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Buch-Cover

Wolf von Lojewski: Live dabei

Autor :  Nina Schönmeier
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 19.05.2002

Scheinbar trockenen Fakten einen Hauch von Poesie entlocken - niemand kann das so gut wie Wolf von Lojewski, meint Nina Schönmeier. Sie hat von Lojewskis Autobiographie "Live dabei" gelesen.


Von Lojewski wuchs im ehemaligen Ostpreußen auf. Seine Eltern besaßen dort ein Gut. Stolz berichtet er, sein Großvater sei der "wichtigste Mann am Ort" gewesen. Äußerst behütet und vielleicht ein bißchen verwöhnt lebte Lojewski bis zum Krieg in einer Welt von Kutschern und Kindermädchen.

Nach dem Krieg, dessen Ereignisse im Buch nicht vorkommen, flieht er mit seiner Mutter und einer Tante nach Deutschland. Kaum erinnert sich der heutige Moderator des "heute journal" an Details der langen Reise. Ein Interview, das die Redaktion Zeitgeschichte des ZDF Jahre später mit seiner Mutter aufzeichnete, bringt dem Leser die furchtbaren Eindrücke der Flucht nahe. Bei Minus 21 Grad schleppte sich der Planwagen durch Eis und Schnee Richtung Danzig. Ständig fuhr die Angst vor "dem Russen" mit, der Menschen erschoss und quälte. Am Wegesrand lagen die Leichen Erfrorener und Verhungerter. Vielleicht ein bißchen zu ausführlich, aber doch sehr lebendig schildert Lojewskis Mutter den Weg der Familie. Eine anschauliche Geschichtsstunde, illustriert mit Fotografien der damaligen Zeit, liefert der Journalist von Lojewski dem Leser.

Von der Not der Nachkriegszeit kann sich der Leser ebenfalls ein Bild verschaffen: Sehr beengt lebt Lojewski mit seinen Verwandten auf dem Hof einer Familie im norddeutschen Altenbruch. Mit Haussschlachtungen und Diebstählen vom Kohlewagen halten sich die Familien über Wasser.

Kiel- Hafen des Erfolgs

Wie ist ein Lojewski zu dem geworden, was er ist? Eine Antwort auf diese Frage bekommt der Leser erst im dreizehnten Kapitel des Buches. Ganz klein fing der "Große von Lojewski" an, nämlich mit einem Volontariat bei den "Kieler Nachrichten". Einziges Konkurrenzblatt von der Zeitung, bei der von Lojewskis Vater gearbeitet hatte. Mitten im Jurastudium entscheidet sich Wolf dafür, Schreiber zu werden. Auch wenn die detaillierte Schilderung des Redaktionsalltags hin und wieder zu sehr ausufert und man Passagen einfach überliest, so führt von Lojewski doch vor Augen, wie sehr ihn seine Zeitungslehre prägte. Besonders das Lokale sei für ihn "die Seele der Zeitung" gewesen. Hier habe er die meisten Eindrücke gesammelt, ob Obdachlosenasyl oder Kirchenfest. Wenn das keine Ermunterung für Jungjournalisten ist. Doch schon bald erkennt der begabte Schreiber dass der Journalistenberuf "eine Form zu leben" ist, Stundenzettel füllt er deshalb nie aus. Das mag vielleicht zu seinem heutigen Erfolg beigetragen haben.

"MAZ ab" von Norddeutschland bis Washington

Seine Zeit bei den Kieler Nachrichten beendet von Lojewski, als er beim NDR anheuert. Das "Nordschau-Magazin" ist die erste Sendung, die er mit verantwortet und zugleich moderiert. Unter abenteuerlichen technischen Bedingungen startete er hier seine Karriere. Ein kurzer Anruf über das Autotelefon verändert sein Leben von heute auf morgen: der NDR schickt ihn als Korrespondent ins Washingtoner Studio. Doch nicht lange weilte er dort, da musste er sich schon wieder ans Oxford English gewöhnen. Die ARD versetzte ihn nach London, erst nach sieben Jahren ging es wieder nach Washington.

Keine Karrierechance ließ sich der Profi von Lojewski entgehen, immer segelte er mit dem günstigen Wind. Seine spannende Autobiographie gibt dem Leser wenig Zeit zum Atemholen, sehr schnell wechseln Orte, Jahre und Menschen. Doch von Lojewski gelingt es dabei dennoch, Stimmungen und Eigenarten des jeweiligen Landes liebevoll zu schildern. Der bekennende Sozialdemokrat würzt seine Erinnerungen mit ganz eigenen Beobachtungen aus der Weltpolitik: Richard Nixon sah er nach der Watergate-Affäre traurig über den Rasen vor dem weißen Haus schleichen, mit Margaret Thatcher diskutierte er über ein schief hängendes Gemälde.

Erstaunlich ehrlich steht er auch zum Preis seines Erfolgs: über die Jahre führte er eine Fernehe, seine Frau sah er meist nur am Wochenende. Ein bißchen chauvinistisch wirkt die Behauptung, in einer Ehe könne eben nur einer "nach vorne stürmen". Nach seiner Korrespondentenzeit arbeitete er beim "Weltspiegel", moderierte die "Tagesthemen" und dann das "heute journal". In seinem Buch "Live dabei" liefert von Lojewski das Resümee eines rasanten Lebens und die Bestandsaufnahme eines Berufs, gespickt mit historischen Anekdoten. Keine chronologische Nacherzählung des eigenen Lebens, sondern eher ein Roman, der Lust macht.

Wolf von Lojewski: "Live dabei"
Gustav Lübbe Verlag, 2001, 288 Seiten
19,90 Euro
ISBN 3-7857-2070-X


   


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