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Timm Klotzek

Eigentlich sollten wir erwachsen werden

Autor :  Nikolaus Röttger
E-mail: nroettger@e-politik.de
Artikel vom: 20.06.2003

Timm Klotzek war bis zur Einstellung Redaktionsleiter des jetzt-Magazins. Nun hat er mit Kollegen ein neues Heft entwickelt: Neon erscheint am Montag, 23. Juni, zum ersten Mal. Im Interview verrät der 30-Jährige, was in dem Heft stehen wird.


Im Juli 2002 wurde die letzte Ausgabe des jetzt-Magazins, des Jugendmagazins der Süddeutschen Zeitung (SZ) veröffentlicht. Während einige der ehemaligen Mitarbeiter jetzt.de, die Internetausgabe, weiterführten und um eine gedruckte Seite in der Samstagsausgabe der SZ ergänzten, entwarfen andere zusammen mit Klotzek das neue Jugend-Magazin Neon, das in der Stern-Familie erscheint.

e-politik.de: "Eigentlich sollten wir erwachsen werden" ist das Motto eures neuen Magazins. Heißt das, ihr habt keine Lust erwachsen zu werden - oder könnt ihr nicht?

Timm Klotzek: Hätten wir es genannt: "Wir sollten erwachsen werden" - das würde sich viel zu glatt, karrieristisch und direkt anhören. Das Wort "Eigentlich" ist sehr wichtig.

e-politik.de: Wieso?

Klotzek: Jeder kennt doch die Situation, wenn man vor seinem Leitz-Ordner steht, auf den man "Wichtige Dokumente" geschrieben hat. Und man weiß, dass dies nicht das allerschlaueste Ablagesystem ist, weil sicher alles durcheinander ist. Da liegt die Versicherungskarte neben der Abizeitung und irgendwo sicherlich auch noch eine Rechnung, die gar nicht in den Ordner gehört. Man denkt: Eigentlich sollte ich mal aufräumen - und macht es dann doch nicht, weil das Wetter zu schön ist. Das Wort "eigentlich" beinhaltet auch einen gewissen Widerwillen, erwachsen und spießig zu werden. Das will man ja solange wie möglich herauszögern.

e-politik.de: Steht in Neon, was das beste Ablagesystem ist?

Klotzek: Man könnte darüber sicherlich eine Geschichte machen. Auf der anderen Seite wollen wir auf komplizierte Fragen keine einfachen Antworten geben. Ein Ablagesystem ist ja auch etwas sehr individuelles und ich würde mir nicht anmaßen, jemandem zu verkaufen, dass mein Ablagesystem das Beste ist.

e-politik.de: Was macht das Erwachsenwerden aus? Dass man plötzlich Entscheidungen treffen muss?

Klotzek: Erwachsen werden kann ja auch viele Vorteile haben: Man muss vielleicht nicht mehr an der Haltestelle auf den Bus warten, weil man ein eigenes Auto hat. Man hat eine eigene Wohnung und muss sich nicht mehr zusammenreißen, wenn man nachts betrunken nach Hause kommt, damit die Eltern nicht aufwachen. Man trifft vielleicht die Liebe seines Lebens. Das sind tolle Sachen.

e-politik.de: Also muss man sich für Dinge entscheiden?

Klotzek: Ich würde sagen, man muss sich festlegen und dann die Verantwortung dafür übernehmen.

e-politik.de: Aber es gibt doch keinen bestimmten Zeitpunkt, an dem man plötzlich erwachsen ist, oder? Man kann doch auch schon mit 19 oder 23 meinen, die Liebe seines Lebens getroffen zu haben.

Klotzek: Es gibt natürlich ein paar Frühvergreiste...

e-politik.de:... du willst doch jetzt nicht sagen, dass man frühvergreist ist, wenn man mit 23 die Liebe seines Lebens trifft, oder?

Klotzek: Im Zweifelsfall ist das ja nichts Schlimmes. Und "frühvergreist" ist vielleicht das negativste Wort, um das auszudrücken. Es gibt sicherlich Leute, die schon mit 19 Jahren heiraten und sich ein Häuschen mit Garage bauen. Dann ist schon sehr viel festgelegt - und man ist deutlich erwachsener als andere, die noch viel aus- und rumprobieren.

e-politik.de: Auf eurer Website neon-magazin.de steht, wenn man die Welt so bunt wolle, dass einem die Augen schmerzen, sei euer Magazin nichts für einen. Warum nennt ihr es denn dann Neon?

Klotzek: Es gibt einen Unterschied zwischen der Welt und einem Heft. Ich möchte nicht, dass die ganze Welt grell und bunt leuchtet. Und abgesehen davon, dass Neon auch von dem griechischen Wort neos (neu) kommt, wollten wir mit unserem Magazin auch etwas Klares schaffen. Und Neon ist klar - und leuchtet mehr als eine Teefunzel.

e-politik.de: Beleuchtet ihr in eurem Magazin auch politische Aspekte?

Klotzek: Wir haben einen Bereich im Heft, der heißt "Sehen" - und hier beschäftigen wir uns auch mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Wir haben zum Beispiel eine Doppelseite: Die linke heißt "In was für einem Land leben wir eigentlich?", die rechte "In was für einer Welt leben wir eigentlich?"

e-politik.de: Und in welchem Land leben wir?

Klotzek: In der Rubrik stellen wir zum Beispiel das Projekt "Rent an Immigrant" vor. In Brandenburg, wo die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland wohl am höchsten ist, leben ironischerweise am wenigsten Ausländer in Deutschland. Um den Jugendlichen zu zeigen, dass Ausländer auch Menschen sind, muss also extra ein Ausländer von weit her geholt werden. Und das macht das Projekt "Rent an Immmigrant.

e-politik.de: Was stellt ihr in der Rubrik "In welcher Welt leben wir eigentlich?" vor?

Klotzek: Wir berichten unter anderem über die somalische Botschaft in Brüssel. Somalia hat als Land eigentlich aufgehört zu existieren. Die Botschaft in Brüssel gibt es trotzdem nach wie vor. Aber mehr oder weniger selbst verwaltet - und so ist das Gelände, das irgendwie noch zum Hoheitsgebiet Somalias gehört, und von der belgischen Polizei nicht betreten werden darf, zu einem Flüchtlingsort für Staatenlose geworden.

e-politik.de: Noch mehr Politik im Heft?

Klotzek: Wir haben eine große Geschichte, wie gut Deutschland nach den Kriegen in Afghanistan und im Irak auf Terroranschläge vorbereitet ist.

e-politik.de: Und ist man vorbereitet?

Klotzek: Ja, es gibt sogar schon Flyer, auf denen steht, man solle die Ruhe bewahren, es seien genug Impfstoffe vorhanden.

e-politik.de: Sind auch genug Impfstoffe vorhanden oder nur die Flyer?

Klotzek: Doch, es gibt genug Impfstoffe. Aber je tiefer man in diesem Thema recherchiert, desto beängstigender wird es eigentlich. In Deutschland werden schon lange Essensvorräte zurückgelegt - für den Fall der Fälle.
Wir haben, wie du siehst, mehrere politische Artikel. Und selbst bei der mehr oder weniger unpolitischen Geschichte "Die 100 wichtigsten jungen Deutschen" ist es bezeichnend, dass unsere Redaktion Sven Giegold, einen der Gründer von Attac Deutschland, auf Platz eins gewählt hat.


   

Weiterführende Links:
   Neon im Internet
   jetzt.de, Jugendmedium der SZ



Leserkommentar von Sebastian
am 25.06.2003
Schon ok

Ich finde Neon eigentlich ganz gut. Verstehe nur nicht, warum ich frühvergreist bin.

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