Camp David – Scheitern oder Sieg?
Camp David ist in den Augen Amos Oz´ gescheitert. Er und die anderen Befürworter der friedlichen Lösung des Israelisch-Palästinensischen Konfliktes in Israel sind bedrückt, traurig, und ja, auch ein wenig verängstigt. Doch während Barak leise und mit dem Gefühl, dass eine Chance verpasst wurde, in Tel Aviv ankam, waren die Bilder von der Rückkehr Arafats in Gaza andere.
Wie Amos Oz in seinem Artikel "Saladins Gespenst" ausdrückte war die Enttäuschung über die verpasste Chance wohl eher einseitig: in Gaza wurde gejubelt, V(ictory)-Zeichen des Palästinenserführers und Hochrufe für den "neuen Saladin".
Da fragt sich nun auch der bekannte Pazifist, mit wem man denn nun Frieden machen kann. Für einen echten Frieden braucht es den Willen beider Völker und vor allem den Führungswillen der Politiker. Da fühlt man sich schon ganz schön allein in seinem Kampf für den Frieden und für eine historische Aussöhnung. Das sind Bilder, die keinen Mut machen, die die radikalen Lager auf beiden Seiten stärken.
Das ist heute die Gefahr: Wenn die Liberalen und Kompromissbereiten scheitern, dann wird das Feld wieder frei für diejenigen, welche die Lösung mit anderen Mitteln erreichen wollen, die sich nach einem "neuen Saladin" sehnen. Auf diese Gefahr möchte ein besorgter Amos Oz hinweisen.
Recht auf Selbsterhaltung der Juden
Wie ist in diesem Zusammenhang also der Kommentar von Andreas Bock zum Thema zu sehen?
Inwieweit ist seine Analyse exakt und vor allem hilfreich in der Suche nach einer gerechten Lösung des Konfliktes? Als Israeli hat man da schon ein paar Denkanstöße hinzuzufügen:
Die Formel, die von den Seiten im Oslo-Vertrag gewählt wurde, ist die "Zwei Staaten für Zwei Völker"-Lösung, die nach der Anerkennung (scheinbar ja nicht mehr sicher?) der Irrevisibilität der Existenz des Staates Israel durch Arafat möglich wurde. Dieses ist die Grundlage, ohne die es keine friedliche Regelung geben kann. An der darf man folglich auch nicht ständig wieder rütteln. "Die Palästinenser fordern ein Recht auf Rückkehr nach Palästina,…", hier gebe ich ihm und den Palästinensern Recht. "…das heute Israel heißt.", im zweitem Teil des Satzes wird es problematisch.
Wenn man eine Friedenslösung im Geiste Oslos will, dann ist man für eine Rückkehr der Palästinenser in die ‚Palästinensische Autonomie‘ ,demnächst ja dann auch Staat, aber nicht für eine Forderung, die den demographischen Selbstmord des ‚Judenstaates‘ als Staat der Juden beinhaltet. Andreas Bock meint "Doch !".
Das bringt ihn fest in das Lager, das die "Ein Staaten"-Lösung propagiert, die des Palästinensischen versteht sich. Da sind wir Juden ja immer noch empfindlich, wenn es nach ‚Weiterführung der Lösung der Judenfrage‘ durch Surrogaten riecht.
Ja, die Vergangenheitsbewältigung eines Deutschen darf halt nicht in der Vergangenheit verbleiben. Wer dann das legitime Recht auf Selbstverteidigung, das Amos Oz sich und uns Israelis in dem angedrohten (und in unserer Region immer noch Ernst zu nehmenden) Kampf des "neuen Saladins" abspricht, der hat wohl in diesem Sinne das Klassenziel verfehlt.
Die lästigen Details der Geschichte
Meine Kritik am Kommentar von Andreas Bock kann aber nicht hier enden. Die Argumentationsführung im Kommentar beruht leider auf eklatanten Verfälschungen, die in unserer Zeit der Informationsfreiheit vermeidbar sind, und Bock liest ja auch die Zeitung "durch die man mehr weiß" (© Süddeutsche Zeitung):
- Israel hat über den Status Jerusalems in Camp David erstmals verhandelt. Das ist doch die von Bock geforderte Politikreform! Was hier wohl stört, ist die Tatsache, dass Israel Jerusalem nicht bedingungslos aufgibt.
- Die "kriegerische" Staatsgründung Israels, nach Bock die Ursünde, wurde eine solche durch den Angriff der Araber, die den UN-Teilungsplan nicht annahmen. Die Palästinenser sind ohne Frage die Opfer. Die Tatschuld liegt aber nicht nur bei den Israelis, die aus Lust und Laune nach dem Holocaust beschlossen, den ‚großen Trek ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten‘ zu machen. Die Geschichte ist halt doch ein wenig komplizierter.
- Die West-Bank wurde nie von Israel annektiert, sondern 1948 durch Jordanien. Amman war zu der Zeit an keinem Palästinensischen Staat interessiert und ist auch heute noch recht skeptisch.
Desweiteren möchte man doch gerade von einem Deutschen mehr Feingefühl erwarten, wenn die Teilung einer Hauptstadt gefordert wird - das soll ja auch den Deutschen schwer gefallen sein.
Das Grundproblem ist also wohl in einem Quantum von Geschichtsignoranz zu sehen, über deren Motivation ich hier nicht spekulieren möchte.
Für uns Israelis ist die Existenz Israels als unabhängiger Staat der ja für Juden in dieser Welt ein sicheres Refugium darstellt, gerade wieder in dieser Zeit beruhigend. Wenn dieses Konzept immer noch bei einigen keinen Gefallen findet - dann ist das zum Glück nicht mehr unser Problem, sondern ein gesellschaftliches, erzieherisches und innerdeutsches. Wir sind heute durch das Bestehen Israels nicht mehr abhängig von einer Existenzbefürwortung durch Deutsche ... und dafür sind wir auch Alle bereit zu kämpfen.