Mehr als 200.000 Soldaten stehen sich gegenüber. Die Vereinten Nationen sprechen von rund 1,5 Millionen Flüchtlingen und zehntausenden Toten, das Land ist von einer Hungerkatastrophe bedroht und regelmäßig wird über Massaker unter der Zivilbevölkerung berichtet. Zahllose Vermittlungsversuche der Vereinten Nationen und der Organisation der Afrikanischen Einheit (OAU) scheiterten bisher aber an der Vielzahl von gegensätzlichen Interessen der Kriegsparteien.
Vom Bürgerkrieg zum Krieg um Bodenschätze
Die Fronten in diesem Krieg laufen kreuz und quer durch das Land und die gesamte südostafrikanische Region. Innerhalb des Kongo stehen sich die Regierungstruppen von Präsident Laurent Kabila und Aufständische gegen Kabilas diktatorische Herrschaft gegenüber.
Doch der Bürgerkrieg ist nur die halbe Wahrheit - hinzu kommen mindestens sechs Nachbarstaaten, die mehr oder weniger direkt in den Krieg verwickelt sind. Angola, Namibia und Simbabwe unterstützen Präsident Kabila, die östlichen Nachbarn Uganda, Ruanda und Burundi kämpfen auf der Seite der Rebellen. Diesen Staaten ist es im wesentlichen egal, wer den Kongo in Zukunft regieren wird. Es geht ausschließlich um Bodenschätze - die Ausbeutung von Diamanten- und Gold-Vorkommen und die Besetzung von Grenzgebieten sind die Motive für das Eingreifen im Kongo.
Das wahre Gesicht des Laurent Kabila
Seinen Anfang genommen hat der Krieg im August 1998. Ein Jahr zuvor wurde Kabila im ganzen Kongo noch als Hoffnungsträger gefeiert, als er an der Spitze der "Demokratischen Allianz zur Befreiung des Kongo" (AFDL) den Diktator Mobuto stürzte und sich selbst zum neuen Staatschef ernannte. Mobuto hatte in 32 Jahren Alleinherrschaft das Land wirtschaftlich ausgebeutet und demokratische Bewegungen systematisch verhindert. Nun atmete die Bevölkerung auf und die westliche Welt sprach euphorisch von der demokratischen Zukunft des Kongo.
Die Erwartungen wurden allerdings schnell enttäuscht. Der Putsch war gleichzeitig auch das Ende der AFDL, schnell kam es zu Konflikten zwischen den ehemaligen Partnern. Kabila stieß seine bisherigen Verbündeten zunehmend vor den Kopf, verzögerte die Errichtung der Demokratie und bekämpfte auch den Einfluß der Nachbarstaaten Uganda und Ruanda, die ihn bei der Machtergreifung noch unterstützt hatten.
Freibrief für Grausamkeit
Wieder bildete sich eine Allianz für Demokratie im Kongo- diesmal allerdings gegen Kabila. Verprellte Verbündete von Kabila, alte Anhänger von Ex-Diktator Mobuto und die um ihren Einfluß fürchtenden Nachbarn Uganda und Ruanda vereinigten sich, um gegen Kabila vorzugehen. Statt einem schnellen Putsch folgte diesmal jedoch ein Krieg, der das Land bis heute im Griff hat. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, der Staat ist praktisch nicht mehr vorhanden und die Verbrechen an der Bevölkerung lassen an einer friedlichen Zukunft zweifeln.
Zwar findet kein Völkermord wie vor wenigen Jahren im Nachbarstaat Ruanda statt. Doch Berichte über HIV-infizierte Soldaten, die auf Befehl Frauen vergewaltigen und mit dem tödlichen Virus anstecken, werfen ein Schlaglicht auf die Grausamkeit, mit der dieser Krieg geführt wird.
Die aktuelle Situation ist schwer einzuschätzen. Alle Kriegsparteien halten an ihrer grundsätzlichen Zustimmung zum Friedensabkommen von Lusaka fest. Das im letzten August ausgehandelte Abkommen sieht einen konkreten Friedensplan vor und ist von der Regierung, den Rebellen und allen Nachbarstaaten unterzeichnet worden. Gleichzeitig berichtet die UN jedoch wiederholt von Gefechten vor allem im Osten des Kongo. Jean-Pierre Bemba, Anführer der größten Rebellengruppe, hat erst kürzlich mit einer Großoffensive gedroht. "Wenn nötig werden wir bis zur Hauptstadt Kinshasa vorstoßen", so Bemba.
Der afrikanische Weltkrieg - auch er scheint erst ein Ende zu nehmen, wenn alle Seiten am Ende ihrer Kräfte sind.
e-politik.de berichtet über den möglichen Einsatz einer UN-Friedenstruppe und veröffentlicht einen Kommentar zum Beschluss der Vereinten Nationen, Blauhelme in die Demokratische Republik Kongo zu schicken.
Hintergrundinformationen zur Kongo-Krise von 1960 bis 1964 liefert ein umfassender Rückblick bei e-politik.de.