Hamburg, 11.09.01. Es ist 22.00 Uhr.
Ich komme gerade aus dem Michel, Kirche und Wahrzeichen Hamburgs. Ich hatte dort ein Konzert besucht. Das zum Teil leichte Programm mit Werken aus dem Barock von Bach und Telemann wurde teilweise radikal verändert, ernste Stücke eingesetzt. Der Hauptpastor der evangelischen Gemeinden der Stadt spricht zum Anfang Worte, aus denen die Erschütterung des Mannes nur zu klar ersichtlich ist. Die Menschen sind still. Selbst die Künstler wollen nicht durch Applaus belohnt werden.
Nach dem Konzert sammeln sich die Menschen vor der Kirche. Keiner will so recht nach Hause gehen. Ein Feuerwehrfahrzeug fährt mit voll aufgedrehtem Martinshorn über die sechsspurige Ost-West-Straße in Richtung Reeperbahn. Es erregt mehr Aufmerksamkeit, als es dies sonst in dieser Millionenstadt tut.
Am Hafen vorbei. Polizei vor den Brücken zur Speicherstadt und damit zum Freihafen. Auf der Elbe patrouilliert Wasserschutzpolizei. Alles scheint in hoher Alarmstimmung zu sein.
Fahrt zur Alster, vorbei an den Hochhäusern der Springer- und Spiegel-Presse. Noch nie habe ich solch ein Bild gesehen: Beide sind hell erleuchtet. Bis zum letzten Fensterplatz brennt in beiden Gebäuden Licht.
An der Alster. So heißt auch die Straße, in der sich in exponierter Lage das Konsulat der Vereinigten Staaten befindet. Die Straße ist gesperrt, hermetisch abgeriegelt. In das Gebiet kommt man nur noch mit Sonderausweis. Ich zeige meinen Ausweis als Offizier der Bundeswehr und- komme durch. Massives Polizeiaufgebot. Hoch konzentrierte Sicherheitskräfte legen von Bürgern abgegebene Blumen nieder. Ein ähnliches Bild, nur ohne Blumen, vor den Konsulaten der anderen NATO-Staaten.
Fahrt nach Hause. Die Betroffenheit wirkt doppelt. Ich frage mich auch: Was macht die Bundeswehr? Werden wir involviert? Mit Sicherheit. Die Frage ist nur: Wie und wann.
Leutnant Benedikt Hoff
Zurück zum Dossier Terroranschläge in den USA