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USA

Afghanistan und sein Umfeld

Autor :  Florian Bergmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 24.09.2001

Afghanistan gilt als sicheres Ziel der amerikanischen Terror-Vergeltungsschläge. Das Land und seine Nachbaren sind schon lange von Problemen gezeichnet. Florian Bergmann analysiert.


Nicht nur Stalin zog einst die Grenzen in Südasien willkürlich durch ethnische Siedlungsgebiete. 54 Millionen Menschen leben in dieser Region der Welt, der überwiegende Teil sind Muslime unterschiedlicher Glaubensrichtungen und -interpretationen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und den folgenden Bürgerkriegen entstanden hier einige der ärmsten Länder der Welt.

Im Norden: Tadschikistan und Usbekistan.

Anhänger der islamischen Opposition, die im tadschikischen Bürgerkrieg Anfang der Neunziger Jahre geschlagen wurden und Flüchtlingscamps im nahen Afghanistan errichteten, strömten wegen der Bedrohung durch die Taliban Ende des Jahrzehnts wieder zurück in ihre Heimat. Der Bürgerkrieg unter den 5,8 Millionen Einwohnern lief damals zwischen "grünen" (islamischen) und "roten" (postkommunistischen) Tadschiken und kostete, vom Westen kaum bemerkt, 60.000 Menschenleben. Auf Druck von Russland und der UNO wurde 1997 eine wackelige Koalitionsregierung zwischen den ehemaligen Feinden gebildet und die Rückkehr von 22.000 Flüchtlingen vereinbart.

Freilich nicht ohne Angst, dass die Rückkehrer auch den islamischen Fundamentalismus mit nach Hause nehmen könnten. Fehden unter Provinzfürsten, Terroranschläge von Islamisten und Einmischung von russischen und afghanischen Einheiten machen den scheinbaren Frieden im Inneren des Landes äußerst brüchig. Ende 1999 versuchten Rebellen, eine Stadt zu besetzen, um Gefangenenfreilassungen und eine Regierungsbeteiligung zu erzwingen; die Niederschlagung dieses Aufstandes forderte 200 Tote.

Säkulare Staatsidee und fragliche Methoden

Auch in Usbekistan (24,1 Millionen Einwohner) herrscht die Angst vor einem Aufflammen der islamistischen Umtriebe. Die Oppositionsparteien sind verboten, in einigen Gebieten kämpfen Gotteskrieger ihre kleinen Guerillakriege gegen das Regime. Die Führung des Landes konzentriert sich auf den autokratischen Präsidenten, Islam Karimow. Der ließ auch die Grenzen zum Nachbarn Tadschikistan dicht machen, als dort eine Koalition mit den Islam-Parteien gebildet wurde, denn er verfolgt mit fraglichen Methoden eine säkulare Staatsidee. Der Islam wird von der Zensur völlig aus den usbekischen Medien heraus gehalten.

Die 1200 Kilometer langen Grenzen von Usbekistan und Tadschikistan, über die vor zwanzig Jahren die sowjetischen Truppen nach Afghanistan vorrückten, werden nach Kräften befestigt. Damit schützen sich die Länder gegen die Taliban, die Ansprüche auf die "alten islamischen Städte" der Region erheben. Russland, das der wachsenden Islamisierung an seiner Peripherie ja bereits mit blutigen Kriegen in Tschetschenien und Dagestan beizukommen versuchte und nun seine geopolitischen Interessen umso mehr bedroht sieht, hilft Tadschikistan bei der Grenzsicherung mit über 25.000 Soldaten. Die zerklüftete Grenze gilt dennoch als durchlässig für Taliban-Propaganda, Rauschgiftschmuggel und Waffenhandel. Für die russischen Grenzer ist ein höherer Sold und nicht selten auch der eine oder andere "Nebenverdienst" Anreiz, in dieser unwirtlichen und Scharmützel-reichen Gegend zu dienen.

Usbekistans Karimow sähe gerne einen geringeren Einfluss Russlands und stieg deshalb aus dem GUS-Sicherheitsabkommen aus. Für ihn käme auch eine eventuelle Nato-Operation von usbekischem Territorium aus in Frage, notfalls auch gegen Moskauer Bedenken. Die Tadschiken sprachen sich gegen Aktionen von ihrem Boden aus. Die Russen versicherten den USA zwar auch ihre Unterstützung, konkretisierten diese aber bislang nicht. Ihnen geht es dabei vor allem um mehr Verständnis für ihr Handeln in Tschetschenien. Auch Kirgisien und das große Kasachstan geben mit Moskauer Unterstützung viel Geld zum Kampf gegen islamistische Umtriebe aus. Mit Russland haben die Ex-Sowjetrepubliken eine gemeinsame Anti-Terror-Truppe, mit Russland und China eine Initiative gegen Subversionen gegründet.

Im Osten: das chinesische Sinkiang

Die chinesische Nord-West-Provinz Sinkiang mit ihrer Berg- und Wüstenlandschaft wird von den sunnitischen Uiguren bewohnt, die ihr Gebiet "Ostturkestan" nennt und von China ebenso unterdrückt wird wie die Tibeter. Die Menschen haben dennoch einen höheren Lebensstandard als ihre Nachbarn, denn die Provinz hat sich zu einem bescheidenen regionalen Handelsdrehpunkt gemausert. China trotzt einem schleichenden Einfluss des Islamismus seitens Irans, der Taliban und türkischer Fundmentalisten durch Säuberungen und Truppeneinsatz gegen Separatisten. Peking hat seine Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus angekündigt - wie dies aussehen soll, ist jedoch völlig unklar. Als Gegenleistung erwartet man jedenfalls Unterstützung im eigenen Kampf gegen Separatisten und weniger Einmischung in innere Angelegenheiten.

Lesen Sie im zweiten Teil über Atomwaffen in Pakistan und die Position des Iran.


Hier geht es zum Überblick über das e-politik.de Dossier "Die Terroranschläge in den USA".



Hier geht es zum Überblick über das e-politik.de Dossier "Der Krieg in Afghanistan".



   


Leserkommentar von Thomas Mehlhausen
am 25.09.2001
Sehr gut

Sehr guter Artikel, gute Hintergrundinfos, weiter so

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