Die neuen Informations-, Kommunikations- und Biotechnologien verändern die Wirtschaft und die Gesellschaft in bisher
unbekannter und radikaler Art und Weise. Es zeichnet sich ein Transformationsprozeß von der bisherigen
Industriegesellschaft (Old Economy) zu einer wissensbasierten Informations- und Kommunikationsgesellschaft (New
Economy) ab. Eine Vielzahl von Neugründungen von Unternehmen (start-ups) im Bereich der neuen Technologien
kennzeichnet diese Entwicklung; die neuen Technologien erfahren ein hohes Maß an Wachstum und treiben die
wirtschaftliche Entwicklung voran.
Die sich abzeichnende Informationsgesellschaft bringt auf der einen Seite eine Vielzahl an neuen Chancen und technischen
Möglichkeiten mit sich, sie ist aber auf der anderen Seite aber auch nicht frei von Risiken. Die neuen Technologien verlangen
von jedem einzelnen in der Gesellschaft ein hohes Maß an Flexibilität und Mobilität; gefordert ist ein lebenslanges Lernen
und eine ständige Anpassung an sich verändernde soziale, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Nur wer in der Lage ist, sich den veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, kann von den Vorteilen der neuen
Technologien profitieren. Er kann im Laufe seines Lebens in verschiedenen Unternehmen und in verschiedenen
Tätigkeitsfeldern arbeiten und seine individuellen Fertigkeiten erweitern. Den beiden Faktoren Wissen und Information
kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu; sie sind der Rohstoff der neuen Gesellschaft. Informationen können auf
Computerchips gespeichert und von Benutzern abgerufen werden. Durch das Internet können Informationen binnen Minuten
weltweit ausgetauscht werden; Entfernungen über weite Strecken oder gar Kontinente spielen keine Rolle mehr. Diese
enormen technischen Möglichkeiten verändern die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen und stellen hohe Anforderungen
an ihre Lernfähigkeit.
Wer - aus welchen Gründen auch immer - nicht in der Lage oder willens ist, seine Kenntnisse und Qualifikationen zu
vertiefen und zu erweitern, steht auf der Verliererseite in der Informationsgesellschaft. In der Geschichte hat jede
technologische Neuentwicklung Gewinner und Verlierer mit sich gebracht; es gab und gibt keine Technologie, die nur
Vorteile und Gewinner mit sich gebracht hätte.
Einhergehend mit der überaus dynamischen Entwicklung der neuen Technologien ist ein sich sich abzeichnender Primat der
Ökonomie zu erkennen. Die wirtschaftliche Entwicklung dominiert immer mehr auf der nationalen und internationalen
Ebene, während die Politik mit ihren Handlungsinstrumenten zunehmend in den Hintergrund tritt. Es kommt aber
entscheidend darauf an, daß die Politik ihren Handlungsspielraum zurück gewinnt, um zu verhindern, daß sich neben einer
Informationselite ein „Informationsproletariat" herausbildet, welches an den neuen Technologien nicht partizipiert. Es ist die
Aufgabe der Politik, sich um die Verlierer und um die zu kurz Gekommenen in der Informationsgesellschaft zu kümmern,
damit sie nicht in ein soziales Abseits geraten. Das heißt konkret, die sozial Schwachen durch Fort- und
Weiterbildungsmaßnahmen zu motivieren, sich mit den neuen Technologien vertraut zu machen.
Die Politik kann durch die Gestaltung der sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen einen begrenzten Einfluß auf die
technologische Entwicklung nehmen; sie sollte diesen Einfluß nutzen, um möglichst vielen Menschen die sinnvolle Nutzung
der neuen Technologien zu ermöglichen.