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Das Titelblatt der ersten Ausgabe

Die Voss ist da

Autor :  Michael Kolkmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 25.06.2003

Eine neue Zeitschrift aus Berlin möchte der deutsche New Yorker werden. Von Michael Kolkmann.


Trotz der derzeit allgegenwärtigen wirtschaftlichen Krise gibt es Verleger, die es mutigen Schrittes wagen, Zeitungen und Zeitschriften auf den Markt bringen. Während in den letzten Tagen und Wochen der Fokus der Berichterstattung vor allem auf der jüngst erschienenen Erstausgabe des Magazins Neon lag, dem neuen Jugendmagazin des "Stern", hat in Berlin nahezu unbemerkt der Verleger Andreas Bock das erste Heft seiner neuen Vierteljahresschrift Die Voss publiziert.

Zeitschrift mit Tradition

Der eher ungelenke Name Die Voss erinnert an die Vossische Zeitung, die seit 1617 in Berlin publiziert wurde und zum Zeitpunkt ihres Einstellens durch die Nazis im Jahre 1934 als eine der angesehensten publizistischen Stimmen Deutschlands galt. Autoren wie Gotthold Ephraim Lessing, Theodor Fontane und Theodor Heuss hatten für die Vossische Zeitung geschrieben.

Berliner Tagebuch

Eingeleitet wird das nun im vierteljährlichen Turnus erscheinende Heft von einem "Berliner Tagebuch", das die jeweils letzten drei Monate nach Art der "Berliner Chronik" der im letzten Jahr eingestellten "Berliner Seiten" der FAZ dokumentiert. Dabei reicht die Bandbreite der Meldungen von Todesfällen Prominenter, sportlicher (Miss-)Erfolge des Berliner Profisports, kulturellen Ereignissen bis hin zu durchaus amüsanten Kieznachrichten wie etwa der "Attacke gegen Hundekacke" der Neuköllner Peter-Petersen-Grundschule.

JFK - der Berliner

Titelgeschichte der ersten Ausgabe ist ein Artikel des Historikers Andreas Etges über John F. Kennedy anlässlich des 40. Jahrestages seiner "Ich-bin-ein-Berliner"-Rede vor dem Schöneberger Rathaus. Auf neun Textseiten präsentiert Etges die Grundzüge seiner kürzlich im DTV-Verlag erschienenen Kennedy-Biografie. Dabei fragt er sich auch, was Kennedy in einer möglichen zweiten Amtszeit hätte bewirken können und zeichnet - nicht zuletzt mit Rückgriff auf kürzlich veröffentlichte Dokumente zur Krankenakte Kennedy, die einen schwerkranken Mann beschreibt, der täglich bis zu zwölf verschiedene Medikamente zu sich nehmen musste - ein durchaus ambivalentes Bild der "Tausend Tage" Kennedys im Weißen Haus: "Kennedys früher Tod bewahrte ihn davor, schon zu Lebzeiten entzaubert zu werden. Das Bild des strahlenden und tatkräftigen Präsidenten ist immer noch präsent und zeigt bis heute erstaunliche Resistenz gegen die historische Aufklärung".

Breites Themenspektrum

Bereits an anderer Stelle erschienen, aber dennoch lesenswert ist ein Artikel der Taz-Autorin Gabriele Goettle über das Rohrpostsystem der Berliner Charite sowie ein Artikel des SZ-Autors Jakob Augstein über Gotthold Ephraim Lessing als "ersten Großkritiker der Presse". Ein Artikel des Berliner Historikers Stefan Wolle beschäftigt sich mit dem 17. Juni 1953 - für ein Magazin, das eine Woche nach dem 40. Jahrestag des 17. Juni erstmals erscheint, wohl etwas spät. Dafür beschreibt Wolle die Auswirkungen des 17. Juni 1953 bis hin zur Wende im Herbst 1989 und setzt damit einen Schwerpunkt, den man in der breiten Berichterstattung zum 17. Juni 1953 in den letzten Wochen in anderen Medien fast vergeblich gesucht hat.

Mix als Programm

Die Voss präsentiert einen Mix aus Texten und Bildern, die alle für sich lesenswert und interessant sind, zueinander aber noch keinen überzeugenden Bezug gefunden haben. Dieser weitgehend zusammenhanglose Mix scheint aber gewollt zu sein, wie Verleger Andreas Bock im Editorial schreibt: "Eine Berliner Zeitschrift muss wie Berlin sein: vielfältig und beständig im Wandel. In jeder Ausgabe kunterbunt Gemischtes, Geschichte und Geschichten, Wahres und Erfundenes. Ausprobieren, was geht. Hauptsache, kein Stillstand. Immer auf der Suche nach dem Besten". Ein Magazin, das sich diesem Anspruch stellt, dürfte in einer der nächsten Ausgaben ein Thema nicht auslassen, das die Berlinerinnen und Berliner derzeit wohl am stärksten beschäftigen dürfte: die Finanzkrise Berlins nach der Pleite der Bankgesellschaft: 50 Milliarden Euro Schulden stehen derzeit zu Buche, Tendenz steigend. Alles kommt auf den Prüfstand: Universitäten, Krankenhäuser, Infrastrukturmaßnahmen, Kultur und vielerlei Kiezprojekte. Hier ein Schwerpunktthema zu setzen, wäre eine spannende Aufgabe für die nächste Ausgabe der Voss.

Ein "deutscher New Yorker"?

Eine publizistische Nische in der Berliner Medienwelt dürfte Die Voss auch mit längeren Portraits finden. Wer weiß schon Näheres über die Hintergründe des Sparprogramms von Senator Sarrazin oder die frühere Karriere des Regierenden Bürgermeisters Wowereit? Mit solchen Portraits könnte der Voss tatsächlich gelingen, was ihr in anderen Medien bereits vorgehalten wurde: ein "deutscher New Yorker" zu werden. Der New Yorker ist bekannt für seine langen Portraits von Politikern, Schriftstellern, Musikern und Unternehmern sowie auch für seine Cartoons, Kommentare und Kurzgeschichten. Noch ist die Die Voss nicht so weit. Aber was nicht ist, kann ja noch werden; der New Yorker ist immerhin schon fast achtzig Jahre alt.

"Die Voss",
Heft 1: Sommer 2003,
erscheint vierteljährlich im Voss-Verlag Berlin,
Preis: 5 Euro,
Startauflage: 10.000 Exemplare.


   

Weiterführende Links:
   Die Homepage der VOSS



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