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Der langsame Tod des Medaillenspiegels

Autor :  Andreas Groß
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 15.09.2000

10.000 Sportler, 15.000 Journalisten und Millionen von Zuschauern - Olympia 2000 wird eine gigantische Veranstaltung. Das Rennen um die Plätze im Rampenlicht kennt aber auch einen Verlierer - Andreas Groß nimmt Abschied vom Medaillenspiegel.


Als sich die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion noch unversöhnlich gegenüber gestanden, da waren die Olympischen Spiele vor allem eines: Eine Bühne für den Wettkampf der Systeme. "Mit der Aufnahme der Sowjets haben wir die Olympische Bewegung politisiert", erkannte der damalige IOC-Präsident Sigfrid Edström bereits 1952. Seitdem hat es kaum ein Olympia gegeben, das nicht von irgendjemandem boykottiert worden wäre. 1956 blieben Spanien, die Niederlande und die Schweiz aus Protest gegen die Niederschlagung des Ungarn-Aufstandes durch sowjetische Truppen fern. 1976 fehlten 28 afrikanische Nationen. 1980 und 1984 boykottierten sich schließlich Amerikaner und Sowjets gegenseitig.

Traf man sich doch mal auf dem Sportfeld, dann wurde der Medaillenspiegel zum Ersatzgott. Wer das meiste Gold, Silber und Bronze gewann, bewies damit nach eigener Definition nicht nur seine sportliche Stärke, sondern gleich auch noch die Überlegenheit des jeweiligen Gesellschaftssystems. Welch eine Genugtuung für die Sowjets, als sie schon 1956 - bei ihrer zweiten Olympiateilnahme überhaupt - die Spitze des Medaillenspiegels erklommen. Acht Jahre später erkämpften sich die USA den Platz an der Spitze zurück, nur um ihn 1972 wieder an die Sowjetunion zu verlieren. Bei den folgenden Spielen mussten die Amerikaner selbst den zweiten Platz abgeben. Die DDR hatte sich inzwischen zur Sport-Supermacht aufgeschwungen.

Spieglein, Spieglein an der Wand ...

Gerade die DDR bewies aber auch, dass das schöne Bild im Medaillenspiegel nur einen Teil der Wahrheit zeigte. Der Erfolg war einzig auf ein ehrgeiziges Förderungssystem zurückzuführen, das auch vor der Gesundheit der Athleten nicht haltmachte.
Ob der Rest der Bevölkerung besondere Freiheiten oder Reichtum genoss, war für dieses System allerdings unerheblich. Tatsächlich hatte sportlicher Erfolg nie etwas mit einem guten oder erfolgreichen Gesellschaftssystem zu tun.

Wie gnadenlos und unverblümt der Medaillenspiegel die Wirklichkeit dann aber doch manchmal wiedergibt, haben zuletzt die Deutschen 1992 in Barcelona erfahren. Mit der Wiedervereinigung starteten plötzlich Kanuten aus dem Westen und Leichtathleten aus dem Osten gemeinsam in einem Team. Die gesamtdeutschen Sportfunktionäre rieben sich bereits die Hände bei dem Gedanken an den Medaillenspiegel, versprach die Ausbeute diesmal doch besonders fett zu sein. Die Rechnung war einfach:
Bei den letzten Spielen hatte die DDR 102 Medaillen gewonnen, die Bundesrepublik Deutschland noch einmal 40. Zusammen wären das 142 Medaillen gewesen - Platz 1 im Medaillenspiegel. Tatsächlich aber reichte es mit dem vereinigten Team in Barcelona nur für 82 Medaillen. Wohl ein Vorgeschmack darauf, wie sich die blühenden Landschaften im Osten entwickeln sollten.

Symbol einer anderen Welt

Heute wird man bei der Suche nach dem Medaillenspiegel wahrscheinlich erst auf Seite sechs des Sportteils fündig. Direkt hinter der Nachberichterstattung über undichte Wasserhähne im Olympischen Dorf und nur knapp vor dem Regionalsport steht, nein, duckt er sich zwischen die Ergebnislisten von Rhythmischer Sportgymnastik und Military-Reiten. Vielleicht ist dies ein Zeichen nachlassenden Nationalismus.
Wahrscheinlicher ist, dass der Medaillenspiegel als Relikt einer anderen Zeit einfach nicht mehr in die gegenwärtige Welt passt. Heute nutzen allenfalls noch Terroristen und Sportfunktionäre die Olympischen Spiele als Bühne für ihre Machtkämpfe. Mit den Wettkämpfen an sich haben sie herzlich wenig am Hut. Und den Zuschauern ist die Nationenwertung eh egal, seit sie von der Politik nicht mehr hochstilisiert wird. Schade für den Medaillenspiegel - aber gut für den Sport.


   

Weiterführende Links:
   Offizielle Homepage Olympische Spiele Sydney 2000



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