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Rudolf Scharping

Scharping ist blind

Autor :  Nikolaus Röttger
E-mail: nroettger@e-politik.de
Artikel vom: 02.09.2001

Ein Verteidigungsminister muss auf seinem Platz sitzen, wenn die Bundeswehr in einen Einsatz zieht! Nikolaus Röttger hält das Verhalten von Rudolf Scharping (SPD) für äußerst fragwürdig. Ein Kommentar.


Es ist egal, mit wem der Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) wann in welchem Pool planscht. Und ob Scharping nun aller Welt von seiner neuen Liebe berichtet - auch das ist völlig unwichtig. Diese Geschichte ist entweder ein PR-Gag, um auch die nette und menschliche Seite eines Spitzenpolitikers zu zeigen. Oder es ist gut ausgeklügelte Strategie nach dem Prinzip: Ich zeig euch, was in meinem Privatleben passiert, dann muss ich auch keine lästigen Paparazzi fürchten. Scharping kommt dem Geheimdienst der Medien zuvor, indem er gleich alle Geschütze auffährt. Egal ob nun peinlicher PR-Gag oder genauso peinliche Strategie - sein Urlaub, seine neue Liebe - es ist wirklich nebensächlich.

Dennoch - der Zeitpunkt, an dem auch die private Seite des öffentlichen Scharpings durch die Republik kursiert, ist äußerst fragwürdig. Wieso diese Fotos ausgerechnet dann, wenn er seine Truppen auf einen gefährlichen Einsatz schickt? Zwischen Küsschen links und Küsschen rechts, düst Scharping kurz nach Berlin, plädiert auf der Sondersitzung des Bundestags für den Mazedonien-Einsatz der Bundeswehr, stimmt ab. Und während er mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr wieder zurück in den Urlaub fliegt, sind deutsche Bundeswehr-Soldaten bereits auf dem Weg zu einem gefährlichen Einsatz. Es sei zunächst dahingestellt, ob Scharping nun mit dem Bundeswehrflieger von und nach Mallorca fliegen darf ( - er darf es übrigens). Die Frage ist vielmehr, ob er seiner Verantwortung als Chef der Bundeswehr gerecht wird.

Ein Länderspiel ohne Völler

Man stelle sich nur mal vor, Rudi Völler würde als Team-Chef der Deutschen Nationalmannschaft kurz vor einem Länderspiel Urlaub machen. Er veröffentlicht seine Urlaubsfotos in der Presse während die Spieler sich in hartem Training auf das Spiel einstimmen. Einen Tag vor der Partie lässt er sich kurz einfliegen und sagt zu seinen Jungs: "Ihr schafft das schon." Danach setzt sich Tante Käthe wieder in den Flieger, zurück in den sommerlichen Pool - und überlässt die weitere Arbeit Trainer Michael Skibbe. Und statt beim Spiel auf dem Platz des Teamchefs zu sitzen, sonnt sich Völler im Liegestuhl. Eine groteske Vorstellung.

Nun ist ein Bundeswehreinsatz bei weitem kein Fußball-Spiel. Ihn damit zu vergleichen wäre gar eine ungerechtfertigte Verharmlosung. Ein Bundeswehreinsatz birgt für die eingesetzten Soldaten große Gefahren. Und ein Verteidigungsminister ist auch kein Fußball-Trainer. Aber gerade deshalb, ist Scharpings Auftreten noch viel fragwürdiger. Sein Platz auf der Verteidigungsministerbank in Berlin ist leer, die Soldaten aber schon längst auf dem gefährlichen Boden Mazedoniens. Da hilft es auch nicht mehr viel, wenn der Verteidigungsminister dann doch - wahrscheinlich auf Anraten seiner Berater - einen Tag nach der Abstimmung im Bundestag, von Mallorca aus, nach Mazedonien reist.

Mit Verlaub, Herr Scharping!

So sehr Herrn Scharping sein Liebesglück und sein Urlaub zu gönnen sind: Er ist, mit Verlaub, der Verteidigungsminister der Bundesrepublik Deutschland. Zu Beginn einer Bundeswehrmission im Ausland muss er auf seinem Platz sitzen. Scharping hat mit seinem Job eine hohe Verantwortung übernommen, die ihn eigentlich verpflichtet, seinen Urlaub in einer solch entscheidenden Situation sogar abzubrechen. Herr Scharping sieht das wohl nicht so. Liebe macht ja bekanntlich blind. Aber: Eine Bundesrepublik kann nur einen Verteidigungsminister mit klarem Kopf gebrauchen.

Das Kopfschütteln über Scharpings Verhalten geht quer durch das ganze Land, quer durch alle Parteien. Selbst aus den Reihen der SPD hört man Kritik oder zumindest "Verwunderung". CDU, CSU und FDP fordern Scharpings Entlassung. Laurenz Meyer, Generalsekretär der CDU, vermutete in einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv, Scharping sei mit seiner Bundeswehrreform gescheitert und forciere mit diesem Verhalten absichtlich seinen Rücktritt. Das sind natürlich nur die Vermutungen eines Oppositionspolitikers. Fest steht aber, dass Scharping angezählt ist. Wäre er Trainer bei einem Fußball-Bundesligisten, würde man jetzt in den Medien noch hören, dass der Verein (voll) hinter ihm stehe. Und gleichzeitig würde jeder wissen: Noch mal darf er sich so einen Patzer nicht erlauben, sonst ist er seinen Job los. Vielleicht geht er sogar schon in den nächsten Tagen...

Foto: Copyright liegt bei www.bundeswehr.de


   

Weiterführende Links:
   Lebenslauf von Rudolf Scharping
   Reiseziel des Ministers



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