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e-politik.de - Home  Brennpunkt  Internationales   Irak


Schurken im Nebel

Autor :  Philip Alexander Hiersemenzel
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 04.04.2003

Die Amerikaner versuchen, die Öffentlichkeit informationstechnisch einzunebeln? Geschützt von den Staubwolken des Wüstenfeldzugs treiben noch ganz andere Kaliber ihr Unwesen. Eine Polemik von Philip Hiersemenzel.


Weithin beklagen deutsche Medienschaffende, sie und ihre Leser, respektive Zuschauer, würden nur einen Teil des wahren Geschehens zwischen Euphrat und Tigris zu Gesicht bekommen. Schuld daran seien die Amerikaner, versuchten sie doch, den altbekannten "Nebel des Krieges" mit frisierten Bildern zum Punktgewinn in der medialen Propagandaschlacht (aus) zu nutzen.

Der Ärger mag berechtigt sein. Doch drohen die medialen Tugendwächter in ihrer Ereiferung die wahren Schurken zu übersehen, die im Windschatten der weltweiten Aufmerksamkeit kurzen Prozess mit unangenehmen Regimekritikern machen.

Als da wären Fidel Castro, Massimo Líder der kubanischen Revolution. Satte 75 Revisionisten, darunter einige der führenden Oppositionellen, ließ der Revolutionsführer letzte Woche verhaften. Protest von den deutschen Vorkämpfern für Frieden und Menschenrechte? Fehlanzeige. Einzig Ari Fleischer, Portavoce des Öl-fixierten Imperium Americanum, interessierte sich für die Zuckerrohrinsel.

In Europa dagegen freute man sich auf die bevorstehende Unterzeichung eines weit reichenden Handelsabkommens mit dem sozialistischen Inselparadies. Nun mag man diesen klitzekleinen Widerspruch noch mit der alten - selbstredend friedlichen - Waffenbrüderschaft so manchen deutschen Gegners des "völkerrechtswidrigen Angriffskriegs der imperialen Supermacht" mit dem "Comandante" erklären.

Schwieriger wird das schon im Fall Mugabe. Jenes afrikanischen Vorzeigepolitikers, dessen bevorzugtes politisches Instrumentarium der gezielt eingesetzte Lynchmob ist. Und der, ob seiner Ablehnung des "völkerrechtswidrigen Irak-Kriegs" kürzlich vom obersten aller Friedensfürsten, Jacques Chirac, nach Paris zum Gipfel geladen wurde. Wer mag es solch einem erklärten Verteidiger der (irakischen) Menschenrechte schon übel nehmen, dass er 500 Oppositionelle in seine Kerker werfen ließ?

Na ja, abraten möchte man ihm vielleicht schon. Aber deswegen gleich darüber berichten oder gar eine Mahnwache vor der Botschaft Simbabwes aufstellen und stündlich herz- wie ohrenzerreißend auf eine Mahnglocke eindreschen? Das wäre übertrieben. Denn zweifelsohne geht es den politischen Gefangenen im südlichen Afrika besser als den geschundenen Afghanen in Guantánamo.

Aber Moment mal. War da nicht noch was mit den unterprivilegierten Massen der Dritten Welt, die durch zynische, und obendrein mit zweierlei Maß messende Interessenspolitik geradezu zwangsläufig in die Arme des Terrorismus getrieben werden? Doch Gemach. Falls die sich mal mit ihrem Ärger an uns halten sollten, ist dafür bestimmt die Propaganda der Amis verantwortlich.


   


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