. "Kabarettist sein ist ja schwierig geworden" meint er. Aber so schwierig nun auch wieder nicht, denn Rogler glaubt nicht an die Umwertung aller Werte nach den Attentaten. "BILD hat mir ja versprochen: nichts ist so wie es war. Jetzt bin ich ganz schön enttäuscht", hält er allem Anti-Afghanistan-Aktionismus entgegen. Doch nicht lange verweilt der erste Kabarettprofessor Deutschlands bei den Ereignissen des 11. September, lieber überzieht er die bundesdeutsche Politlandschaft mit bitterböser Schmäh.
Merkel-Physik
Von Merz bis Roth bleibt quer durch alle Parteien kein Promi von seinen abgedrehten Verbalattacken verschont: "Fischer ist für die Grünen Gold wert, denn kein anderer vereint Flüchtlingselend, Waldsterben und Ozonloch in einem Gesicht", spottet der Kölner Kabarettist. Auch fragt er sich, ob physikalische Gesetze keine Gültigkeit mehr besitzen, wenn Frau Merkel "immer tiefer sinkt, je höher sie steigt".
Schießen gefährdet die Gesundheit
Jeder kriegt sein Fett weg! So könnte wohl die Roglersche Definition von Demokratie heißen. So verhöhnt er zum Beispiel gern die neu erwachte Kriegslust der einstmals so friedlichen Grünen: "Auf den Munitionskisten steht dann, der Außenminister warnt: Schießen gefährdet ihre Gesundheit" kommentiert er den Zickzackkurs der Partei. Scharping als BSE-Kuh oder die Fernsehshow "Welcher Ausländer überlebt eine Nacht in einem deutschen Stadtpark?" sind Ausrutscher ins Hämische, die man Rogler allerdings leicht verzeiht. Gelingt es ihm doch zu begeistern, indem er sich einen moralisierenden Tonfall a la Dieter Hildebrandt ganz verkneift. Er hat sich der Maxime verschrieben, dass Kabarett immer noch Spaß machen soll und darf. So endet der Blickwinkel von Freiheit West noch lange nicht bei den politischen Ereignissen der Republik.
Treffende Milieustudien
Auch auf den Deutschen an sich hat es der Gewinner des Deutschen Kabarettpreises 2000 abgesehen. "Wo soll man denn noch hinfahren, wo der deutsche Rentner noch nicht ist" fragt er sich. Und freut sich schon auf das neue Handy mit automatischer Gedankenübertragung auf das Display des Gesprächspartners. Um Freiheit West ein Gerüst zu geben, springt Rogler immer wieder zu den imaginären Bewohnern seines Hauses zurück: dem Fischhändler "Büttgen" , dem Medienunternehmer "Bissinsky", sowie dem Golfspieler "Birdie G. Schmitz". Wenn er in diese Rollen schlüpft, gelingen Rogler treffende Milieustudien. Fazit: Noch nie hat es so viel Spaß gemacht, gegen die Amerikaner zu sein.
Im Dezember 2002 hat Richard Rogler im Münchner Hinterhof-Theater mit "Freiheit aushalten - Teil 2" Premiere.
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