Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Brennpunkt  Internationales   Internationales - Archiv   Terroranschlag in den USA - Archiv

Links zu Terroranschlag in den USA - Archiv in unserer Netzbibliothek
USA

Gerhard Schmid

Der Irak hat damit nichts zu tun.

Autor :  Christophe Rude
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 13.09.2001

Seit 1999 ist Gerhard Schmid (SPE) Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Im Exklusivinterview mit e-politik.de-Autor Christophe Rude spricht der Diplomchemiker und langjährige Politiker über die Attentate auf Amerika, NMD und ECHELON.


e-politik.de: Wie ist es zu erklären, dass kein Geheimdienst der Welt vor den Attentaten vom Dienstag gewarnt hat?

Gerhard Schmid: Ich finde das gar nicht seltsam. Wenn man sich die ganze Aktion einmal näher besieht, erkennt man leicht, dass die Attentate nicht nur lange vorgeplant waren, sondern auch, dass es sich hier um absolute Profis handelt. Das Timing, die Logistik, und zusätzlich hatten sie einen in den USA geschulten Piloten in jeder Maschine sitzen.

e-politik.de: Das vermutet man zumindest.

Schmid: Da kann man sich schon sicher sein. Kein Pilot, der ohnehin weiß, dass er sterben wird, würde eine solche Passagiermaschine in diese Tower fliegen. Der hätte sie woanders zum Absturz gebracht. Das waren also Profis, in jeder Hinsicht. Darum haben sie auch wie Profis kommuniziert, haben nicht geplappert und womöglich codiert gesprochen.

e-politik.de: Wie wird es jetzt weitergehen?

Schmid: Immer langsam. Zunächst einmal bin ich der Meinung, dass die USA nicht eher agieren werden, als sie herausgefunden haben, wer für das Attentat verantwortlich ist. Sie nehmen sich die Passagierlisten vor, schließen diejenigen aus, die es nicht sein können, kontrollieren nach, wer eine Pilotenausbildung gemacht hat etc. Da gibt es schon Möglichkeiten.

e-politik.de: ...und dann fallen Bomben auf Afghanistan, Libyen, den Irak...

Schmid: Der Irak hat damit sicher nichts zu tun. Wenn Saddam Hussein in die Sache verwickelt wäre, hätte er nichts Eiligeres zu tun, als sich vor der Arabischen Welt als der große Führer aufzuspielen und mit der Schmach zu prahlen, die er dem Erzfeind Amerika im Heiligen Krieg zugefügt hat. Und Ghaddafi möchte in den kommenden Monaten vor dem Europäischen Parlament eine Rede halten: Er bemüht sich, sein Land zu einem "normalen" Staat zu machen.

e-politik.de: Aber irgendetwas müssen die USA doch unternehmen, um vor der Weltöffentlichkeit nicht als untätig dazustehen.

Schmid: Eben das ist das große Problem der USA. Und genau hier zeigt sich wieder die Professionalität der Attentäter. Es gibt kein Bekennerschreiben, keine erhellenden Statements. Die USA tappen nach wie vor im Dunkeln. Das ist das Schlimmste, was ihnen in dieser Situation passieren kann. Sie haben einen Schlag ins Gesicht, manche sagen sogar ins Herz, erhalten und wissen nicht von wem. Solange sie nicht agieren können, ist jede Stunde, die verstreicht, ein weiterer Triumph für die Feinde der Amerikaner.

e-politik.de: Wird es zwischen der EU, den USA und womöglich auch Russland jetzt eine verstärkte Zusammenarbeit in Bezug auf Terrorismus geben? Eine Art runden Tisch?

Schmid: Einen runden Tisch wird es mit Sicherheit nicht geben. Dazu ist die Kommunikation unter den Geheimdiensten viel zu kompliziert. Das funktioniert nur auf bilateraler Basis, multilaterale Gespräche gibt es nicht. Hinzu kommt, dass jeder Geheimdienst nur gibt, wenn er auch nehmen kann. Eine Hand wäscht die andere.

e-politik.de: Würden Sie uns zum Abschluss noch ein paar Worte zum NMD sagen? Wozu soll das Abwehrsystem Ihrer Meinung nach dienen, zur Abwehr von Gefahren aus dem Reich der Mitte oder des Terrorismus?

Schmid: Ehrlich gesagt, keines von beiden. Im amerikanischen Wirtschaftssystem gibt es für gewöhnlich keine Unterstützung für die Unternehmen. NMD ist nun wie Reagans damaliges Abwehrsystem eine Art Subventionsprogramm für die High-Tech-Unternehmen. Finanziert wird das aus dem Verteidigungshaushalt, da werden keine Fragen gestellt, denn Landesverteidigung ist den Amerikanern heilig. Und zudem umgeht die Regierung so die Regeln von GATT/WTO. In der angeschlagenen IT-Branche läuft das ähnlich. Hier gibt es eine Initiative zur Absicherung der US-Computersysteme. Auch das ist eigentlich nur eine große Subventionsaktion für die IT-Industrie.

e-politik.de: Also würden Sie NMD als nutzlos bezeichnen?

Schmid: Lassen Sie es mich einmal so formulieren: Kein Terrorist wird versuchen, eine Atomrakete auf Amerika abzufeuern, die eigentliche Gefahr für New York beispielsweise liegt doch darin, dass ein Terrorist ohne Probleme einen Atomsprengsatz auf einem Boot in den Hafen bringen kann. Dazu braucht man keine Raketen. Nur etwas Phantasie - und Mut.

Foto: Copyright liegt beim Europäischen Parlament

Zum Dossier über die Terroranschläge in den USA


   

Weiterführende Links:
   Gerhard Schmids Bericht über ECHELON an das EP
   CNN-Story über Osama bin Laden



Leserkommentar
Momentan kein Leserkommentar
eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.