Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Brennpunkt  Politik in Deutschland   Politik in Deutschland - Archiv   Asyl in Deutschland - Archiv


Hinterhof des Asylbewerberheims in Gröbenzell bei München

Der Alltag im Stahlcontainer - Die Wirklichkeit hinter Christoph Schlingensiefs Projekt Ausländer raus! (2)

Autor :  Andreas Bock
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 22.06.2000

Camping macht Spaß: Im Winter Kälte, im Sommer Hitze. Die staatlichen deutschen Asylunterkünfte sind oft marode, und nicht für einen jahrelangen Aufenthalt gedacht. Und doch müssen Asylbewerber dort leben - nicht nur für die Zeit eines Campingurlaubs.


Nach einem stressigen Arbeitstag hinter sich die Zimmertüre zu machen, nur um für ein paar Stunden niemanden zu sehen. Nicht den Partner, nicht die Kinder, einfach niemanden. Wer kennt das nicht? Familie Gashi.

Das Ehepaar lebt mit seinen drei Kindern seit jetzt vier Jahren in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Nähe von München. Die Familie aus dem Kosovo nennt einen knapp 18 Quadratmeter großen Wohncontainer ihr eigen. Ein einziges Zimmer, an die sechs Meter lang und drei Meter breit. Rückzugsmöglichkeiten gibt es hier nicht.
Alles was sich in der Familie abspielt, spielt sich auch in dem Container ab - und vor den Augen und Ohren aller. Drei Schlafsofas drängen sich im hinteren Teil des Raums. Und auch wenn Kimete Gashi, die Ehefrau und Mutter, es so offen nicht sagen will, an ein normales Eheleben ist hier nicht zu denken. Sie sagt einfach nur mit leisem Achselzucken: "Jeder hört hier alles."

Leben wie im Slum

Auf dem Areal in Gröbenzell stehen mehrerer solcher Stahlcontainer - Wohnung, Küche und Bad für 32 Menschen. Angeordnet sind diese Baracken wie eine Wagenburg. Im "Atrium" der Anlage steht ein Müllcontainer, der im Unterschied zu den Wohncontainern aus Kunststoff ist, und eine alte Tischtennisplatte. Wer in diesem Innenhof steht und den Blick über Mülltonne, Stahlwände und den lehmig-braunen Boden wandern läßt, der fühlt sich an Fernsehbilder aus südamerikanischen Slums erinnert.
Wann hier zum letzten Mal Pingpong gespielt wurde weiß keiner. Und dass, obwohl die meisten der Menschen schon lange Jahre hier leben. Fast alle stammen aus dem Kosovo. Abschiebungen dorthin sind erst wieder seit Anfang diesen Jahres möglich. Asyl aber hat in der Vergangenheit praktisch keiner der Kosovaren erhalten. Darum waren sie bis heute verpflichtet, in einer der Gemeinschaftsunterkünfte zu leben. In diesem Jahr aber ist für sie alle das Jahr der Heimreise.
Egal wie kalt es ist, welches Wetter auch herrscht, irgend jemanden trifft man immer draußen vor den Containern. Zwangsläufig, da die Container weder über Toiletten noch über fließendes Wasser oder eine Kochgelegenheit verfügen. "Wir haben nur eine Küche und nur eine Waschmaschine für 12 Personen", erklärt Kimete. Und auch nicht genügend Toiletten für die 32 Bewohner. Was das heißt, weiß jeder der schon mal auf einem Campingplatz war oder sich an die Zeit im Schullandheim erinnert. Man kann nicht so leben wie in der Wohnung zu Hause: nicht duschen oder kochen wann man will, sondern wenn Bad und Küche frei sind. Und man muss auf so manchen Anspruch verzichten - selten ist es so sauber, wie man's gerne hätte. Der Urlaub aber dauert nur Wochen, das Leben in der Unterkunft Jahre. Was so aber nicht geplant war - weder von den Betroffenen noch von den Behörden.

900 Mark für 18 Quadratmeter

Der Unterkunft in Gröbenzell merkt man es an, dass sie eigentlich nur für eine kurze Benutzung gedacht war. Auf wenige Monate hatten die Bund und Länder das Asylverfahren einmal geschätzt. Die Stahlcontainer verfügen lediglich über einen Heizlüfter, der sinnigerweise direkt an der Türe angebracht ist. Das kleine Gerät kämpft jeden Winter einen aussichtslosen Kampf gegen die Kälte, die durch die schlechte Isolierung der Containerwände dringt. So kalt es im Winter ist, so glühend heiß ist es im Sommer unter dem Stahldach. Und wenn es regnet, erzählt Kimete Gashi, "tropft es von der Decke". Es sei alles "alt und abgenutzt".
Da ihr Mann arbeitet, muss Familie Gashi eine "Unterkunftsgebühr" entrichten - 900 Mark im Monat für 18 Quadratmeter. Auf eine durchschnittliche Dreizimmerwohnung umgerechnet entspräche dies einer Miete von 4000 Mark - ohne fließendem Wasser und mit Klo auf dem Flur. Jetzt wartet Familie Gashi auf die Abschiebung.

Foto: Copyright liegt bei Günther Reger


   

Weiterführende Links:
   1. Teil der Asyl-Reportage bei e-politik.de
   Pro Asyl



Leserkommentar von Maria
am 15.06.2003
Wie ich diese Seite finde...

Hallo, ich wollt nur eben sagen das ich diese Seite gut gestaltet finde, sie enthält viele wichtige Informationen, die von den Menschen in Detschlend gerne verdrängt werde. Maria

mehr Kommentare ]  [ eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.