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USA

Mörder, Mörder, Mörder!

Autor :  Timour Chafik
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 14.09.2001

Der Angriff auf die Vereinigten Staaten war auch ein Angriff auf die deutsche Zivilgesellschaft: Muslime in der Bundesrepublik müssen seit zwei Tagen auch gewaltsame Übergriffe befürchten. Ein offener Brief von Timour Chafik an den Zentralrat der Muslime.


Sehr geehrte Damen und Herren,

vor zwei Tagen haben Tausende von Menschen durch einen terroristischen Akt bisher unbekannter Gewalt, Feigheit und Brutalität ihr Leben verloren. Die Weltöffentlichkeit, ja, die gesamte "zivilisierte" Welt trauert mit den Familien der Opfer und bekundet ihre Solidarität. Sie tut dies mit Schweigeminuten, mit Halbmastflaggen und Trauerflor, mit Gedenkgottesdiensten. Sie tut dies mit Spendenaufrufen, Mahnwachen und Sondersendungen. Sie tut dies, um mit den Worten des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland zu sprechen, indem sie den terroristischen Akt als einen Angriff auf die gesamte "freie, westliche und zivilisierte Welt" interpretiert. Darauf muss und wird reagiert werden.

Und darauf wird bereits reagiert. Noch nicht im Rahmen einer militärischen Operation, sondern durch einen bisher zumindest öffentlich noch nicht bewiesenen Generalverdacht gegenüber der islamischen Welt. Dadurch kommt es fern jeden politischen Verständnisses und Willens in der benannten "zivilisierten" Welt am heutigen Abend zu Übergriffen gegen Menschen Ihrer, der muslimischen Glaubensrichtung (e-politik.de berichtet). In den Vereinigten Staaten werden Schaufenster zertrümmert, brennen die ersten Läden. In Deutschland müssen Frauen, die ihren Kopf mit einem Tuch verhüllen, damit rechnen, verbal angegriffen zu werden. Sie, als Mitglieder des Zentralrats der Muslime in Deutschland haben in den vergangenen Tagen anonym und per E-Mail zahlreiche Morddrohungen erhalten. "Mörder, Mörder, Mörder", "Der Islam soll ausgerottet und verbrannt werden, und die, die an ihn glauben, gleich mit" oder: "Hallo Ihr Islamisten, seit heute fühle ich wieder eine Art Hass" lautet deren Botschaft.

Der Strom der Anfeindungen, so befürchte ich, wird in den kommenden Tagen nicht abreißen wollen. "Vor allem die Kinder, die jubeln, wissen die warum?", fragt ein Besucher Ihrer Web-Site, und fügt hinzu: "Ich hasse den Islam". Er spielt damit auf die in den vergangenen Stunden stetig wiederholten Bilder feiernder Kinder in Gaza an: fünf bis zehn Halbwüchsige recken stolz das "Victory"-Zeichen in die Kameras der "zivilisierten" Welt. Fünf oder zehn Halbwüchsige, die kaum wissen können, warum sie jubeln, stehen für 1,5 Milliarden Menschen Ihres Glaubens.

Aber die Pauschalisierung und der Generalverdacht der Ihnen und Ihren Glaubensbrüdern angelastet wird, die überstürzte und unverständliche Islam-Wut der Menschen, die Äußerungen wie "Der Islam ist vom Teufel", die sich in zahlreichen anonymen Newsgroups im Internet verbreiten, erfüllen die große Mehrheit der hier lebenden Menschen mit Scham. Es geht die Angst um, auch in diesem Land. Die Angst vor einer potenziellen Bedrohung, die nicht erfassbar und lokalisierbar ist. Und auch Sie haben Angst vor dieser Bedrohung.

Dass zahlreiche Bewohner der "zivilisierten" Welt dies nicht verstehen, dafür möchte ich mich bei Ihnen entschuldigen.

Timour Chafik

Zum Dossier über die Terroranschläge in den USA


   

Weiterführende Links:
   Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD)



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