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e-politik.de - Home  Kultur & Politik  Politisches Buch   Das Politische Buch - Tipp der Woche


Joe Klein: Das Naturtalent

Joe Klein: Die Bill-Clinton-Retrospektive

Autor :  Michael Kolkmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 19.03.2003

Der amerikanische Journalist Joe Klein analysiert in einem neuen Buch die Präsidentschaft Bill Clintons. Michael Kolkmann hat es gelesen.


Man hat gelegentlich den Eindruck, Bill Clinton als amerikanischen Präsidenten im "alten Europa" erst so richtig schätzen gelernt zu haben, als er im Januar 2001 durch George W. Bush abgelöst wurde.
In Amerika selbst war dies anders. Hier herrschte spätestens seit dem Impeachment-Verfahren in den Jahren 1998 und 1999 in weiten Teilen der Bevölkerung eine gewisse Clinton-Müdigkeit. Vielleicht lag es daran, dass Joe Kleins Buch Bill Clinton - The Natural kein all zu großes öffentlichkeitswirksames Echo fand, als es im letzten Jahr veröffentlichte wurde. Das ist bedauernswert, denn es handelt sich dabei um das wohl beste Buch, das bisher über Bill Clinton und seine acht Jahre währende Präsidentschaft geschrieben worden ist. Vor wenigen Wochen ist das Buch unter dem Titel Das Naturtalent in deutscher Übersetzung erschienen.

Langjährige Freunde

Der amerikanische Autor Joe Klein, der viele Jahre für den New Yorker geschrieben hat und heute Kolumnist beim Nachrichtenmagazin Time ist, kennt den amerikanischen Ex-Präsidenten wie kein Zweiter. Schon bevor der Südstaatengouverneur Bill Clinton den Entschluss fasste, sich in der Wahl 1992 um das Amt des Präsidenten zu bewerben, hielt Klein ihn für eine Führungspersönlichkeit, die eines Tages die Geschicke der Vereinigten Staaten prägen würde - wenn auch in mehr als einer Hinsicht, die Klein sich damals noch nicht vorstellen konnte. Klein selbst wurde zu einer zeitweiligen persona non grata im Weißen Haus, als er pünktlich zum Präsidentschaftswahlkampf 1996 unter dem Pseudonym "Anonymous" ein Buch mit dem Titel "Primary Colors" veröffentlichte, das die Präsidentschaftskandidatur eines fiktiven Südstaatengouverneurs beschrieb und so viele Interna aus Clintons 1992er Wahlkampf rapportierte, daß es nur von einem Insider geschrieben sein konnte. Mehrere Monate - und viele Diskussionen in den politischen Kreisen Washingtons - vergingen, bis Joe Klein anhand von handschriftlichen Manuskriptkorrekturen als Autor des Buches entlarvt werden konnte. Doch je mehr Clinton in seiner zweiten Amtszeit innenpolitisch in Bedrängnis geriet, desto dankbarer war man im Weißen Haus für die fortdauernde mediale Unterstützung Kleins, die sich allerdings lediglich auf politische, nicht auf persönliche Fragen beschränkte.

US-Politik in den 1990er Jahren

Einer inhaltlichen Struktur folgend - und chronologische Entwicklungslinien außer Acht lassend - zeichnet Klein in "Das Naturtalent" ein Portrait der Politik der Clinton-Regierung. Dabei springt er souverän zwischen rein narrativem Stil und prägnanten Urteilen hin und her. Seit der Entlassung Clintons aus dem Amt hat Klein mehrere mehrstündige Gespräche mit dem Ex-Präsidenten geführt, deren Inhalte zu einem Großteil in das vorliegende Buch eingeflossen sind. So wird ein politisches Washington lebendig, das noch nichts von den Terroranschlägen des Jahres 2001, der Bombardierung Afghanistans und einem weiteren Irakkrieg ahnte.
Anschaulich schildert Klein die persönlich-politischen Auseinandersetzungen des Präsidenten (und seiner Frau) vor allem mit seinen republikanischen Gegnern sowie Freund und Feind in den Medien, die bekanntlich im Impeachment-Verfahren gipfelten.

Fazit mit Bauchschmerzen

Das Gesamturteil, das Klein über die Clinton-Jahre fällt, ist trotz seiner Nähe zu Clinton zwiespältig. Die nach wie vor ungebrochene Begeisterung, die Klein einst für das politische Talent Clinton empfand, läßt sich deutlich aus den Zeilen seines Buches herauslesen.
Insgesamt überwiegt aber die Enttäuschung. Das negative Echo auf die Frage "Was wäre gewesen und was hätte sein können..." durchzieht nahezu das gesamte Buch. Was hätte dieser Präsident bewirken können, so Klein, hätte er sich in seinen persönlichen Angelegenheiten nur etwas mehr disziplinieren können. Was hätte dieser erste Präsident, der nach dem Kalten Krieg ins Amt gekommen war, alles erreichen können, wenn er seine unbestrittenen politischen Talente für eine Reform des Gesundheitssystems eingesetzt hätte, für eine Stärkung der internationalen Organisationen wie UNO und NATO sowie für die Bekämpfung der Armut vor allem bei den Minderheiten, um nur einige Beispiele zu nennen. Vor diesem Hintergrund, so Klein, verblasst auch die hervorragende wirtschaftliche Bilanz Clintons.

Kurzweilige Lektüre

Joe Klein hat ein kurzweiliges Buch über die Vereinigten Staaten in den Jahren 1992 bis 2000 geschrieben, erzählt am Beispiel ihres Hauptprotagonisten Bill Clinton. Gewürzt mit vielen Originalzitaten und Anekdoten ist es ein äußerst lesenswertes Buch.
Heute ist Bill Clinton einer der jüngsten Ex-Präsidenten, die es in der amerikanischen Geschichte gegeben hat. Er hat sein Büro im New Yorker Stadtteil Harlem, er reist durch die Welt zu Reden und Seminaren, an denen er gut verdient. Schließlich müssen Anwaltsrechnungen in Höhe von mehreren Millionen US-Dollar begleichen werden. Zudem sitzt Clinton über seinen Erinnerungen, die im nächsten Jahr erscheinen sollen. Geschlagen wird er in dieser Hinsicht allerdings von seiner Frau: die Memoiren der US-Senatorin Hillary Rodham Clinton erscheinen weltweit am 16. Juni 2003. Das Kapitel Clinton erlebt also zumindest in literarischer Hinsicht noch so manche Fortsetzung.

Joe Klein: "Das Naturtalent. Die verkannte Präsidentschaft Bill Clintons".
Aus dem Amerikanischen von Hainer Kober
Siedler Verlag, 2003, 224 Seiten,
19,90 Euro, ISBN: 3-88680-786-X.


   

Weiterführende Links:
   Aktuelle Kolumnen von Joe Klein im Magazin TIME
   Das Clinton Presidential Center im Netz



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