Eine Generation ohne Für und Wider
Autor : Florian Baumann E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 11.08.2003
Einem Werbespot von VW entsprang die Bezeichnung für eine ganze Altersstufe. Florian Illies hat der Generation Golf mittlerweile ein zweites Buch gewidmet: Generation Golf Zwei. Von Florian Baumann.
Auch die Generation Golf ist inzwischen von der Realität eingeholt worden. Sie ist zu der Einsicht gekommen, dass der berufliche Erfolg nicht der eigenen Allmacht, sondern vielmehr äußeren Umständen zu verdanken war. All die Träume - mein Golf, mein Haus, meine Firma - lösten sich auf einen Schlag in Wohlgefallen auf. Florian Illies beschreibt den Werdegang seiner Generation als Aufwachsen mit den Früchten des Wirtschaftswunders und beglückt mit dem Berufsstart hinein in einen Börsenhype. Nach dem Ende der Spekulationsblase und der Rückkehr zu den Werten der Old Economy haben sich aber auch für die Generation Golf die Lebensbedingungen geändert.
„Mir geht es gut“ ...
... stellte Florian Illies noch im Jahr 2000 in seinem ersten Buch Generation Golf für sich und seine Altersgenossen fest. Anhand der Slogans für den damals neuen Golf IV führte er die Bestandsaufnahme der seelischen Verfassung seiner Generation. Die Jahrgänge 1965 bis 1975 wurden damit pauschal zur Generation Golf erklärt. Gemeinsam war ihnen der berufliche und private Erfolg. Wie der Autor selbst - zu diesem Zeitpunkt noch Feuilletonschef der FAZ - erreichten sie alle schnell das, was ihre Eltern erst viel später geschafft hatten: einen guten Job, ein nettes Eigenheim und eine feste Beziehung.
Mal was ganz anderes machen!
Anfangs war die Generation Golf noch vollauf damit beschäftigt, das schnellverdiente Geld möglichst gewinnbringend anzulegen. Als aber die dicken Gehaltsschecks ausblieben, konnte und musste sie immer mehr Zeit mit sich selbst verbringen. Manch einer durfte gleich ganz zu Hause bleiben. Schnell wurde der Generation Golf dabei klar, dass sie etwas verpasst haben musste: den Protest - eigentlich egal wogegen. Wichtig wäre nur dieses Gefühl, gegen - oder auch für - etwas gewesen zu sein. Die 68er waren gegen alte Werte und die eigenen Eltern gewesen. Die Schüler heute sind wenigstens noch gegen den Irakkrieg. Die Generation Golf hatte nie irgendetwas, für oder gegen das sie sein musste - mal abgesehen von der Frage Viertürer oder Cabrio.
‚ich’ satt ‚wir’
Trotz vieler Berichtigungen liest sich Generation Golf Zwei als Fortsetzung des ersten Teils, nicht aber als dessen Korrektur. Die Aussagen die darin getroffen werden, sind nicht falsch, nur veraltet. Dennoch ist der Autor vorsichtiger geworden. Wo er in Teil eins noch forsch verallgemeinert hat, steht jetzt ein bescheideneres ‚ich’. Auch insgesamt ist das Buch persönlicher und nachdenklicher, als sein Vorgänger. Es blieb viel Witz und Frische von Generation Golf erhalten. Allein am Ende des Textes war wohl noch etwas Buch übrig: An einigen Stellen treten überflüssige Längen auf. Echte ‚Golfies’ sollten Generation Golf Zwei dennoch lesen, damit sie wissen, was die Zukunft bringt.
Florian Illies: Generation Golf Zwei,
Karl Blessing Verlag,
München 2003,
256 Seiten,
ISBN 3-89667-246-0
Copyright des Bildes: Karl Blessing Verlag
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