Keine Familienfehde, sondern Notwendigkeit
Autor : Philip Alexander Hiersemenzel E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 28.04.2002
Die Famile Bush hat noch eine Rechnung mit Saddam Hussein, Diktator zu Bagdad, offen. Doch für einen Sturz Saddams sprechen in erster Linie gute
Gründe, meint Philip Hiersemenzel.
Immer offener hält man sich in Washington für das "neue Rom". Auch die Rhetorik in der Schaltzentrale des Anti-Terror-Krieges erinnert zunehmend an die antike Weltmacht, besonders an den alten Cato. Stets schloss der römische Staatsmann seine Reden, gleich zu welchem Thema, mit "ceterum censeo Carthaginem esse delendam" – "im Übrigen glaube ich, dass Karthago zerstört werden muss". Und wie einst am Tiber, so schwört man sich jetzt am Potomac darauf ein, einen geschwächten Gegner endgültig zu zerstören: Saddam Hussein. Mit gleicher Beharrlichkeit wie Cato, wenn auch nicht am Ende jeder Rede.
Warum?
Grund genug für uns Europäer darüber nachzudenken, warum die Amerikaner Saddam unbedingt stürzen wollen. Bush Junior, so argumentieren die Kritiker aus der alten Welt gerne, wolle beenden, was Bush Senior 1991 begonnen hat. Falken um den stellvertretenden Verteidigungsminister Wolfowitz haben in der Tat eine "offene Rechnung" mit Saddam, den sie bereits 1991 beseitigen wollten, aber nicht durften. Hinzu kommt, dass Saddams Geheimdienste mindestens einmal (1993) versucht haben, Bush Senior zu ermorden. Dennoch ist der bevorstehende Konflikt mit dem Irak keine Familienfehde, sondern notwendig.
Die Bedrohung
Denn Saddams Irak stellt eine akute Bedrohung für Frieden und Stabilität dieser Welt dar. Eine Gefahr, die auch weit akuter ist, als wir Europäer das wahrhaben wollen. Zwar gibt es, trotz fieberhafter Ermittlungen, wenig Beweise für eine al-Quaida Verbindung Saddams. Die Versuche des Despoten, Massenvernichtungswaffen zu erlangen sind hingegen gut dokumentiert und erschreckend weit fortgeschritten. August Hanning, Chef des deutschen Bundesnachrichtendienstes, schätzt, dass Saddam "innerhalb von drei Jahren in den Besitz von Atomwaffen gelangen wird".
Nun kann man argumentieren, allein das rechtfertige keinen Waffengang gegen den Diktator. Schließlich bemühen sich auch Staaten wie der Iran und Nordkorea darum, ABC-Waffen zu erlangen. Aber Saddam unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt vom nordkoreanischen Diktator Kim Il-Jong: In seiner Bereitschaft biologische, chemische und, wenn er sie denn hätte, atomare Waffen einzusetzen. Im Krieg gegen den Iran wie beim Völkermord an den Kurden hat er dies bereits getan.
Der erste Völkermord war zu Üben
Gerade der tausendfache Mord an den Kurden im Norden des Landes entlarvt des Diktators wahre Motive. Experten, die wie die Britin Christine Gosden das Massaker an den Kurden untersucht haben, legen überzeugend dar, dass der Einsatz von Senfgas gegen die eigene Bevölkerung in erster Line ein groß angelegter Test war, ein "Probelauf" für einen Angriff gegen Israel. "Bitte verstehen Sie", sagt Gosden, "die Kurden waren zum Üben".
Warum aber Israel? Die Logik ist ebenso einleuchted wie brutal: Nach einem vernichtenden Schlag gegen Israel wäre Saddam als "neuem Saladin" in der arabischen Welt für all seine Sünden vergeben. Die "moderaten" Regierungen in der Region kämen unter enormen Druck. Sie würden entweder fallen oder müssten auf den Kurs Bagdads einschwenken. Eine Tendenz, die durch die zu erwartende massive Reaktion Israels noch verstärkt würde. Dass Saddam die eigenen Verluste in einem solchen Fall egal wären, lässt sich wohl kaum bezweifeln.
Gute Gründe
Diese Aussicht auf millionenfachen Tod, Zerstörung und Weltwirtschaftkrise rechtfertigt eine gewaltsame Beseitigung Saddams. Auch die Regime des Nahen Ostens, die öffentlich vor einem Eingreifen im Irak warnen, erkennen diesen Zusammenhang. Deshalb werden gerade sie ein Eingreifen im Stillen dulden und sogar unterstützen. Gute Gründe sprechen also für einen Sturz Saddams, wie es gute, wenn auch anders gelagerte Gründe waren, die aus Catos Sicht für eine Zerstörung Karthagos sprachen.
Bild: Copyright liegt beim CIA-World Fact Book
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Leserkommentar
von
Dem Preußen
am 27.02.2003
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Folgen für die Saudis
Eigentlich sind die Amerikaner auf die Saudis sauer, ihre Geheimdienstinformationen beweisen ihnen das die Scheiche den Terrorismus unterstützen. Im Moment sind die Saudis die besten Verbündeten in dieser Region für die Amerikaner. Kommt es zu einer westfreundlichen Regierung in Irak, wird Irak der bestverbündete der Amerikaner sein. Saudis haben ein großes Interesse am bestehen Saddams in Irak, Saudis brauchen die Amerikaner um so zu bestehen wie sie im Moment in der Welt dastehen. Besser wird es für die Saudis nach einen Krieg bestimmt nicht werden. Die Frage ist nur ob das irgendwen kümmert. Mich ganz bestimmt nicht.
der pruze
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