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Flagge Kolumbiens

Guerillabewegungen in Kolumbien

Autor :  Antje Helmerich
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 30.05.2002

Guerillabewegungen gibt es auf dem gesamten lateinamerikanischen Kontinent. Doch nirgendwo sind sie so zahlreich, so gut organisiert und so aktiv wie in Kolumbien. Antje Helmerich über die wichtigsten Gruppierungen, ihre Ziele und Strategien.


Guerilla bedeutet ursprünglich "Kleinkrieg". Und als Krieger sehen sie sich auch, die Guerilleros, als Krieger im Kampf gegen die Regierung des eigenen Staates. Guerilla ist im Wesentlichen eine Militärstrategie, die auf die Belästigung, Einkreisung und schließlich Vernichtung des Feindes abzielt.

Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens

Die FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias Colombianas) entstanden 1964 aus militanten Bauerngruppen. Bis weit in die siebziger Jahre hinein hatten sie ihre Basis im ländlichen Kolumbien, erst danach gelang es ihnen, auch in den Großstädten Zellen auszubauen. Doch bis heute sehen sich die 12.000 bis 15.000 Kämpfer der FARC unter ihrem Anführer Manuel Marulanda, der einst Mitglied des Zentralkomitees der kolumbianischen Kommunistischen Partei war, in erster Linie als Wortführer der ausgebeuteten Landbevölkerung. Eine revolutionäre Agrarreform und die Einrichtung befreiter Zonen für die Bauern - die zentralen Zielsetzungen haben sich seit den sechziger Jahren nicht verändert.

Heer zur nationalen Befreiung

Der ELN (Ejército de Liberación Nacional) sieht sich bis heute als "Kind der kubanischen Revolution" und orientiert sich seit seiner Gründung ebenfalls im Jahr 1964 an den Schriften des großen argentinischen Freiheitskämpfers Che Guevara. Er gilt als Verfechter der so genannten Fokustheorie, nach der kleine bewaffnete Gruppen den Kampf auf dem Land beginnen und von dort aus ausweiten. Allerdings fiel es der vor allem von Studenten und Hochschulabsolventen getragenen Bewegung stets schwer, sich in der bäuerlichen Bevölkerung zu verankern. In den achtziger Jahren waren die Kämpfer des ELN die einzigen, die sich dem von Präsident Belisario Betancur ausgehandelten Waffenstillstand widersetzten.

Farclandia

Farclandia - so heißt die lange geforderte "befreite Zone" im Volksmund. Dort hat der kolumbianische Staat im Zuge des 1998 initiierten Friedensprozesses unter Staatspräsident Andrés Pastana auf seine Hoheitsrechte verzichtet und den FARC die Kontrolle übertragen. So ist aus der Guerilla längst eine Ordnungs- und Schutzmacht geworden. Die Zone, im Herzen Kolumbiens gelegen, ist mit rund 41.000 Quadratkilometern ungefähr so groß wie die Schweiz.

Farclandia lebt nach den Regeln und Werten der FARC. Und diese bestehen nicht nur aus drakonischen Strafen gegen "Antirevolutionäre", der Erpressung so genannter "Revolutionssteuern" und militärischen Parolen. Die Guerilleros haben auch kostenlosen Schulunterricht und einen funktionierenden Gesundheitsdienst eingerichtet, Straßen asphaltiert und Häuser gebaut - all das keine Selbstverständlichkeit in Kolumbien. So gerät die desorganisierte, korrupte und lethargische staatliche Administration immer öfter ins Hintertreffen. Viele Landbewohner scheinen sich längst mit den Guerilleros arrangiert zu haben und ertragen deren Gewaltaktionen um einer vermeintlich besseren Zukunft willen.

Guerilla als Arbeitsbeschaffer

Wirtschaftskrise und geringe Entwicklungschancen vor allem auf dem Land treiben junge Kolumbianer scharenweise zu den FARC. Längst ist die Mitgliedschaft in der Guerilla-Bewegung kaum noch ideologisch motiviert, sondern zu einer Form des Broterwerbes geworden. Und die FARC machen auch vor gemeinsamen Geschäften mit der Drogenmafia nicht Halt. Seit langem wird vermutet, dass sie sich zu großen Teilen ebenfalls über den Koka-Handel finanzieren, von Koka-Bauern Schutzgelder erpressen oder die Droge selbst anbauen. Auch Entführungen bringen viel Geld in die Taschen der FARC. Jeden Tag berichten kolumbianische Medien über Entführungen durch Guerillagruppen, rund 3000 sind es im Jahr. Prominente wie die ehemalige Senatorin Ingrid Betancourt geraten ebenso in die Hände der FARC wie ganz normale Durchschnittsbürger. Gefordert werden nicht selten derartig hohe Lösegeldsummen, dass manche Familien Jahre brauchen, um das Geld aufzubringen. Oder es sollen, wie im Falle Betancourts, Gefangene freigepresst werden.

Eine ausweglose Situation? Scheinbar schon. Bestanden 1998, als der neue Präsident Pastrana seinen Plan Colombia vorstellte und Gesprächsbereitschaft demonstrierte, noch Hoffnungen auf ein Ende der Gewalt, ist vier Jahre später Ernüchterung eingekehrt. Längst scheinen die Guerilla-Bewegungen dem machtlosen Staat überlegen zu sein.

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Weiterführende Links:
   Artikel über die Guerilla-Bewegungen



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