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Links zu Terroranschlag in den USA - Archiv in unserer Netzbibliothek
USA

Auch die Unsichtbaren sind mit Blindheit geschlagen...

Autor :  Christophe Rude
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 13.09.2001

Satelliten, elektronische Aufklärung, Raketenabwehrsysteme. Bitter und tragisch ist die Erfahrung, dass einfache Transportmittel als Massenvernichtungswaffen missbraucht werden können. Christoph Rude über das technisch Machbare und seine Grenzen.


Es ist manchmal so, dass Dinge wahr werden, wenn man sie nur oft genug beschwört. Als George W. Bush im Frühsommer Europa besuchte, um die Werbetrommel für sein National Missile Defense System (NMD) zu rühren, nannte er, wie schon oftmals in den Wochen zuvor, den Weltterrorismus und sogenannte Schurkenstaaten als Hauptgefahr für die USA. Europa sah darin nicht mehr als ein elegantes aber durchsichtiges Ablenkungsmanöver von der Angst vor China. Und angesichts einer Aufkündigung des ABM-Vertrags flammten in den Köpfen europäischer Spitzenpolitiker Gedanken an einen Rückfall in den erst überwundenen Kalten Krieg auf.

Doch nun geben dem Präsidenten die Attentate auf das World Trade Center und das Pentagon in makaberer Weise Recht. Einerseits, denn in der Tat hat sich die Angst vor dem Terrorismus als berechtigt erwiesen. Doch andererseits, was hätte NMD schon gegen Selbstmordattentäter in amerikanischen Passagiermaschinen ausrichten können? Was gegen minutiös und lange vorgeplante Aktionen, bei denen Entführer mit so einfachen Waffen wie Messern agieren?

Spanien und das UKUSA-Agreement

Das Fehlen von NMD ist nicht der Grund für diese Tragödie. Wahrhaft versagt haben andere. Die Kontrollen bei Inlandsflügen beispielsweise - das gaben amerikanische Sicherheitsexperten am Tag nach dem Unglück zu Protokoll - ließen in den USA zu wünschen übrig. Man könne in dieser Beziehung von Europa und den asiatischen Ländern noch eine Menge lernen. In diesem Fall räche es sich wohl, dass individuelle Freiheit das oberste Prinzip in Amerika sei.
Doch zurück zu jenen Tagen im Frühsommer, als einzig Aznar, der Spanier, Bush zur Seite stand und sich für NMD aussprach und ihn auch bei seiner Absicht unterstützte, den ABM-Vertrag einseitig aufzukündigen. Warum er das tat, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr: Es handelt sich hierbei um ein simples diplomatisches Tauschgeschäft. Denn seit Juni profitiert Spanien vom sogenannten "geheimen" UKUSA-Agreement aus dem Jahr 1948. Besser bekannt ist das Abhörsystem, dem das Agreement zugrunde liegt: Es trägt den Namen ECHELON.

Abhören statt Abwehren

Aznar erhofft sich von diesem Schritt eine bessere Position in der Auseinandersetzung mit der Untergrundorganisation der baskischen Separatisten (ETA). Auch Großbritannien bedient sich der mit Echelon gewonnenen Informationen zur Bekämpfung von Terroristen, der IRA nämlich. Ergo: Bekämpfung des Terrorismus durch Abhören, nicht durch Raketen. Haben nun angesichts der amerikanischen Tragödie die Geheimdienste versagt? Sind das Echelon-Netz und die verbündeten Geheimdienste NSA (USA), GCHQ (England), DSD (Australien) und CSE (Kanada) so ineffektiv, dass sie nicht in der Lage waren, zumindest Stunden vorher unbestimmte Warnungen auszugeben? Ist Echelon nicht so allmächtig und allgegenwärtig wie die europäische Öffentlichkeit befürchtet?

Schmid: "Echelon kann umgangen werden"

Gerhard Schmid, Vizepräsident des Europäischen Parlaments (EP) und Berichterstatter im nichtständigen Echelonausschuss des EP, ist sich sogar sicher, dass der Reichweite und der Effizienz der Abhöraktionen Grenzen gesetzt sind, wie er in einem telefonischen Interview mit e-politik.de bestätigte: "Es liegt an der Funktionsweise der Echelon-Computer, dass Ihnen eine ganze Menge entgeht. Zwar werden alle Faxe und E-Mails, die in der Reichweite des Systems liegen und die die angezapften Glasfaserkabel durchlaufen, nach bestimmten Begriffen gescannt und dann aussortiert. Ebenfalls aussortiert werden Telefonate von solchen Personen, deren 'Voiceprints' den Geheimdiensten vorliegen." Allerdings gebe es viel schriftliche Kommunikation, die schlicht und einfach außerhalb der Reichweite des Systems liegt, zudem sei die Abhörtechnik noch nicht so weit, dass sie Schlüsselbegriffe aus beliebigen Telefonaten filtern könne.

Warnungen in den Wind geschlagen

Spätestens seit Mittwoch Nachmittag ist bekannt, dass die Vereinigten Staaten bereits drei Wochen und erneut vier Tage vor dem Zwischenfall gewarnt waren. Osama bin Laden hatte in einem Interview mit einem palästinensischen Journalisten terroristische Aktionen von nie da gewesenen Ausmaßen angekündigt. Zwar wurden, nach den Erfahrungen in Tansania und Kenia zahlreiche US-Botschaften geschlossen oder zumindest unter verstärkte Bewachung gestellt, richtig ernst genommen hat diese Warnungen in den USA allerdings niemand. Es heißt dazu, die Warnungen seien zu unbestimmt gewesen.
Vorher wie nachher weiß man nicht, wer die Drahtzieher sind, nicht sicher zumindest, denn seit NSA ein Gespräch zweier Verbindungsmänner von Bin Laden aufgezeichnet hat, hat sich jener Anfangsverdacht erhärtet, den der in Afghanistan untergetauchte Terrorist so heftig abgestritten hat. Es ist Ironie, dass Echelon erst so spät gegriffen hat, beinahe ebenso wie es Ironie ist, dass der Hauptverdächtige ein Mann ist, der den USA einst helfen sollte. Im Kalten Krieg, den die Europäer so sehr fürchteten.

Zum Dossier über die Terroranschläge in den USA


   

Weiterführende Links:
   Echelonwatch
   Dossier über ECHELON



Leserkommentar von Thomas Bauer
am 14.09.2001
Modernste Technik ist nicht alles!

Es ist durchaus zutreffend, dass man sich auf dem Gebiet der geheimdienstlichen Abhörtechniken in Europa aufholen muss. Spanien mag seit dem Tauschhendel zum Teil von den USA profitieren. Aber es bewahrheite sich seit Dienstag noch ein anderer Grundsatz. Keine noch so ausgefuchste Technik, nicht noch so viele High-Tech-Abhör- oder Abwehranlagen können den gesunden Menschenverstand und den richtigen Umgang mit den zur Verfügung steheden Mitteln ersetzen. Denn Warnungen vor derartigen Anschlägen wie in New York waren vorhanden, und nicht gerade wenige davon. V.a. Frankreich hatte bereits vor einem Monat das FBI und den CIA über auftretende Pläne und mögliche Anschläge informiert. Aber keine der beiden Institutionen zog ihre Rückschlüse daraus. Was nutz all die Technik und all der Aufwand, wenn man in den USA z.B. sogar als Nichtpassagier bis an den Einstiegsterminal eines Flugplatzes gehen darf (in Deutschland völlig unvorstellbar). Zu leicht und zu glatt liefen die vier Entfühurngen, und kein ECHELON dieser Welt konnte es verhindern. Ein Geheimdienst, der eine Terroristenspur, die von mehr als 50 Beteiligten im eigenen Land gelegt wird, nicht auffält ist den Namen Geheimdienst nicht wert.

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