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Bildungs- und Hochschulpolitik

Erfurt und die Bildungspolitik

Autor :  David Wolf
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 18.06.2002

Die Bluttat von Erfurt führte zu einer Debatte um das Waffenrecht und Gewalt in den Medien. Doch auch im aktuellen Streit um unser Bildungssystem muss Erfurt noch eine Rolle spielen, meint David Wolf und kommentiert.


Was würden Eltern sagen, wenn sie mit der folgenden Situation konfrontiert wären: Da besucht ihr Kind acht Jahre lang ein Gymnasium, lernt, schreibt Klausuren, steht kurz vor dem lang ersehnten Abitur, investiert also einen Großteil seines jungen Lebens in die Schule und dann der große Knall:
Schulverweis, keine Zulassung zum Abitur.
Was mag da im Kopf des Schülers vorgehen ? Urplötzlich scheint sein Lebensweg verbaut, seine Ziele, vielleicht in Form eines Studiums, unerreichbar.

Schüler aus Baden-Württemberg beispielsweise hätten in solch einer Situation immerhin noch den "Trumpf" des in Klasse 10 erreichten Realschulabschlusses im Ärmel. Nicht aber Schüler aus Thüringen. Wer dort nicht zur Abiturprüfung zugelassen wird, besitzt auch in Zukunft keinerlei schulischen Abschluss. Eine reaktionäre Handhabe, die ihresgleichen sucht. Und mit Eigenwerbung für den Besuch eines thüringischen Gymnasiums hat das schon gar nichts zu tun. Was bewirken da die "Hilfen in Schullaufbahnfragen", die auf der Webseite des thüringischen Kultusministeriums angeboten werden, wenn sie diesen wesentlichen Punkt außer Acht lassen und keine Klarheit darüber schaffen, was es bedeutet, wenn ein Schüler nicht zum Abitur zugelassen wird. Offensichtlich ist die politische Sorge zu groß, dass viele Eltern ihre Kinder dann gar nicht mehr aufs Gymnasium schicken. Und auch die Möglichkeit, ab der 11. Klasse extern die Realschulprüfung abzulegen, tröstet über diese bildungspolitischen Missstände nicht hinweg.
Klingt es nicht wie eine eingestandene Bankrotterklärung für das eigene Schulsystem, wenn die Lehrer Robert S. den Wechsel auf ein Gymnasium in ein anderes Bundesland nahe legten?

Notwendigkeit einer bildungspolitischen Reformdebatte

Eines muss aber auch klar sein: Eine solche Tat, wie sie Robert S. begangen hat, lässt sich nicht ausschließlich durch eine fehlgeleitete Schul- und Bildungsorganisation rechtfertigen. Da kommen andere Motive und Einflüsse hinzu, die ein solches Verhalten ermöglichen. Die von der Regierung eingeleiteten Schritte zur Eindämmung von Gewalt in den Medien gehen sicherlich in die richtige Richtung, aber sie greifen allein zu kurz.
Nötig sind zusätzliche Überlegungen, die auf eine verstärkte pädagogische Betreuung solcher "Problemkinder" abzielen. Schule sollte nicht allein als ein Ort verstanden werden, an dem nur Lernstoff vermittelt wird, sondern sie sollte auch stärkere erzieherische Funktionen erhalten. Die Probleme ihrer Schüler aufgreifen und diesen mit pädagogischen und erzieherischen Maßnahmen begegnen, so muss das neue Bild von Schule in der Zukunft aussehen, und das gilt um so mehr in einer Zeit, in der jugendliche Schüler mehr und mehr den Kontakt zur sozialen Clique suchen als zur Familie oder zur Schule.

In einer Zeit, in der viele durch immensen Medienkonsum zunehmend orientierungslos werden und für die die Grenze zwischen Realität und Fiktion immer mehr verschwimmt. Diese Diskussion muss dann notwendigerweise auch die Frage nach anderen Schulformen beinhalten, denn "gewöhnliche" Schulen des dreiteilig gegliederten Schulsystems haben für eine solche zusätzliche Betreuung nicht die organisatorischen und didaktischen Möglichkeiten.
Es steht also wieder einmal das Thema "Gesamtschule" auf dem Plan. Ein Schulkonzept, das auf Miteinander, nicht auf Konkurrenz, auf Verschiedenheit der Schüler, nicht auf durch krampfhafte Auslese erzwungene Homogenität, auf sozialpädagogische Unterstützung, nicht auf pure Stoffvermittlung, angelegt ist.
Wer weiß, Robert S. wäre es auf einer solchen Schule vielleicht besser ergangen, hätte man sich seiner Probleme angenommen und ihm nicht durch Schulverweis jegliche schulische Abschlusshoffnung genommen. Das Drama hätte es so vielleicht nie gegeben.


   

Weiterführende Links:
   Freistaat Thüringen
   Initiative ´Schule in der Zukunft`



Leserkommentar von Thomas Bauer
am 19.06.2002
Erziehung muss zu Hause beginnen

Dass das Massaker von Erfurth die Lücken in unserem Bildungssystem offengelegt, dürfte in dieser Hinsicht unumstritten sein. Daraus aber den Ruf nach einer Gesamtschule zu machen, scheint mir der falsche Weg. Zwei Gründe stehen meiner Meinung nach einem Erfolg der Gesamtschulen im Weg. Zuerst einmal muss gesagt werden, dass Gesamtschulen nur für einen bestimmten Bereich des Lern-Niveaus tauglich ist. Schüler, die sich unter- bzw. überfordert sehen, dürften sich auch von einer Gesamtschule im Stich gelassen fühlen. Zweitens sollte der erzieherische Cahrakter mehr zu Hause als in der Schule gesucht werden. Lehrer sind keine Seelsorger oder psychologische Fachärzte, ihr Job ist es, die neusten Erkenntnisse im Rahmen einer gutfunktionierenden Wissensvermittlung "an den Mann" zu bringen. Aber niemand kennt sein Kind besser als die eigenen Eltern, die ja bis zum "Problemalter" von 12-14 Jahren genügend Erfahrung mit den Vorzügen, Sprgen und Ängsten ihrer Kinder gesammelt haben...oder zumindest hätten sollen. Denn hier liegt die Krux der ganzen Sache. Eltern wollen und können ihre Kinder nicht mehr verstehen, da sie selbst einem mörderischen Leistungsdruck und immer größeren Belatungen im Arbeitsleben ausgesetzt sind. Ganz schlimm sieht es hier bei Familien mit Doppelverdienern aus. Vor 18.00 Uhr bekommen die Kinder ihre Eltern nicht zu sehen. Nebenebie liegt auch hier der größte Anteil der deutlich fettleibigen Kindern. Eltern schaffen es hier nicht einmla mehr ihren Kindern vernünftiges Essverhlaten beizubringen. Ergebnis. MacDonalds, Cola und Co. vernichten schon den Ansatz einer erfolgreichen Erziehung. Um 13.00 Uhr in die Stadt ins Spielzentrum, schnell einen Burger reinschieben, Hausaufagebn Fehlanzeige, und an Abend haben die Eltern logischerweise keinen Bock mehr nach einem langen Arbeitstag sich die Hausaufgaben der Kinder anzusehen, geschweige denn zu überprüfen, ob die überhaupt in der Schule waren. Erfurth ist und bleibt also ein Indiz für ein gesellschaftliches Problem, das auch den Bildunsgbereich betrifft, aber bereits bei "Haus und Hof" beginnt.

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