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Christopher Hitchens: Widerwort

Christopher Hitchens: Widerwort

Autor :  Michael Kolkmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 21.03.2003

Der britische Journalist und Autor Christopher Hitchens liebt die Provokation. Michael Kolkmann stellt ihn und sein neues Buch vor.


Für Aufregung sorgte der britische Journalist und Autor Christopher Hitchens zuletzt im vergangenen Februar. Als ultralinker Schreiberling verschrien, erschreckte er seine Leser mit der Äußerung, er stehe voll und ganz hinter den Kriegsvorbereitungen der amerikanischen Regierung in Sachen Irak. Gefragt, warum er plötzlich den Irakkrieg unterstütze, wo er doch bisher gegen jeden Krieg angeschrieben habe, antwortete Hitchens, dass er lediglich eine Debatte anstoßen wolle.

Enfant terrible

Diese Äußerung ist typisch für Hitchens: Kein Thema, zu dem Hitchens sich nicht kontrovers äußern kann (und es auch tut). Diese Fähigkeit stellt er auch in seinem neuen Buch Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft unter Beweis. In Briefform wendet sich Hitchens in diesem Buch an einen imaginären Widerpart und dekliniert seine Hauptkritikpunkte gegenüber seinen "Gegnern" durch - egal, ob es sich um die Kirchen, um die Politik, um die Wirtschaft oder um Intellektuelle handelt.

Ein Brite in der neuen Welt

Bekannt wurde der Brite Hitchens in den letzten Jahren vor allem in den Vereinigten Staaten, wo er seit vielen Jahren lebt, lehrt und schreibt. So äußert er sich monatlich in einer Kolumne im Lifestyle-Magazin Vanity Fair und besucht ungezählte amerikanische Talkshows.
Für Schlagzeilen sorgte Hitchens zudem mit seinen beiden jüngsten Büchern. Bei No one left to lie to handelt es sich um eine ätzende Abrechnung mit der Politik und Persönlichkeit Bill Clintons, dem Hitchens bis dahin medial zuverlässig zur Seite stand. In dem aufsehenerregenden Buch The Trials of Henry Kissinger wirft Hitchens dem ehemaligen amerikanischen Sicherheitsberater und Außenminister Henry Kissinger vor, in seiner Amtszeit Kriegsverbrechen bzw. Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter anderem in Chile, Kambodscha und auf Zypern begangen zu haben. Konsequenterweise forderte Hitchens die Anklage Kissingers vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.

Provokation als Selbstzweck

Hitchens versteht die Provokation als Lebensform. Er halte, so schreibt er, an der altmodischen Hoffnung fest, "die Welt zum besseren verändern zu können und (was nicht dasselbe ist) ein Leben zu führen, das, soweit irgend möglich, selbestbestimmt wäre". Hitchens ist davon überzeugt, dass er, indem er sich in vielen Themen gegen die Gesellschaft stellt, dieser Gesellschaft einen wichtigen Dienst erweist. Die Ansicht, Konsens sei das höchste Gut in einer Gesellschaft, hält er für "idiotisch". Strikt lehnt er jedwedes "Disneyland des Geistes" ab.
Für Themen, die Hitchens erst einmal als verteidigungswert erkannt hat, setzt er sich beharrlich und kontinuierlich ein, ganz im Sinne eines von ihm zitierten Wortes von Sigmund Freud: "Die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat". Zu welchem Zweck man ein solches Leben lebt? Nun, sagt Hitchens, ein solches Leben ist es wert, um seiner selbst willen gelebt zu werden.

Hitchens fällt aus der Rolle

Hitchens' Argumentation besticht gerade dadurch, daß er alles in Frage stellt und hinterfragt. Als Leser ist man vor keiner Überraschung sicher.
Das macht Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft äußerst lesenswert und im Wortsinn bedenkenswert. Dass Hitchens Überzeugungen nicht konsensfähig sind, ist ihm bewusst, und wohl auch beabsichtigt. Im Zweifelsfall nimmt er es in Kauf, lieber als "elitär" tituliert zu werden, als in der Masse aufzugehen: "Vor Snobismus und Misanthropie muß man sich hüten. Aber man darf sich nicht scheuen, diejenigen zu kritisieren, die stets den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen und es gelegentlich auch fertigbringen, ihn zu finden".
In manchen Passagen des Buches überzieht Hitchens allerdings, vor allem wenn er Dante, Rilke oder Zola bemüht, um eigene tagespolitische Positionen zu untermauern. Hitchens tut dies wohl bewusst.

Vom enfant terrible zum "alten Raunzer"

In einem seiner ersten Briefe, die im englischsprachigen Original im übrigen treffend "Briefe an einen jungen Unruhegeist" betitelt sind, schreibt Hitchens: "Ich selbst kann nur hoffen, lange genug zu leben, um mich vom enfant terrible (das ich einmal war) hochzuarbeiten zum alten Raunzer".
Auf Hitchens als alten Raunzer darf man schon jetzt gespannt sein. Eins steht jedenfalls fest: Auch als alter Raunzer wird Hitchens alles andere als langweilig sein.

Christopher Hitchens: "Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft",
Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart/München 2003, 190 Seiten,
19,90 Euro,
ISBN: 3-421-05612-9.

Copyright des Bildes liegt bei der Deutschen Verlags-Anstalt


   

Weiterführende Links:
   Die Homepage von Christopher Hitchens



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