Im Programm der diesjährigen Berlinale wurde ein Dokumentarfilm vorgestellt, der zweifellos zu den eindrucksvollsten Beiträgen zählte.
"Mr. Death" blickt hinter die Fassade eines amerikanischen Ingenieurs aus Malden in Massachusetts. Das wäre nichts besonderes, wäre dieser Ingenieur nicht Fred A. Leuchter und damit einer der hartnäckigsten Leugner des Holocausts. Im Auftrag des in Kanada lebenden deutschen Neonazis und Revisionisten Ernst Zündel sollte Leuchter 1988 beweisen, dass es in den Konzentrationslagern des Dritten Reichs niemals zum Holocaust gekommen war. Ausgerechnet Leuchter, im Auftrag amerikanischer Gefängnisse als Erbauer von elektrischen Stühlen und Todesspritzen-Anlagen tätig und privat Designer von Gaskammer, fuhr nach Ausschwitz und sammelte in der dortigen KZ-Gedenkstätte illegal Ziegelsteine, Mörtel und andere Materialien. Mittels dieser "Indizien" kam er zur forensischen, technischen und wissenschaftlichen Erkenntnis, dass an diesen Orten niemals Juden vergast wurden. Seitdem gehört der sog. "Leuchter-Report" zum Handapparat faschistischer und neonazistischer Geschichtsfälscher.
Der US-amerikanische Jude und Dokumentarfilmer Errol Morris, u.a. Autor eines Films über den Physiker Stephen Hawking, hat mit "Mr. Death. The Rise and Fall of Fred A. Leuchter Jr." den beeindruckenden Versuch unternommen, die Thesen des Fred Leuchter auf der Kinoleinwand zu entlarven. Morris ist es gelungen, das Vertrauen Leuchters zu gewinnen. Er verzichtet bewußt auf den erhobenen Zeigefinger, kommentiert nicht und läßt die Bilder und Statements Leuchters für sich sprechen. Neben Leuchter kommen auch Ernst Zündel und der rechtsextremistische Historiker David Irving zu Wort. Zensur findet bei Morris nicht statt. Leuchters Erklärungen leisten trotzdem ihren Offenbarungseid. Nicht zuletzt, weil Morris wohlüberlegt die Aussagen renommierter Historiker und Leuchter-Gegner den Thesen Leuchters gegenüberstellt.
Es bleibt zu hoffen, dass "Mr. Death" hierzulande einen Verleiher und damit den Weg in die Programmkinos findet. Der Einblick in die verwirrten Gedanken eines Mannes, der sich zum Werkzeug von Neonazis machen ließ, hinterläßt ein beklemmendes und nachdenkliches Gefühl. Errol Morris hat ein absolut sehenswertes und notwendiges Zeitdokument geschaffen. Bislang ist aber noch völlig offen, ob der Film überhaupt den Weg in die deutschen Kinos findet.
Caro Schorr hat sich für e-politik.de mit dem Regisseur Errol Morris auf der Berlinale getroffen und sich mit ihm über "Mr. Death" unterhalten.
"Mr. Death. The Rise and Fall of Fred A. Leuchter Jr." ist in den USA von Lions Gate Films veröffentlicht worden.
Foto-Collage: Copyright liegt bei Errol Morris / Lions Gate Films
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