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Walter Krämer / Gerald Mackenthun: Die Panik-Macher

Autor :  Alexander Wriedt
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 22.01.2002

Täglich versuchen „Die Panik-Macher" Angst vor neuen Gefahren zu schüren. Walter Krämer und Gerald Mackenthun erklären, warum wir ganz gelassen bleiben können. Alexander Wriedt hat das Buch gelesen.


Anfang der sechziger Jahre begannen die ersten Wissenschaftler, an den grenzenlosen Vorteilen moderner Technik zu zweifeln. Ob Atomkraft, ob industriell betriebener Landwirtschaft, ob Großindustrie oder High-Tech-Medikamente - plötzlich rückten die Gefahren in den Mittelpunkt. Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung führten einen Bewusstseinswandel bei vielen Menschen herbei. Mittlerweile wird das Misstrauen gegenüber technischem Fortschritt immer größer. Besonders die Medien bedienen und schüren regelmäßig die Ängste des Volkes.

Doch was ist Panikmache, was sind legitime Befürchtungen? Walter Krämer, Statistik-Professor an der Universität Dortmund und Gerald Mackenthun, Wissenschaftskorrespondent bei dpa, versuchen eine Antwort zu geben. In ihrem Buch „Die Panik-Macher" untersuchen sie, wie groß die Risiken tatsächlich sind.

Risiken, überall Risiken

Schließlich begleiten einen die Risiken sein Leben lang: Schon die Geburt zu überstehen ist nicht selbstverständlich: 4000 Kinder sind in Deutschland jedes Jahr spätestens 24 Stunden nach der Geburt tot. Auch im Haushalt der Eltern lauern unzählige Gefahren: Todesfalle Nummer Eins sind alte Kühlschränke, in denen Kleinkinder regelmäßig ersticken. Und es wird mit zunehmendem Alter nicht besser: Wir können im Straßenverkehr unser Leben lassen (ungefähr 7500 Tote jährlich), an AIDS sterben, beim Fensterputzen von der Leiter stürzen, Opfer eines ärztlichen Kunstfehlers werden, auf einen Betrüger reinfallen, der einen in den finanziellen Ruin und vielleicht damit auch in den Selbstmord treibt. Gefahren über Gefahren, die die meisten Menschen, verständlicherweise, gerne umgehen möchten.

Doch so einfach ist es nicht: Viele Risiken lassen sich gar nicht vermeiden, wollte man auch nur gelegentlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Schlimmer noch: Oftmals schafft das Vermeiden von Risiken andere Risiken, die das Leben erst richtig gefährlich machen. So forderten Amalgam-Gegner, nicht nur das Zähneputzen einzustellen, um die Freisetzung des in der Füllung enthaltenen giftigen Quecksilbers zu verhindern. Vielmehr sollten sich Amalgam-Träger den Kiefer ausfräsen, die Wunden sechs Wochen lang offen halten, sämtliche Zähne ziehen und ein Gebiss anfertigen lassen – kein leichter Eingriff. Die Autoren erklären, dass der Versuch, alle Risiken auszuschließen, eine „Null-Prozent-Strategie" zu verfolgen, zu nichts führt: Moderne Analysemethoden können Stoffe in ihren trillionstel Teil zerlegen, spüren Schadstoffe auf, die vorher gar nicht ermittelt werden konnten.

Der stumme Frühling – Panik um DDT

Als „Lehrbuchbeispiel für verfehlte Risikobekämpfung" dient das Verbot des Insektenvernichtungsmittels DDT. 1962 erschien das Buch „Der stumme Frühling" der amerikanischen Journalistin Rachel Carson, in kürzester Zeit ging es um die Welt. Ihre These: Das Gift, das sich in den Insekten ansammelt, würde sich in den Körpern der Insektenfresser, insbesondere der Vögel konzentrieren. Dadurch würden die Eierschalen so dünn, dass sie während der Brut zerbrächen und kaum mehr Jungvögel nachwachsen. Als Folge der solcherlei chemischer Insektenbekämpfung prophezeite Carson nichts geringeres als das Aussterben aller Vögel voraus.

Obwohl sich ihre These schon bald als falsch erwies, wurde DDT verboten. Mit verheerenden Folgen: Die in vielen Ländern dank DDT fast ausgerottete Malaria nahm wieder zu. Ein gutes Beispiel, finden die Autoren. Denn, „natürlich ist DDT gefährlich, kein Mensch würde sich damit das Butterbrot besprühen", „aber der Verzicht auf DDT ist auch gefährlich."

Tödliche Schmerzmittel

Doch vernünftige Argumente haben es schwer, sobald der vermeintliche Teufel erst mal an die Wand gemalt ist: So auch im Fall der angeblich schweren Nebenwirkungen des schmerzstillenden Wirkstoffes „Paracetamol". Der Stern berichtete 1997 derart dramatisch über den Fall der fünfjährigen Linda Straub aus Hassenbach (Bayern), die an einer Überdosis des „Paracetamol" starb, dass kaum einer es wagte, dem Verbot des angeblichen Teufelszeugs widersprechen. Der Stern schrieb von mindestens sieben Todesfällen und zwölf offiziell registrierten Vergiftungen zwischen 1989 und 1996. Doch gleichzeitig gab das Magazin an, es würden jährlich 15 Millionen Packungen verkauft.

Ist „Paracetamol" also lebensgefährlich? Die Autoren rechnen vor: In acht Jahren wurden mindestens 80 Millionen Schachteln verkauft. Dabei kam es zu 19 schweren Zwischenfällen. Das Risiko beträgt somit 1 : 4,2 Millionen. Das heißt: 4,2 Millionen Packungen lindern die Schmerzen der Menschen, ohne dass es zu einem schlimmen oder tödlichen Zwischenfall kommt. Und die Fälle, die auftreten, beruhen in der Regel auf Überdosierung wie bei der fünfjährigen Linda und nicht auf der Schädlichkeit des Wirkstoffes. „Was will man eigentlich noch mehr?" fragen da, dem Leser leicht nachvollziehbar, die Autoren.

Keine Macht den Panik-Machern!

Walter Krämer und Gerald Mackenthun nehmen sich eine ganze Reihe von Panik-Themen vor und zerlegen die Argumente der Angstmacher humorvoll und in einem leicht verständlichen Stil. Eine gute Struktur ermöglicht es, sich einzelne Aspekte herauszugreifen und Literaturhinweise erleichtern das Vertiefen. Fazit: eine lesenswerte Beruhigungspille für den angstgeplagten Durchschnittsbürger.

Walter Krämer und Gerald Mackenthun: „Die Panik-Macher"
Piper-Verlag München, 2001, 361 Seiten,
19,90 Euro
ISBN 3492043550

Bild: Copyright liegt beim Verlag


   

Weiterführende Links:
   Informationen zum Buch (vom Verlag)



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