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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 2081 )Christopher Hitchens: Widerwort Autor : Michael Kolkmann Der britische Journalist und Autor Christopher Hitchens liebt die Provokation. Michael Kolkmann stellt ihn und sein neues Buch vor.
Für Aufregung sorgte der britische Journalist und Autor Christopher Hitchens zuletzt im vergangenen Februar. Als ultralinker Schreiberling verschrien, erschreckte er seine Leser mit der Äußerung, er stehe voll und ganz hinter den Kriegsvorbereitungen der amerikanischen Regierung in Sachen Irak. Gefragt, warum er plötzlich den Irakkrieg unterstütze, wo er doch bisher gegen jeden Krieg angeschrieben habe, antwortete Hitchens, dass er lediglich eine Debatte anstoßen wolle.
Enfant terrible Ein Brite in der neuen Welt Provokation als Selbstzweck Hitchens fällt aus der Rolle Vom enfant terrible zum "alten Raunzer"
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Für Schlagzeilen sorgte Hitchens zudem mit seinen beiden jüngsten Büchern. Bei No one left to lie to handelt es sich um eine ätzende Abrechnung mit der Politik und Persönlichkeit Bill Clintons, dem Hitchens bis dahin medial zuverlässig zur Seite stand. In dem aufsehenerregenden Buch The Trials of Henry Kissinger wirft Hitchens dem ehemaligen amerikanischen Sicherheitsberater und Außenminister Henry Kissinger vor, in seiner Amtszeit Kriegsverbrechen bzw. Verbrechen gegen die Menschlichkeit unter anderem in Chile, Kambodscha und auf Zypern begangen zu haben. Konsequenterweise forderte Hitchens die Anklage Kissingers vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag.
Für Themen, die Hitchens erst einmal als verteidigungswert erkannt hat, setzt er sich beharrlich und kontinuierlich ein, ganz im Sinne eines von ihm zitierten Wortes von Sigmund Freud: "Die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft hat". Zu welchem Zweck man ein solches Leben lebt? Nun, sagt Hitchens, ein solches Leben ist es wert, um seiner selbst willen gelebt zu werden.
Das macht Widerwort. Eine Verteidigung der kritischen Vernunft äußerst lesenswert und im Wortsinn bedenkenswert. Dass Hitchens Überzeugungen nicht konsensfähig sind, ist ihm bewusst, und wohl auch beabsichtigt. Im Zweifelsfall nimmt er es in Kauf, lieber als "elitär" tituliert zu werden, als in der Masse aufzugehen: "Vor Snobismus und Misanthropie muß man sich hüten. Aber man darf sich nicht scheuen, diejenigen zu kritisieren, die stets den kleinsten gemeinsamen Nenner suchen und es gelegentlich auch fertigbringen, ihn zu finden".
In manchen Passagen des Buches überzieht Hitchens allerdings, vor allem wenn er Dante, Rilke oder Zola bemüht, um eigene tagespolitische Positionen zu untermauern. Hitchens tut dies wohl bewusst.
Auf Hitchens als alten Raunzer darf man schon jetzt gespannt sein. Eins steht jedenfalls fest: Auch als alter Raunzer wird Hitchens alles andere als langweilig sein.
Christopher Hitchens:
"Widerwort. Eine Verteidigung
der kritischen Vernunft",
Deutsche Verlags-Anstalt,
Stuttgart/München 2003,
190 Seiten,
19,90 Euro,
ISBN: 3-421-05612-9.
Copyright des Bildes liegt bei der Deutschen Verlags-Anstalt
Weiterführende Links:
Die Homepage von Christopher Hitchens: http://users.rcn.com/peterk.enteract/
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