Weithin beklagen deutsche Medienschaffende, sie und ihre Leser, respektive
Zuschauer, würden nur einen Teil des wahren Geschehens zwischen Euphrat und
Tigris zu Gesicht bekommen. Schuld daran seien die Amerikaner, versuchten sie
doch, den altbekannten "Nebel des Krieges" mit frisierten Bildern
zum Punktgewinn in der medialen Propagandaschlacht (aus) zu
nutzen.
Der Ärger mag berechtigt sein. Doch drohen die medialen Tugendwächter in ihrer
Ereiferung die wahren Schurken zu übersehen, die im Windschatten der weltweiten
Aufmerksamkeit kurzen Prozess mit unangenehmen Regimekritikern machen.
Als da
wären Fidel Castro, Massimo Líder der kubanischen Revolution. Satte 75 Revisionisten,
darunter einige der führenden Oppositionellen, ließ der Revolutionsführer letzte
Woche verhaften. Protest von den deutschen Vorkämpfern für Frieden und Menschenrechte?
Fehlanzeige. Einzig Ari Fleischer, Portavoce des Öl-fixierten Imperium Americanum,
interessierte sich für die Zuckerrohrinsel.
In Europa dagegen freute man sich auf die bevorstehende Unterzeichung eines weit
reichenden Handelsabkommens mit dem sozialistischen Inselparadies. Nun mag man
diesen klitzekleinen Widerspruch noch mit der alten - selbstredend
friedlichen - Waffenbrüderschaft so manchen deutschen Gegners des
"völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der imperialen Supermacht" mit dem "Comandante"
erklären.
Schwieriger wird das schon im Fall Mugabe. Jenes afrikanischen Vorzeigepolitikers,
dessen bevorzugtes politisches Instrumentarium der gezielt eingesetzte Lynchmob ist.
Und der, ob seiner Ablehnung des "völkerrechtswidrigen Irak-Kriegs" kürzlich vom
obersten aller Friedensfürsten, Jacques Chirac, nach Paris zum Gipfel geladen wurde.
Wer mag es solch einem erklärten Verteidiger der (irakischen) Menschenrechte schon
übel nehmen, dass er 500 Oppositionelle in seine Kerker werfen ließ?
Na ja, abraten möchte man ihm vielleicht schon. Aber deswegen gleich darüber
berichten oder gar eine Mahnwache vor der Botschaft Simbabwes aufstellen und
stündlich herz- wie ohrenzerreißend auf eine Mahnglocke eindreschen? Das wäre
übertrieben. Denn zweifelsohne geht es den politischen Gefangenen im südlichen
Afrika besser als den geschundenen Afghanen in Guantánamo.
Aber Moment mal. War da nicht noch was mit den unterprivilegierten Massen der
Dritten Welt, die durch zynische, und obendrein mit zweierlei Maß messende
Interessenspolitik geradezu zwangsläufig in die Arme des Terrorismus getrieben
werden? Doch Gemach. Falls die sich mal mit ihrem Ärger an uns halten sollten, ist
dafür bestimmt die Propaganda der Amis verantwortlich.