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Unkonventionelle Kriegführung – Droht ein elektronisches Pearl Harbour?

Autor :  Tamir Sinai
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 09.02.2001

Droht den westlichen Länder ein Angriff durch Cyber-Terroristen, wie manche Berichte behaupten. Fraglich aber ist, ob diese Berichte tatsächlich alle Seiten der Problematik in Betracht ziehen? Tamir Sinai warnt vor Panikmache...


In der aktuellen Ausgabe von Internationale Politik finden wir einen weiteren Beitrag zum Thema “Unkonventionelle Kriegführung“. In dem Artikel beschreibt Walter Schilling die „neuen Gefährdungen der internationalen Sicherheit“ durch unkonventionelle Kriegführung ( an Beispielen wie: das Attentat auf die USS Cole, den Konflikten um die Al-Aksa Mosche) und Cyber-Warfare. Er sieht die Gefahren für die westliche Welt in der möglichen Benutzung von ABC Waffen, und den Angriff auf kritische Infrastrukturen des digitalisierten Westens durch Terroristen.
Schilling schlägt schließend Gegenstrategien, wie die verstärkte Benutzung von V-Männern und hoch-technischen Mitteln, vor.

Schwächung des Abschreckungsprinzipes – Gefahr von ABC-Terror?

Als Prämisse der „neuen Sicherheitsgefährdungen“ wird oft die veränderte globale Situation nach dem Ende des Kalten Krieges aufgeführt. „Problemstaaten“ und nicht-staatliche Akteure unterlägen nicht einer Abschreckungslogik wie der die zwischen den USA und der UdSSR galt. Diese Befürchtung beruht leider nicht auf Tatsachen. Die Welt ist nicht in einer Situation des Chaos, das Prinzip der Abschreckung gilt weiterhin und schränkt den Handlungsspielraum, auch von Problemstaaten, ein. Als Beispiel: Irak war 1991 sehr wohl fähig biologische oder chemische Waffen zum Einsatz zu bringen. Es tat es aber nicht aus Furcht vor, selbst für Sadam Hussein, untragbarer Repression durch den Westen. Terroristische Organisationen haben bis jetzt auch noch nicht von solchen Waffen Gebrauch gemacht. Dieses liegt an der Tatsache, das Terrorismus ein Mittel der politischen Auseinandersetzung ist, und keine Genozidstrategie. Für die ‚Propaganda durch Taten‘ wäre ein unkonventioneller (ABC-) Angriff nicht dienlich, das Töten nicht mehr „symbolisch“, sondern würde das Ende der Organisation und der sie unterstützenden Staaten, durch Sympathieverlust und massive Bekämpfung, bedeuten – und Organisationen haben generell keinen Selbstmordwillen. (Die bedeutende Ausnahme sind die „Millenium Gruppen“, die jedoch in der Überzahl introvertiv sind und höchstens Massenselbstmord begehen. Die Japanische Aum Shinri Kyo, die ihre Intentionen lange vorher angekündigt hatte, ist hier eine Ausnahme, aber wäre durch klassische Polizeiarbeit auch aufhaltbar gewesen.)

Cyber Warfare gefährdet den Westen – und nur den Westen?

Cyber Terroristen haben, so lautet die weitverbreitete Meinung, durch das Internet die Möglichkeit die digitalisierten Staaten mit ein paar Schlägen zu lähmen. Als Beispiele für diese „elektronische Kriegführung“ dienen immer wieder die „Schlachten“, die zwischen der NATO und Serbischen Gruppen, den Israelis und Palästinensischen Hackern, im Netz zu beobachten sind. Was verschwiegen wird ist die Tatsache, das diese Schlagabtäusche im Propagandakrieg Bedeutung haben und nur da. Die „denial of service“ Attacken, in denen homepages mit Emails oder durch einfaches Anklicken überschwemmt werden, gleichen somit dem Aufmalen eines Schnurrbartes auf ein Wahlplakat.
Kritische Infrastrukturen wurden in diesen Attacken nicht gelähmt, obwohl die Motivation dazu oftmals erklärt wurde, zuletzt auch von Serbischen Hackern.
Die Nutzung den neuen Medien wird, und das wird oft übersehen, von beiden Seiten praktiziert. Wer in diesem Feld als stärker hervorgeht ist jedoch klar. Die National Security Agency (NSA) ist seit langem in der Lage fast alle Emails und andere elektronisch übermittelten Daten zu registrieren, analysieren und im Kampf gegen Terroristen (und nicht nur die?) zu verwenden. Das sogenannte ECHELON System ermöglicht der NSA die breite (und nicht nur spezifische) Überwachung der neuen Medien, eine Entwicklung die aus der „civil liberty“ Sicht zumindest problematisch ist. Was jedoch auf jeden Fall bemerkt werden muss ist die Tatsache, das die westlichen Staaten in keinem Fall die wehrlosen Opfer durch die Digitalisierung geworden sind, ganz im Gegenteil.

Abwehrstrategien – Rundumschlag oder klassische Kriminalarbeit?

Zu den möglichen Abwehrstrategien im Cyberspace werden deshalb immer wieder stärkere (staatliche) Kontrolle und der legislative Eingriff in den Cyber-Space gefordert. Die Begründung für diese Eingriffe in die persönlichen Freiheiten der Webbenutzer ist jedoch angesichts der oben genannten Faktoren nicht ohne weiteres tragbar. Sicher, es steht jedem Staat das Recht zu sich, seine "kritischen Infrastrukturen" und seine Bürger zu schützen. Daß das Net jedoch schon massiv und offensiv von Geheimdiensten genutzt wird, und das im Vergleich zu den Möglichkeiten der Dienste die Kraft der Hacker und Terroristen erheblich schwächer erscheint wird immer wieder verschwiegen. Eine unheilige Koalition zwischen Geheimdiensten (die an dem eigenen Machtausbau – Information = Macht) und Publizisten (die durch die beschworenen Horrorvisionen Aufmerksamkeit erhalten können) entsteht.
Terrorismus muß bekämpft werden, sowohl im Netz als auch in „Problemstaaten“ die diesen unterstützen. Das läßt sich aber immer noch am besten mit „klassischer“ Terrorismusforschung und internationaler Kooperation erreichen. Jeglicher Eingriff in die Privatsphäre des „normalen“ Internetbenutzers muß jedoch mit großer Vorsicht geschehen. Die Beurteilung der Gefahren der Digitalisierung muß endlich ausgewogen vorgenommen werden, Panikmache kann hier zum Boomerang werden und die großen Möglichkeiten die das Internet für die Demokratie verspricht untergraben. Das gilt es zu verhindern.


   

Weiterführende Links:
   Homepage der National Security Agency



Leserkommentar von R.Wundram
am 21.02.2001
statt Geheimdienst lieber Polizei

Ich glaube auch nicht, daß Hacker ein Problem sind. Eher gilt dies für Diebe und gegnerische Geheimdienste. Deshalb halte ich Schutz für notwendig, nur sollte dies der Polizei übertragen werden und nicht dem Geheimdienst.

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