In den Medien findet der Kongo derzeit kaum statt. Das war einmal anders. Ende Mai 1997 nämlich waren hunderte Journalisten in der Hauptstadt Kinshasa, als der Rebellenführer Laurent Kabila nach monatelangen Kämpfen den Diktatur Mobuto Sese Seko zur Flucht aus Zaire zwang. Von 1965 bis 1997 hatte Mobuto den Kongo, das drittgrößte Land Afrikas, mit harter Hand regiert. 1991 benannte der Diktator "sein Land" Kongo in Zaire um.
Zaire wird zur "Demokratischen Republik Kongo"
Am 20. Mai 1997 ernannte sich Laurent Kabila selbst zum Präsidenten und rief in Kinshasa die "Demokratische Republik Kongo" aus. Die existiert seitdem neben der davon abgespaltenen "Republic of Congo" mit seiner Hauptstadt Brazzaville.
Laurent Kabila versprach freie Parlamentswahlen. Tatsächlich wollte und will er davon nichts wissen. Die ehemalige belgische Kolonie wird auch unter Kabila mit eiserner Hand geführt.
Wenige Monate nach seiner Regierungsübernahme brach der Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Stammesgruppen im Kongo wieder aus. Der Kampf um Demokratie scheint dabei von allen Seiten als Deckmäntelchen mißbraucht zu werden. Neben "ethnischen Säuberungen" geht es um Macht über die Ressourcen des Kongos. Der Kongo ist reich an Bodenschätzen, besitzt riesige Regenwälder und für die Region überlebenswichtige Wasserreserven.
Acht Nationen kämpfen um die Vormachtstellung
Mittlerweile kämpfen auf 2.345.000 Quadkilometern Staatsfläche (siebenmal so groß wie die Bundesrepublik Deutschland) Einheiten aus acht Nationen sowie vier bewaffnete Milizen aus angrenzenden Ländern. Neben kongolesischen Regierungstruppen kämpfen auf Seiten Kabilas Soldaten aus Simbabwe, Angola, Namibia, dem Sudan und dem Tschad. Ihnen gegenüber stehen Kämpfer des Rebellenbündnisses "Congolese Ralley for Democracy", Ruanda und Uganda. Opfer sind rund 47 Millionen Menschen, die zwischen den Fronten täglich ums nackte Überleben kämpfen.
e-politik.de mit einem ausführlichen Dossier
Mathias Junkert blickt für e-politik.de zurück auf die Leidensgeschichte des afrikanischen Landes und erinnert an die Kongo-Krise 1960 bis 1964, die letztendlich zum Drama der letzten Jahrzehnte führte. Die Vereinten Nationen waren schon damals in den Konflikt involviert.
Der e-politik.de Autor Andreas Groß liefert außerdem eine Bestandsaufnahme zum jüngsten Krieg nach dem Ende der Diktatur Mobutos und setzt ihn in den Kontext der Reaktionen durch die internationale Staatengemeinschaft. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat am 24. Februar 2000 einer bewaffneten Friedenstruppe für die Demokratische Republik Kongo zugestimmt, über sechs Monate nachdem die größten Konfliktparteien ein Friedensabkommen unterzeichneten. Doch der mögliche Einsatz für die rund 5 500 Mann starke UN-Organisations-Mission in Kongo (MONUC) steht vor vielen Fragezeichen. Neben der schwierigen Logistik gibt es enorme Sicherheitsbedenken.
Wie gefährlich eine UN-Mission in Schwarzafrika sein kann, zeigt ein Blick in das westafrikanische Sierra Leone. Dort wurden Ende Februar 2000 kurzerhand 300 UN-Friedenssoldaten von Rebellen auf einer Straße eingeschlossen. Die brisante Lage entschärfte sich nur aufgrund des Verhandlungsgeschicks der indischen und ghanesischen Blauhelme. Konsequenz: Die UN-Soldaten stellten ihr Patrouille-Vorhaben ein und zogen unverrichteter Dinge ab.
Ähnlich unkalkulierbar könnte auch der UN-Peacekeeping-Einsatz im Kongo sein. e-politik.de geht dieser Problematik nach.
Wie muss die Entscheidung des Weltsicherheitsrates zur Aufstellung einer UN-Friedenstruppe bewertet werden? Ein Kommentar diskutiert abschließend den bevorstehenden UN-Einsatz im Kongo.