Gerhard Schreiber: Der Zweite Weltkrieg
Autor : e-politik.de Gastautor E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 02.06.2002
In seinem Buch "Der Zweite Weltkrieg" gelingt es Gerhard Schreiber, die Komplexität der Ereignisse trotz des beschränkten Umfangs angemessen darzustellen. Wolfgang J. Mehlhausen hat es gelesen.
Über den Zweiten Weltkrieg gibt es unzählige Bücher und Abhandlungen; über große und kleine Schlachten und Operationen wurden teilweise mehrbändige, reich illustrierte Werke verfaßt. Der Militärhistoriker Gerhard Schreiber legt nun eine Abhandlung über den gesamten Weltkrieg mit seiner Vorgeschichte in einem nur 127 Seiten umfassenden Taschenbuch vor und behandelt nicht etwa nur europäische Kriegsschauplätze, sondern, wie es der Titel verspricht, den gesamten Weltkrieg.
Von der Zwischenkriegszeit bis zum "Erbe des Zweiten Weltkriegs"
In den ersten beiden Kapiteln skizziert Schreiber die Vorgeschichte seit 1918. Das dritte Kapitel ist den "Nebenkriegen" gewidmet, also dem Überfall auf Polen, der Aggression gegen Dänemark und Norwegen und dem Westfeldzug. Danach geht Schreiber auf die "Weichenstellung für Hitlers Hauptkrieg", den Überfall auf die UdSSR, ein. Im fünften Kapitel wird der japanische Überfall auf Pearl Harbour als Beginn des Weltkriegs herausgestellt; gleichzeitig wird auch auf den grausamen Krieg im Fernen Osten und auf die Kämpfe in Nordafrika eingegangen. Das sechste Kapitel nennt Schreiber "Wege zum totalen Sieg" - von der Errichtung der zweiten Front in Italien bis zum Kriegsende in Europa und im Fernen Osten. Schließlich finden wir im letzten Teil Ausführungen zum "Erbe des Zweiten Weltkriegs" und ein Nachwort. Es folgen umfangreiche Literaturhinweise und ein Personenverzeichnis.
Nicht perfekt ...
Der Leser beginnt am besten mit dem Personenregister, wo der historisch interessierte Laie meist bekannte, aber auch kaum vertraute Namen findet. Namentlich nicht erwähnt ist beispielsweise der "Reichsmarschall" und Luftwaffenchef Hermann Göring, der engste Vertraute Hitlers. Für den Kriegsverlauf schien Schreiber der zweite Mann des Staates, der für seine Verbrechen in Nürnberg zum Tode verurteilt wurde, wohl zu unbedeutend?
Leider fehlt, wohl aus verständlichen Platzgründen, ein Ortsverzeichnis, das beim Zweiten Weltkrieg zwangsläufig hätte sehr umfangreich sein müssen; so sind gewisse Kenntnisse des Kriegsverlaufs erforderlich, wenn man bestimmte Schlachten oder Kriegsereignisse nachschlagen will.
... aber in der Kürze liegt die Würze
In einer zu bewundernden Präzision gelingt es dem Autor jedoch, die Geschichte des Krieges mit historischen Ursachen und Auswirkungen bis in die heutige Zeit in einem so kleinen Buch komplex darzustellen. Doch er beschränkt sich dabei keinesfalls auf Fakten, sondern bewertet diese und vermittelt Zusammenhänge. Gerade darin liegt die Stärke des Werkes, dessen Umfang zur Konzentration auf das Wesentliche zwingt. Es fehlt aber nicht an konkreten Fakten, wie präzisen Angaben zu Truppenstärken und Anzahl von Waffen. Hervorzuheben ist zudem die lebendige und bildhafte Sprache.
Alles in allem ist das Taschenbuch ein hervorragender Leitfaden für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges, das historische Zusammenhänge in komprimierter Form vermittelt und zugleich anregt, in anderen Werken weiterzulesen.
Gerhard Schreiber: "Der Zweite Weltkrieg"
Verlag C.H. Beck, 2002, 127 Seiten mit 4 Karten,
7,90 Euro
ISBN 3-406-44764-3
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