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USA

Samuel Huntington

Terror-Krieg gegen die USA - Vorboten des Clash of Civilizations?

Autor :  Jochen Groß
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 13.09.2001

1996 entfachte der Harvard-Professor Samuel P. Huntington mit seinem Buch "The Clash of Civilizations" eine bis heute anhaltende Debatte über die Zukunft der Internationalen Beziehungen im 21.Jahrhundert. Jochen Groß:


1993 löste Samuel P. Huntington, einer der weltweitführenden Theoretiker der Internationalen Beziehungen, mit einem Artikel in der Fachzeitschrift "Foreign Affairs" eine heftige Diskussion aus. Durch die Terroranschläge in den USA dürfte sich die Debatte um Huntington sicher neu - und weit über politikwissenschaftliche Kreise hinaus - entfachen.

Kampf der Kulturen (?)

Noch etwas vorsichtig formulierte Huntington 1993 den Titel seines berühmten Aufsatzes "The Clash of Civilizations?" in der Frageform. Drei Jahre später strich er aber das "?" aus dem Titel und entfaltete sein Post-Kaltes-Krieg-Szenario in Buchform. Die wesentlichen Kernaussagen seiner "Kultur-Knall-Theorie" (Klappentext zur deutschen Ausgabe) lassen sich - stark pointiert - auf vier Elemente reduzieren:
1. Anstelle von Ideologien oder Nationalitäten wird in Zukunft Kultur die entscheidende Trennlinie ("cleavage") zwischen Freund und Feind sein, d.h. die wahren Grenzen werden künftig nicht mehr entlang von Staaten, sondern entlang von Kulturkreisen laufen.
2. Huntington sieht - entgegen vielen anderen Theoretikern der Internationalen Beziehungen - in den Nationalstaaten weiterhin die entscheidenden Akteure auf dem internationalen Parkett. Dennoch wachse aber die Zusammenarbeit zwischen den Staaten eines gemeinsamen Kulturkreises ("civilization"), während sich die Konflikte zwischen den Kulturkreisen verstärkten.
3. Die entscheidende Grenze sieht Huntington in der Trennung der westlichen Gesellschaft von den restlichen sechs der von ihm benannten sieben Kulturkreise. Aufgrund der politischen Dominanz und der kulturellen Durchdringung aller anderer Gesellschaften durch den Westen, entstünden im Rest der Welt Ressentiments und Widerstand. Begleitet würde dieser Prozess von einer Verschiebung der relativen Machtverhältnisse zu Ungunsten des Westens. Die demographische und wirtschaftliche Stärke des "westlichen Kulturkreises" sinke stetig, gleichzeitig könnten aber die anderen Kulturkreise diesbezüglich zulegen.
4. Als Folge aus diesen Thesen fordert Huntington eine enge (politische, wirtschaftliche und militärische) Zusammenarbeit der westlichen Staaten, um so vereint in der drohenden Herausforderungen bestehen zu können. Frieden, so Huntington, könne nur durch die Wahrung des Machtgleichgewichtes ("Balance of Power") zwischen den miteinander rivalisierenden Kulturkreisen gesichert werden.

Attraktivität einfacher Erklärungsmuster

Es ist zugegebenermaßen verlockend, Huntingtons Thesen auf die Ereignisse seit Dienstag anzuwenden. Ist nicht ständig die Rede von "einem Tag, der die Welt verändert", oder von einer Welt, in der "nichts mehr so ist, wie es vorher war"? Was sollen diese Sätze anderes ausdrücken als den Beginn einer sich neu entwickelnden Weltordnung? Angesichts der sich verdichtenden Hinweise auf eine Drahtzieherschaft durch den Kreis um den radikal-islamischen bin Laden, wie auch angesichts des schnellen Schulterschlusses der NATO-Staaten, die den Bündnisfall erklärten, spricht derzeit einiges für eine Entwicklung des internationalen Systems in Richtung einer Huntingtonschen Weltordnung.

Zu schnell sollte man sich aber nicht auf eine solche Weltordnung, die im Kern einer Wiederauflage des kalten Krieges mit neuen Fronten gleich käme, festlegen. Schon die ersten Reaktionen auf die Anschläge stellen Huntingtons Thesen in Frage und lassen noch hoffen, dass der "Kampf der Kulturen" doch nicht Wirklichkeit wird. Nicht in das von Huntington gezeichnete Bild passen beispielsweise die gemäßigten arabische Staaten. Die ägyptische Bevölkerung etwa, tanzt nicht auf den Straßen, sondern scheint ebenso entsetzt wie der Rest der Welt. Auch nicht ins Bild passt ein Palästinenser, der für die Opfer Blut spendet (Arafat). Ganz zu schweigen von der Verflechtung der Weltwirtschaft, die in einer Welt des "Kampfes der Kulturen" wohl kaum - im augenblicklichen Maße - aufrecht erhalten werden könnte. Oder würde man von "Feindstaaten" Öl beziehen wollen? Wo also sollten die Grenzen des westlichen bzw. des islamischen Kulturkreises liegen? Keine Spur auch von den anderen fünf Kulturkreisen, deren Rolle hier noch gar nicht auszumachen ist. Von einer ernsthaften Konfrontation des afrikanischen oder russisch-orthodoxen Kulturkreises mit dem Westen ist jedenfalls noch nichts zu sehen.

Zum Dossier über die Terroranschläge in den USA



Zum Weiterlesen:
  • Roman Herzog 2000: Wider den Kampf der Kulturen - Herausgegeben von Theo Sommer, mit einem Geleitwort von Helmut Schmidt, München.
    Buchkritik bei e-politik.de

  • Samuel P. Huntington 1996: Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpotilik im 21. Jahrhundert, München und Wien.

  • Harald Müller 1998: Das Zusammenleben der Kulturen. Ein Gegenentwurf zu Huntington, Frankfurt/M.


   


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